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Lutz Gallinat: Thomas Brussig las im Scharbausaal

11. Oktober 2009 (HL-red.) Zur Autorenlesung lud die Stadtbibliothek Lübeck am letzten Mittwoch ein. Thomas Brussig las im Scharbausaal aus seinem 2006 bei Fischer, Frankfurt a.M, erschienenen Roman "Wie es leuchtet". Lutz Gallinat schreibt dazu: "Niemand weiß, wie ich es anfing- doch plötzlich ist nichts, wie es war. Mit dem Mauerfall stürzt Starpartner Leo Lattke in eine Schreibkrise, und Lena, die rollschuhlaufende Jeanne d`Arc von Karl-Marx-Stadt, ist auf PLatz 1 der Hitparaden. Wie kann ein neunzehnjähriger Albino für einen Weltkonzern eine Volkswirtschaft sondieren? Wieso ist ausgerechnet Alfred Bunzuweit, der furzende Tankwart, Direktor eines Luxushotels? Warum kann Fritz Bode mit seinem Glasauge nur noch Murmel spielen?
Das deutsche Jahr stellte neue Fragen und griff alte auf, um sie neu zu beantworten : "Wann explodiert Alltägliches zum Einmaligen? Kann ein Buch die Welt verändern ? Wie lange kann man glücklich sein?
Thomas Brussigs Roman ist die Walpurgisnacht der Wende. In jedem Winkel des morschen Gebildes aus vierzig Jahren wird hineingerufen: "Kommt, auf, hinaus, lasst uns aufbrechen!" Es irrlichtert und geistert, Fratzen schnarren am Weg, und manchmal zeigt jemand, wohin es geht. Dorthin, wo es leuchtet. Nur leuchten kann vieles, das Geld und das Offene zumal, und welches Leuchten das rechte ist, das notwendende, entscheidet sich erst, wenn die Walpurgisnacht lange, lange vorbei ist. Oder nie.
Brussig, dem Wunderknaben vom Prenzlauer Berg, ist der Deutschlandroman gelungen, auf den man seit jenen Tagen gewartet hat. Er nimmt sich die Wendegesellschaft Berlins vor wie Balzac einst in seinen "Verlorenen Illusionen" die Salons und die Demimonde vor Paris, figurenreich, aberwitzig, rührend, politisch. Ein Karneval, der sich zum Zeitroman weitet. Das ist wirklich große Literatur. Weil Brussig unterhalten kann. Und man trotzdem spürt, wie ernst es ihm ist.
Thomas Brussig, 1965 in Berlin geboren, wuchs im Ostteil der Stadt auf. Er studierte Soziologie und Dramaturgie und debütierte 1991 mit dem Roman "Wasserfarben". 2001 veröffentlichte Brussig "Leben bis Männer"- ein Monolog, der auch als Theaterstück begeistert aufgenommen wurde. Thomas Brussig wurde mit dem Hans-Fallada-Preis und der Carl-Zuckmayer-Medaille ausgezeichnet. Seine Bücher wurden bisher in 28 Sprachen übersetzt.
Die Lesung löste eine rege Diskussion aus. Die zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörer spendeten schließlich bei dieser Soiree im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Grenzerfahrungen- 20 Jahre friedliche Revolution, Mauerfall und Deutsche Einheit" der Hansestadt Lübeck sehr viel Beifall."

Lutz Gallinat

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