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Julius Cäsar – Ein Lehrstück über die Verführung der Macht

12. Oktober 2009 (HL-red.) HS-Kulturkorrespondenz: Julius Cäsar – Ein Lehrstück über die Verführung der Macht - Von Horst Schinzel:
Als Georg Friedrich Händel 1723 seine Oper „Julius Cäsar“ für seine Royal Academy of Music“ schrieb, war der zugrunde liegende Stoff über das Liebepaar Cäsar / Kleopatra äußerst populär. Auch andere Komponisten haben es bearbeitet. Vergleichbares gab es ja an den europäischen Fürstenhöfen dieser Zeit zuhauf. Aber Händel – dessen 250. Todestag die Musikwelt und deshalb auch die Kieler Oper – in diesem Jahre gedenkt, belässt es nicht bei der Liebesgeschichte als solcher. Die antike Geschichte wird bei ihm zur Parabel über die Verführung der Macht. Der römische Feldherr wird in dieser Oper zum Mittel zum Zweck für das ägyptische Geschwisterpaar Kleopatra und Ptolemäus, ihren Streit um den alleinigen Besitz des Thrones auf die Spitze zu treiben und endgültig zu entscheiden. Ein Streit übrigens, der historisch belegt ist: Cleopatra hat sogar mit zwei ihrer Brüder darum Kriege geführt.
Historischer Hintergrund dieses Musikwerkes ist, dass Cäsar seinen Mitregenten Pompeius vernichtend geschlagen hatte. Auf der Flucht war Pompeius an den ägyptischen Hof gelangt. Mit-König Ptolemäus ließ ihn gefangen nehmen und enthaupten. Den Kopf sandte er dem heran rückenden Cäsar als Begrüßungsgeschenk senden – ein Geschenk, dass diesen anwiderte und empörte. Auch dies ist historisch bezeugt
Mit einem Vorspiel, das dieses Geschehen schildert, setzt die Kieler Inszenierung von Silvana Schröder –
der Schwester des Kieler Noch-Ballettdirektors – ein. Dann begegnen auf einer höchst bedrohlich wirkenden – weit in die Tiefe gehenden Bühne (für die Andreas Auerbach) zeichnet – den Hauptakteuren der Handlung. Und erleben sogleich, welch großartige Stimmen hier versammelt sind. Für die einst als Kastratenrolle angelegte Figur des Julius Cäsar wurde der italienische Countertenor Antonio Giovannini (29) verpflichtet. Der ist in seinem Heimatland bereits sehr populär, aber im deutschsprachigen Raum bei den diesjährigen Salzburger
Festspielen erstmals aufgetreten. Für die überaus attraktive und mit einer großen Stimme begabten Griechin Eleni Voudouraki in der Rolle der Pompeius-Witwe ist es gar überhaupt ein Deutschland-Debüt. Von dieser
jungen Sängerin ist auf den deutschen Opernbühnen gewiss noch Großes zu erwarten.
Neben diesen schon gestandenen Künstlern lernen wir an diesem Abend in der Rolle des Pompeius-Sohnes Sextus die junge Mezzsosopransitin Amira Elmadfa kennen. Die – trotz des Namens – Hessin ist Anfängerin, weiß zu spielen und verfügt über eine ansprechende Stimme. Seit dieser Spielzeit ist sie in Kiel fest verpflicthet.
Seinen ganz großen Auftritt aber hat als „Schurke“ Ptolemäus Tomohiro Takada. Schon von der Maske mit blutigem Mund hinreichend gekennzeichnet, bietet der Tenor eine überzeugende Leistung als machthungriger Intrigant. Es ist für ständige Besucher immer schön zu sehen, wenn ein Ensemblemitglied wächst. Hier finden wir ein besonders eindrucksvolles Beispiel.
Eine großartige Leistung bietet Heike Wittlieb als Cleopatra. Eigentlich entspricht eine solche dramatische Rolle gar nicht ihrem Fach. An diesem Abend überzeugt sie mit ihrem Spiel und ihrem herrlichen Gesang. Überzeugend auch Kyung-Sik Woo als Ptolemäus-Vertrauter Achilles.
Der Regie der Silvana Schröder ist anzumerken, dass sie vom Ballett kommt. Entsprechend lässt sie ihre Sänger auftreten. Für ein ausgeklügeltes Spiel lässt das Werk ohnehin wenig Raum. Das Geschehen läuft mehr oder minder außerhalb der Handlung ab, und bei jedem Handlungsfortschritt erklingen ausgedehnte herrliche Da-capo-Arien, in denen die einzelnen Sänger ihr Schicksal schildern oder beklagen. Ganz besonderen Wert legt
Silvana Schröder auf die Darstellung der Verführungskünste der Kleopatra. Die Liebeszene im Hamman knistert vor Erotik. Und eine Leiter wird auf- und abgeklettert, Fache in den Wänden öffnen und schließen sich, in der Decke öffnen und schließen sich Bauteile – da ist oftmals die Bedeutung nicht zu durchschauen. .Eindrucksvoll die Schlusspointe: Ptolemäus greift sich den Königslorbeer zurück – die Usurpatoren der Macht sind immer die Gewinner…
Geleitet wird der Abend von einem jungen Vertreter der Zunft der Barockspezialisten – dem Argentinier Rubén Dubrowsky. Der junge Künstler ist überhaupt erst seit einem Jahr in dieser Szene tätig. Das auf Kammeremsemble verkleinerte Philharmonische Orchester folgt ihm willig, mehr Mühe machen ihm seine Sänger, die ob des Premierenstress sehr an seinem Dirigat hängen.
Ein ganz großer Abend. Das sichtlich ergriffene Publikum dankt schon während der Vorstellung immer wieder mit Szenenapplaus. Der Schlussbeifall ist lang und anhaltend.




Foto ü/Verfasser


Weitere Aufführungen
17. und 30. Oktober , jeweils 20 Uhr

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