Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren. Klicken Sie hier für weitere Informationen.
Hier klicken, um diese Nachricht nicht mehr anzuzeigen.



Agentur für Arbeit Lübeck

Kultur Wissenschaft Ausbildung

Oratorium „Paulus“ von Mendelssohn-Bartholdy in

25. November 2008. Lutz Gallinat hat bisher vor allem "literarisch" berichtet. Nun schreibt er zu einer musikalischen Veranstaltung: "Es war eine feierliche und besinnliche Aufführung. Am letzten Sonntag wurde in der gut gefüllten St.Aegidien Lübeck das Oratorium „Paulus“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847) geboten.
Geistliche Musik hat Mendelssohn nicht wenig geschrieben, in der Hauptsache Orgel- und Chorwerke; die beiden großen Oratorien nehmen darunter die ersten Plätze ein. Intensive Auseinandersetzung mit der Gattungstradition auf der einen Seite, äußerlich sichtbar in der Wiederaufführung von Bachs Matthäuspassion, dazu die Begegnung mit der englischen Händel-Tradition, Reflexion des eigenen historischen Standorts auf der anderen Seite- „die kirchliche Funktion war nicht restaurierbar“: davon zeugen die beiden oratorischen Werke. Der 1.Teil von Paulus – Textzusammenstellung nach der Bibel von Julius Schubring- handelt von der Predigt und Steinigung des Stephanus, an der der junge Saulus, Bass, eifernd teilnimmt, und von Saulus` Vision vor Damaskus und seiner Wandlung zum Paulus. Im 2.Teil geht es um das Wirken des Paulus bis zu seinem Abschied von der Epheser-Gemeinde.




Aegidienkirche (Zeichnung R. Bartsch)


Die großen Chöre und Chorfugen erinnern an Händel, auf Bach weisen die Turba-Chöre hin. Aber schon die instrumentale Ouvertüre – Thema: „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ -, die etwas von einer Bachschen Choralbearbeitung hat, zeigt exemplarisch, in welche bewusste Distanz sich Mendelssohn dennoch zur Tradition begibt, wie er durch harmonische Mittel und durch die Instrumentierung den barocken Gestus gleichsam aufhebt. Konkurriende Oratorienkomponisten wie Spohr und Loewe mokierten sich über das angebliche Archaisieren, andere wieder machten machten es Mendelssohn zum Vorwurf, dass er nach dem Vorbild der Matthäuspassion Choräle eingefügt hatte- wo es sich doch um ein Konzertoratorium handle, also der ursprüngliche liturgische Sinn des Chorals als Gemeindegesang nicht mehr gegeben sei.

Auch damit verkannte man die Intention: „Die Auffassung des Konzertoratoriums als imaginäre Kirchenmusik ist von Mendelssohn durch die Paulus-Choräle gleichsam auskomponiert worden“. Anders als bei Bach ist die Rolle des Erzählers auf Sopran-, Alt- und Tenorstimme verteilt, der Chor hat dramatische und betrachtende Funktionen.
Andrea Stadel, Sopran, Sandra Maxheimer, Alt, Martin Hundelt, Tenor, und Lucas Kunze, Bass, zeigten in ihrer intensiven Interpretation, dass im Zusammenklang von barocker Formenstrenge und romantischer Gefühlswärme wie später beim „Elias“ ein Erfolgsgeheimnis des Oratoriums um Paulus` Bekehrung und seine Heidenreisen. Die religiöse Aura wird nicht zuletzt durch die Einbeziehung von Chorälen unterstrichen, die der Lübecker Bach-Chor hervorragend präsentierte.

Eckhard Bürger kühlte die Gefühlstemperatur deutlich herunter und hob den barocknahen Historismus des Werks hervor. Er sorgte bei seinem Auftakt als neuer Kirchenmusikdirektor an St. Aegidien Lübeck dafür, dass der Orchesterklang der Lübecker Philharmoniker ausdrucksvoll und licht war.

Alle Akteure wurden schließlich mit viel Beifall bedacht."

Lutz Gallinat

Lübeck-TeaTime bedankt sich bei Lutz Gallinat ganz besonders für diesen bemerkenswerten Beitrag.

Impressum