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Im Ersten: Schabowski Zettel – Die Nacht als die Mauer fiel

29. September 2009 (HL-red.) HS-Kulturkorrespondenz: Im Ersten: Schabowski Zettel – Die Nacht als die Mauer fiel - Von Horst Schinzel: Die Vorstellung ist im Westen Deutschlands weit verbreitet: Der damalige Sprecher des Zentralkomitees der SED
habe am Abend des 9. November 1989 gleichsam aus Versehen die Mauer geöffnet. Dem war durchaus nicht so.




Foto ü/Verfasser


Zum einen gibt es Mitschnitte dieser historischen Pressekonferenz, zum anderen solche von Nachfragen ausländischer Korespondenten, in denen Schabowski das vorher Gesagte bestätigt hat. Wenn überhaupt jemand aktiv dafür gesorgt hat, dass sich die Mauer tatsächlich öffnete, dann war es der Stasi-Oberstleutnant Harald Jäger. Der befehl angesichts der heranströmenden Menschenmassen am Grenzübergang Bornholmär Straße, den Schlagbaum hochzukurbeln und die Menschen ziehen zu lassen – allerdings auch erst, nachdem auf Rückfragen bei seinen unmittelbaren Vorgesetzten keine klaren Weisungen zu erhalten waren.
Diese Ereignisse jähren sich in wenigen Wochen zum zwanzigsten Male. „“Das Ernste“ zeichnet in der Dokumeantation „Schabowskis Zettel“ diese dramatischen Ereignisse nach. Dafür ist es den Filmemachern gelungen, das Original – besser: Eine Abschrift - dieses Zettels in der Stasi-Unterlagen-Behörde – volkstümlich Birthler-Behörde genannt zu finden. Den hatte am Vormittag dieses historischen Tages der Volkspolizei-Oberst Gerhard Lauter –Abteilungsleiter für das Pass- und Meldewesen im Innenministerium der DDR – auf Weisung der Partei ausgearbeitet. Die wolle aus dem brodelnden Kessel der immer größer werden Zahl der Ausreisewilligen den Dampf ablassen. Zusammen mit seinen Kollegen mogelte der Oberst in den Text eine Regelung über Privatreisen und schickte den Entwurf in das Politbüro. Dabei war ihm äußerst mulmig. DDR-
Staatschef Krenz gibt den Entwurf mehr oder minder ungeprüft an den Sprecher des Politbüros Schabowski weiter, der ihn bis zum Beginn der berühmt gewordenen Pressekonferenz auch nicht weiter gelesen hat. Auf Nachfrage murmelt er, die Regelung gelte ab sofort und bestätigt dies auch in schlechtem Englisch nach
Schluss der Pressekonferenz.
Völlig ahnungslos von den Folgen fährt der Funktionär nach Hause. Spät am Abend holt ihn die Stasi aus dem Bett: Die Grenzübergänge sind überrannt worden. Den Ersten hauen die Grenzer noch einen Stempel in die
Ausweise und bürgern sie damit eigentlich aus – was keine Wirkung mehr entfaltet. Und dann wird die Grenze auch von Westen her überlaufen. DDR-Grenzschutz und Volkspolizei resignieren
Dieses dramatische Geschehen zeichnet die Dokumentation in einem Stundenprotokoll nach. Die Filmemacher waren bemüh, die Originalsschauplätze nachzubauen und so auszustatten, wie sie wohl 1989 ausgesehen haben.
Am schwierigsten sei es gewesen, den Originalstempel der Grenzübergangtsstelle Bronholmer Straße zu beschaffen.
Ein bemerkensweerter Beitrag zur Zeitgeschichte. Nur: Ob Günter Schabowski nun wirklich wusste, was er tat, erfährt der Zuschauer immer noch nicht. Hat er die Mauer zwar nicht aus Versehen, aber doch aus Schusseligkeit geöffnet?
„Schabowski Zettel“, 2. November 2009, 21 Uhr, im ERSTEBN

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