Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren. Klicken Sie hier für weitere Informationen.
Hier klicken, um diese Nachricht nicht mehr anzuzeigen.



Agentur für Arbeit Lübeck

Kultur Wissenschaft Ausbildung

Figurentheater: "Im Weißen Rössl" zurück zu Kabarett und Swing?

17. November 2009 (HL-red.) "Weißes Rössl"? Walzer-Operette, Wiener Schmäh, arroganter Preußen-Fabrikant, die Wirtin - und der Kellner. Eng verbunden mit der "Peter-Alexander-Fassung" der 50er Jahre? Einst nämlich "Kabarett-Swing-Foxtrott" - dann verwalzert"! Jetzt ausgerechnet ein Figurentheater, das diese Operette aufführt - aber wie nun? Zunächst also an dieser Stelle erst einmal der Text der "Bühne" selbst zu einer Aufführung, die am kommenden Donnerstag Premiere hat - dann vom Verfasser ergänzt und angereichert aus einem Gespräch, das vor wenigen Tagen dazu stattgefunden hat:
Im Weißen Rössl: Eine Operette mit Marionetten
Kann man eine Ausstattungs- und Revueoperette mit nur zwei Personen spielen? Dampfer, Schnürlregen, Kühe auf der Bühne? Das kann funktionieren, wie das Figurentheater Lübeck ab 19. November zeigt. Dann steht dort die Operette "Im Weißen Rössl" auf dem Programm.
Der bekanntesten "Silbernen Operette" von Ralph Benatzky (1884–1957) rückt das Theater mit zwei Spielern, zehn singenden Marionetten, mit Kuhstall, Blitz und Donner augenzwinkernd zu Leibe.
Liebesgeschichten und Verwechslungen geschehen in den Bergen, wo Berliner, statt an die Ostsee zu fahren, im Schnürlregen des Salzkammerguts "lustig sind". Durch die Intervention des Kaisers Franz Joseph löst sich alle Verwirrungen in Wohlgefallen auf: Der Oberkellner Leopold erhält seine geliebte Rössl-Wirtin Josepha, Dr. Siedler die Ottilie, Sigismund sein Klärchen, und der Berliner Trikotagenfabrikant Wilhelm Giesecke knöppt sein Patent, Hemdhose 'Apollo', nunmehr konkurrenzlos vorne. Umrahmt wird die Handlung von den unsterblichen Nummern: "Es muss was Wunderbares sein, von Dir geliebt zu werden", "Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist" und "Im weißen Rössl am Wolfgangsee, da steht das Glück vor der Tür".

Marionetten: Barbara & Günter Weinhold
Bühnenbild: Martin Buchin, Denise Sheila Puri, Stephan Schlafke
Regie: Holger Brüns
Musikalische Leitung: Dietmar Staskowiak
Spiel: Silke Technau & Stephan Schlafke
Kostüme: Denise Sheila Puri
Premiere: 19. November, 19.30 Uhr
Weitere Aufführungen: 20., 21., 22. und 27. November, 5., 18., 26. und 31. Dezember jeweils um 19.30 Uhr
Figurentheater Lübeck, Kolk 20-22
Karten gibt's im Figurentheater dienstag bis sonntags von 14 bis 17 Uhr sowie jeweils eine Stunde vor Vorstellungsbeginn










Fotos (© Reinhard Bartsch)


Nun gerne dazu, wie das Stück entstanden ist - und warum es im Figurentheater Lübeck und dazu "rückgeführt auf die "Bretter" kommt:

Vor 125 Jahren, am 5. Juni 1884, wurde Ralph Benatzky in Österreich-Ungarn geboren. Bis zu seinem Tod 1957 schrieb er über 2000 Chansons, über 50 Bühnenwerke und auch Filmmusiken und Schlager. Sein größter Erfolg wurde die Operette "Im Weißen Rössl". Sie galt nach ihrem Riesenerfolg Anfang der Dreißiger Jahre in Europa und Amerika in Deutschland als entartet, war aber so populär, dass sie nicht völlig verboten wurde, sondern eine tiefgreifende musikalische Umarbeitung erfuhr. Die Fassung, die bis in die 90er Jahre aufgeführt wurde, büßte viel vom Swing und von der kabarettistischen Schärfe des Originals ein. Seit Mitte der 90er Jahre wird von Musikwissenschaftlern eine neue Lesart herausgearbeitet, die mehr auf dem musikalischen Stil von Ralph Benatzky und seiner meist jüdischen Kollegen fußt.

Auf die Lübecker "Bretter" gebracht - Zufall? Im gewissen Sinne schon; denn "Theaterdirektor" Stephan Schlafke fand Inspiration, diese im Grunde "Berliner Possen-Revue" zu ent-, oder auch zu verpuppen, selbstverständlich in - Berlin. Erlebte die eher Ur-Fassung, zumindest mit dem Versuch, sich dem Original zu nähern, 1994 im Kabarett + Comedy "Bar jeder Vernunft" - und wurde davon nicht mehr losgelassen. Auch beigetragen dazu hat Michael P. Schulz mit einem Vortrag über Ralph Benatzky vor gut anderthalb Jahren. Dennoch sollte - trotz begeisterter Mitstreiter um diese Idee - bis zur Bühnenreife weitere Zeit vergehen. Letztlich fünf Jahre allein um die Rechte am Stück, die mussten ebenso mit "Erben" und Verlag abgeklärt und vereinbart werden. Auf Chor und Ballett wurde verzichtet, die Spieldauer auf gut zwei Stunden reduziert - und schließlich wollten die Puppen sowie das Bühnenbild auch entstehen. Zunächst auf dem Aquarell-Papier, dann geschnitzt und mit Kostümen versehen. Das Play-Back war mit einem Orchester einzuspielen, womit sich Stephan Schlafke mit Partnerin Silke Technau gesanglich "live" begleiten lassen. Bild-Elemente fanden hinein, wie die zusätzlich von Benatzky-Nachkommen zur Verfügung gestellten Plakate im Foyer zeigen. "Schräg und schrill" wird es zugehen, eine Ankündigung, die auch darin zu bemerken ist, wenn etwa nach der Pause von der geschniegelten auf die Trachtenhose mit Wadenwärmer gewechselt wird.

Quelle: Figurentheater Lübeck/Red.(RB)

Impressum