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Agentur für Arbeit Lübeck

Kultur Wissenschaft Ausbildung

Dr. Guttkuhn: Lübecker Zahnärzte empfehlen...

25. Oktober 2009 (HL-red.) Auch heute setzen wir in Lübeck-TeaTime die Vorstellung der Publikationen des Lübecker Privatgelehrten und Historikers Dr. phil. Peter Guttkuhn (Foto Reinhard Bartsch) in der Reihe "Sonntags-Beiträge" fort. Diese Beiträge prägen von Beginn an das Kultur-Niveau von Lübeck-TeaTime mit. Herzlichen Dank dafür und daher diesen nicht am Beitrags-Ende, sondern auch gerne einmal vorweg!
Dies jedenfalls setzte Dr. Peter Guttkuhn voran: "Der erste von drei Beiträgen zum Thema Lübecker Zahnärzte. Sehr aktuell!"
Vor 200 Jahren gaben die berühmten Lübecker Zahnärzte Levi Philip (1750-1821) und sein Sohn Jacob Levy (1784-1840) ihren Kunden und Patienten zahlreiche aktuelle Tipps und Hinweise:
Lübecker Zahnärzte empfehlen
1.Teil
Von Dr. Peter Guttkuhn
Auch ohne Rücksicht auf Eitelkeit und Gefallsucht wünscht gewiß jeder, dem der Einfluß gesunder Zähne auf das Verdauungsgeschäft und das Wohlbefinden des ganzen Körpers nicht unbekannt ist, die Erhaltung derselben bis ins höchste Alter. Aber nur durch unerträgliche Schmerzen gezwungen, läßt man gewöhnlich den Wundarzt oder Zahnarzt kommen, selten um seines Raths sich zu bedienen, gewöhnlich nur um den schmerzenden Zahn ohne weiteres ausziehen zu lassen...

Das Lübecker Klima befördert das Verderben der Zähne außerordentlich. Selten findet man hier Personen, die nicht bereits in ihrem zwölften Jahre mehrere hohle Zähne haben. Zuckerbäcker und Conditor haben, wie die Erfahrung lehrt, niemals gute Zähne.

Der öftere Gebrauch der Zahnbürste ist vorzüglich dem Zahnfleisch schädlich, es wird hiedurch gereizt und locker. Ein mäßiger Gebrauch derselben, etwa alle vierzehn Tage, zur Anwendung eines guten Zahnpulvers, ist zur Reinlichkeit nöthig.

Die Kunst des Zahnarztes ist eben so sehr der Schönheit als der Gesundheit dienlich;
und je mehr man die Nützlichkeit dieser Kunst einsehen lernet, desto mehr wird man sie liebgewinnen. Erwachsene und Kinder haben gleiche Ansprüche an die Hülfsleistungen dieser Kunst; durch selbige werden Zwecke erreicht, welche ebenso auffallend sind, als solche dauernde Vorteile bewürken. Ohne Reinlichkeit gibt es keinen Putz; die Reinheit des Mundes bleibt die größte Zierde des Menschen, und ist nichts zurückstoßender und widriger als der üble Geruch des Athems, welcher durch Schmutz, Weinstein, Eiterung und dergleichen Übel der Zähne oder des Zahnfleisches entspringt.
Unterzeichnete empfehlen sich wiederholend als erfahrne Zahnärzte dem geehrten Publicum bestens.

Sie schaffen den Schmutz und Weinstein der Zähne mit größter Vorsicht und besondrer Leichtigkeit weg und bieten, wegen der zu unterhaltenden Reinlichkeit der Zähne und Conservation des Zahnfleisches, ihr sehr fein präparirtes Zahnpulver,
à 1 Courant-Mark die Schachtel, und ihre sehr vortheilhaft bekannte Zahntinctur,
à 1 Courant-Mark das Glas, an, welche Mittel durch die Königl. Medicinische Facultät in Kiel approbirt sind und wodurch die Zähne weiß gemacht werden, auch das Zahnfleisch gestärkt wird.

Wir ziehen mit besondrer Geschwindigkeit und ohne große Schmerzen zu verursachen die Zähne aus und nehmen auf ähnliche Art selbst die verfaulten Splitter der Zähne weg; wir ergänzen die zum Theil schadhaften Zähne und setzen an deren Stelle ebenso starke, weiße und ganz so brauchbare Zähne, als wie die natürlichen sind, wieder ein; wir verfertigen ebenfalls einzelne Zähne mit Federn oder mit Röhren, à canons genannt; so wie ganze Reihen von Zähnen, ganze vollständige Gebisse mit Spiralfedern, welches alles wir aufs geschickteste anbringen und welches man viele Jahre ebenso gut und zweckmäßig gebrauchen kann, als wenn es durch die Natur hervorgebracht wäre.

Da viele hiesige Hausväter, die es sich zur Pflicht machen, für die Bildung ihrer Kinder zu sorgen, uns mit ihr besonderes Zutrauen beehrt und uns beauftragt haben, die Zähne ihrer Kinder zu bestimmten Zeiten zu reinigen und ihnen die Wechselzähne auszunehmen, welches alles mit dem besten Erfolg gekrönt worden ist; so machen wir hiemit noch bekannt: daß wir dieses Geschäfte auch ferner mit größter Aufmerksamkeit, Vorsicht und Pünktlichkeit fortzusetzen gesonnen sind, und wir uns ebenfalls hierinnen aufs angelegentlichste empfehlen.

Übrigens werden wir uns eifrigst bemühen, in Hinsicht reeller und billiger Behandlung, der Erwartung eines jeden zu entsprechen, und appelliren wir, in diesem Betracht, an dasjenige Publicum, dessen Zutrauen wir uns, durch unsere demselben bereits geleisteten Dienste, würdig gemacht zu haben glauben.

Levy & Sohn, von der Königl. medicin. Facultät in Kiel
approbirte Zahnärzte.
Wahmstraße Nr. 458 (heute: Nr. 74)"


Dr. Peter Guttkuhn:
Der Wissenschaftler forscht seit Jahren zur deutsch-jüdischen Geschichte der Hansestadt. Auf nationaler und internationaler Ebene hat er nahezu 190 Titel zu diesem Forschungsgebiet publiziert. Seine Vorträge im In- und Ausland sind sehr gefragt und tragen in erheblichem Maß zur Aufarbeitung der Geschehnisse in der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland bei.

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