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MEDICA : Biomarker sollen zur gezielten Krebstherapie führen

13. Oktober 2009 (HL-red.) HS-Kulturkorrespondenz: Biomarker sollen zur gezielten Krebstherapie führen - Von Hans-Joachim Lender und Horst Schinzel: Moderne Diagnose- und Therapiekonzepte in der Onkologie sind ein „Themenklassiker“ der weltgrößten Medizinmesse MEDICA in Düsseldorf.vom 19. bis 21. November 2009 . Unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. Jürgen Debus und Prof. Dr. Hans-U. Kauczor vom Universitätsklinikum Heidelberg sollen innovative Wege der integrierten Krebsdiagnose und Krebstherapie unter Einsatz geeigneter bildgebender Verfahren und Befundungssysteme aufgezeigt werden. Ungeachtet der vielfältigen Möglichkeiten, die im Rahmen der MEDICA 2009 durch das medizintechnische Angebot der Aussteller sowie durch die Kongress-Vorträge aufgegriffen werden, stößt die momentane Therapievorgehensweise an ihre Grenzen. Die Alternative zum Standardkonzept: Diagnostik und Therapie sollen zukünftig an der Genetik des individuellen Patienten ausgerichtet werden. Zwei Milliarden Euro will die Europäische Kommission zusammen mit der Industrie in das Auffinden von so genannten Biomarkern stecken. Die Labormedizin nimmt die Herausforderung an.




Foto ü/Verfasser


Ende dieses Jahres wird der Krebs die Herz-Kreislauf-Erkrankungen als weltweite krankheitsbedingte Haupttodesursache vermutlich abgelöst haben. Im kommenden Jahr werden weltweit schätzungsweise zwölf Millionen neue Krebserkrankungen entstehen und sieben Millionen Menschen an Tumorbildung sterben, so lautet die Prognose des WHO-Instituts für Krebsforschung (CIRC).

„Kein Zweifel, die großen Hoffnungen haben sich nicht erfüllt“, auch wenn es bei einigen Krebsformen „enorme Fortschritte“ gebe, zeigt sich der Nobelpreisträger und Vorstandsvorsitzende vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg, Professor Harald zur Hausen, reserviert ob der begrenzten Erfolge im Kampf gegen den Krebs.

Für die Bekämpfung der vielfältigen Ursachen für die Entstehung von Krebs - über 200 Krebsarten gibt es - stehen der Medizin trotz beeindruckendem therapeutischen Fortschritt nur wenige wirksame Werkzeuge zur Verfügung. Die Folge: Jeder zweite an Krebs erkrankte Patient verstirbt.

Verzweifelt müssen Gesundheitsökonomen mit ansehen, wie neue Medikamente in der Onkologie, die bis zu 300 Prozent teurer sind als die Standardpräparate, eingesetzt werden, obwohl sie nur bei 20 Prozent der Krebspatienten ansprechen. Da diese 20 Prozent vor der Therapie nicht identifiziert werden können, weil entsprechende biologische Marker fehlen, werden 80 Prozent der Patienten demnach einer extrem teuren und doch nutzlosen Therapie unterzogen.

Angriff auf die Krebszelle über verschiedene Ebenen
Dabei hat die Wissenschaft die Signalwege in der Tumorzelle demaskiert, man weiß in etwa was in ihr los ist. Und doch „sprechen zwei Drittel der Patienten nicht auf die Therapie an“, verweist Professor Dr. Guido Adler, Vorsitzender des Gesundheitsrates im Bundesministerium für Bildung und Forschung, auf das Dilemma etwa beim Darmkrebs. Man müsse, betont Adler, die Krebszelle über verschiedene Angriffsebenen parallel angehen, also Therapieverfahren kombiniert einsetzen. Es gehe darum, „maßgeschneiderte Therapiekonzepte“ zu entwickeln.

Gesucht ist also die richtige Therapie am richtigen Patienten. Trotz gleichem Krankheitsbild und gleicher Behandlung reagieren Patienten auffallend unterschiedlich. Es gilt die Behandlung so weit wie möglich individuell der Biologie des Tumors anzupassen. Die Alternative gegen das nur bedingt taugliche Prinzip „ein Medikament für alle“ ist die individualisierte Therapie, die eine individuelle Labordiagnostik voraussetzt.

Und so führt der Weg in die Individualmedizin über die Molekulargenetik. Persönliche Genmuster von Patienten, routinemäßig analysiert, sind die Grundlage, auf der in der Folge maßgeschneiderte Medikamente angefertigt werden. Und so könnte die Zukunft der molekularen Diagnostik aussehen: Die Laborassistentin entnimmt eine Blutprobe, gibt sie in einen so genannten Sequenzierautomaten und erhält den Bauplan des Tumors ausgedruckt zusammen mit Therapieempfehlungen, wie der Tumor an seiner genetischen Schwachstelle angegriffen werden kann.

Auch wenn eine derart personalisierte Genomanalyse von Krebserkrankungen in Zukunft möglich sein könnte, sie wäre mit der derzeitigen Technik unbezahlbar. Die Sequenzierung des Genoms dauerte mehrere Monate und kostete mehr als eine Million Euro.

Die Grenzen individueller Krebstherapie
Das Konzept einer individuellen Krebstherapie erscheint derzeit also noch unrealistisch. Für realistisch dagegen halten es Wissenschaftler, Risikogruppen zu identifizieren und mit Gentests die Behandlung etwas spezifischer zu gestalten.

So gibt es bereits einen Biochip, der das Risiko abschätzen hilft, mit der eine Erkrankung wie der Brustkrebs fortschreitet. Dieser genetische Test vermag die Aktivität von 70 an der Zellwucherung von Mamma-Tumoren beteiligten Genen aufzuspüren. Dabei wird davon ausgegangen, dass die Fähigkeit Metastasen zu bilden, in der Tumorzelle genetisch festgelegt ist. Somit wird es möglich, das Rückfallrisiko bereits im Primärtumor zu bestimmen. Jede dritte behandelte Brustkrebspatientin entwickelt in den Folgejahren bösartige Tochterzellen.

Ein anderes Beispiel beschreibt das Pankreaskarzinom: Bereits vor Beginn einer Chemotherapie beim Bauchspeicheldrüsenkrebs lässt sich verlässlich vorhersagen, wie wirksam bestimmte Chemotherapeutika sein werden. Das jedenfalls stellt eine Arbeitsgruppe Pankreasforschung am Klinikum rechts der Isar in München in Aussicht.

Und ein Hinweis für das Ansprechen von Krebsmedikamenten könnten Enzyme sein. Enzyme sorgen im Körper für den Abbau von Arzneimitteln. Da sie sich von Mensch zu Mensch stark unterscheiden, kann ein persönliches Enzymprofil die Wirkstoff- und Dosis-Auswahl von Krebsmedikamenten verbessern.

Auf dem weiten Weg zur individuellen Krebstherapie bieten sich neuerdings spezifische Medikamente an, „zielgerichtete Krebstherapeutika“ genannt. Wirken herkömmliche klassische Chemotherapeutika wie Dampfwalzen, die unspezifisch ihre zelltoxische Wirkung entfalten, sind die neuen Wirkstoffgruppen zielgerichtet und zytostatisch. Ihre Nebenwirkungen sind nicht annähernd so dramatisch und belastend wie bei der herkömmlichen zyklischen Therapie. Dafür müssen die neuen Substanzen über lange Zeiträume genommen werden. Ein knappes Dutzend solcher Präparate ist bereits zugelassen.

Quelle: HS-Kulturkorrespondenz


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