Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren. Klicken Sie hier für weitere Informationen.
Hier klicken, um diese Nachricht nicht mehr anzuzeigen.



Agentur für Arbeit Lübeck

Kultur Wissenschaft Ausbildung

HS-Kulturkorrespondenz: Rezension: Mythos Czernowitz

15. August 2009 (HL/red.) HS-Kulturkorrespondenz: Rezension: Mythos Czernowitz - Von Horst Schinzel: Der vorliegende Sammelband wurde mit dem Untertitel „Eine Stadt im Spiegel ihrer Nationalitäten“ vom Deutschen Kulturform Östliches Europa“ im Jahre 2008 anlässlich der 600-Jahr-der ersten Erwähnung dieser Stadt herausgegeben. Wobei es schon damit so eine Sache ist: Zwar hat das heutige Ukrainische Tscherniwizi im Oktober 2008 sein sechshundertjähriges Stadtjubiläum gefeiert. Aber was 1480 erstmals erwähnt worden ist, war eine Zollstation. So wie die Stadt heute im Schnittpunkt der Ukraine, Rumäniens und Moldawiens ist, war diese Gegend auch damals schon eine Grenzregion – im Osten das halbssouveräne Fürstentum der Moldau, im Norden die entwickelnden Staaten Mitteleuropas mit Böhmen und Polen.

Im Zuge der Ersten Polnischen Teilung wurde die Bukowina mit Czernowitz – damals ein armseliges Dorf – 1774 von Österreich besetzt. Vom späteren Glanz war die neue Verwaltungshauptstadt der
Bukowina weit entfernt. Im Zuge der Bemühungen, die Region voran zu bringen, warb Österreich wie schon ein halbes Jahrhundert zuvor für das Banat Siedler aus verschiedenen deutschen Gegenden an.
Die hier ansässigen Juden Rumänen, Polen und Ukrainer – damals Ruthenin genannt – wurden nicht behindert. Im Gegenteil: Die Polen gewannen Ansehen und nahmen bald in Verwaltung und Gesellschaft einen wichtigen Rang ein
Czetnowitz wuchs vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts beachtlich und entwickelte ein reichhaltiges Kulturleben aller hier ansässigen Nationen. Weil aber die Juden Deutsch sprachen und, fühlten stand das deutsche Element im Vordergrund. Und so entwickelte sich die reiche deutsche Kultur einer Sprachinsel.
Während des Ersten Weltkrieges wurde die Bukowina mehrfach von russischen Truppen besetzt.
Durch die Pariser Vorortverträge wurde die Bukowina Rumänien zugesprochen, das sich hier höchst ungut aufführte. Das überschäumende Nationalbewusstsein – das schon im Altreich fröhliche Urständ feierte – erlebte hier im Grenzgebiet seine schlimmsten Auswüchse.
Durch den „Zweiten Wiener Schiedsspruch“ fiel die Nordbukowina 1940 an die Sowjetunion. Hitler-Deutschland holte die deutschen Volksgruppen in der Nord- und Süfbukowina aufgrund von Verträgen mit der Sowjetunion und Rumänien „heim ins Reich“. Dort begegnete man freilich diesen „Volksdeutschen“ höchst ungut.
Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion wurde Rumänien eine Besatzungszone in Transnistrien zugesprochen. Dorthin wurden die Czernowitzer Juden verschleppt, so sie nicht schon nach dem Einmarsch der rumänischen und deutschen Truppen ermordet worden waren Immerhin durften einteige Tausend dank der Fürsprache des rumänischen Bürgermeisters als kriegswichtig bleiben.
1944 wandte sich das Kriegsglück erneut. Die Rumänen flüchteten ins Altreich. Was in der Stadt sonst geblieben war, wurde von der Sowjetregierung weitgehend nach Sibirien verschleppt. So ist die Bevölkerung nach 1945 vollkommen ausgetauscht worden. Als 2001 die Ukraine unabhängig wurde,
stellten die Bürger dieser Stadt erstaunt fest, dass deren Geschichte nicht erst 1940 beginnt, sonder n weit länger zurückreicht. Und die vor allem in den Neunziger Jahren einfallenden Heerscharen von
Journalisten und Historikern ließ in ihren das Gefühl des Besonderen wachsen.
Czernowitz hat das alte österreichische Wappen wieder angenommen. Die Bausubstanz wird gepflegt. Die Universität pflegt ihre deutsche Vergangenheit und unterhält enge Beziehungen mit
Hochschulen überall in Europa. Literatur und die schönen Künste werden gepflegt. Und erstaunlich viel Menschen in dieser Stadt sprechen Deutsch!
Mythos Czernowitz – Eine Stadt im Spiegel ihrer Nationalitäten, 2008, Potsdam, Deutsches Kulturforum Östliches Europa
Postfach 347 * 23 693 Eutin * Tel 04521 790 521* Mobil 0176 4801 3589 * Fax 04521 790 522 * email hskultur@²aol.com .

















Lübeck-TeaTime
Impressum:
Herausgeber und Chefredakteur
Reinhard Bartsch, Korvettenstraße 89, 23558 Lübeck,
Tel: 01522 - 9080477

rb@luebeck-teatime.de
Steuernummer 22 01 606 60
Zuarbeit: Horst Schinzel (hsk) - (HS-Kulturkorrespondenz);
Kultur: Dr. phil. Peter Guttkuhn, Lutz Gallinat, Helga Rottmann

Allgemeines
Haftungsausschluss bei Fehlerhaftigkeit. Um Information – auch bei Rechtswidrigkeit - wird zur unverzüglichen Richtigstellung gebeten (rb@luebeck-teatime.de). Veröffentlichte Texte stehen in der Verantwortung lt. Quellenangabe oder des/der AutorsIn, Verlinkungen in der der jeweiligen Betreiber.

Die Verwendung von Texten und Fotos aus Lübeck-TeaTime durch Dritte bedarf der schriftlichen Genehmigung durch die Autoren (Anfragen über rb@luebeck-teatime.de) oder angegebenen Quellen.

Leserbriefe sind jederzeit willkommen, unterliegen aber sorgfältiger Einsichtnahme. Anspruch auf Veröffentlichung besteht nicht.

Impressum