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Bayern covert Lübecker "Thomas-Mann-Preis"

15.10.2008. Die Bayerische Akademie der Schönen Künste hat ihren "Großen Literaturpreis" umbenannt in "Thomas-Mann-Preis", obwohl die Hansestadt Lübeck bereits seit über 30 Jahren einen gleichnamigen Preis vergibt - an diesem Wochenende an den Schriftsteller Daniel Kehlmann.
Prof. Dr. Hans Wißkirchen, Präsident der Deutschen Thomas-Mann-Gesellschaft Lübeck, hat sich dazu in einem Offenen Brief an Herrn Prof. Borchmeyer, den Präsidenten der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, geäußert:

"Offener Brief
An den Präsidenten der
Bayerischen Akademie der Schönen Künste
Professor Dr. Dr. h.c. Dieter Borchmeyer
Max-Joseph-Platz 3
80539 München

Lübeck, den 15. Oktober 2008

Sehr geehrter Herr Professor Borchmeyer,

mit großem Erstaunen habe ich in den vergangenen Tagen der Presse entnommen, dass die Bayerische Akademie der Schönen Künste ihren "Großen Literaturpreis" in "Thomas-Mann-Preis" umbenannt hat, obwohl die Hansestadt Lübeck schon seit über dreißig Jahren einen gleichnamigen Preis vergibt. Das Ausmaß meines Erstaunens resultiert vor allem aus zwei Tatsachen.
Zum einen hat es keinerlei Kontakt zwischen München und Lübeck in dieser Angelegenheit gegeben, was gegen alle Regeln eines angemessenen Umgangs miteinander steht - nicht nur in literarischen Kreisen.
Zum anderen handelt es sich beim Thomas-Mann-Preis der Hansestadt Lübeck um einen Preis mit Tradition, der sich in den vergangenen Jahrzehnten durch eine besonnene und hanseatisch-solide Jury einen Ruf aufgebaut hat, auf den Rücksicht zu nehmen ist. Der Preis wird in Lübeck seit 1975 vergeben - und zwar alle drei Jahre, was einer inflationären Wirkung vorgebeugt hat. Ich erlaube mir, die Namen der Preisträger in Erinnerung zu rufen, die meine Äußerungen stützen mögen: Peter de Mendelssohn, Uwe Johnson, Joachim C. Fest, Siegfried Lenz, Marcel Reich-Ranicki, Günter de Bruyn, Hans Wysling, Günter Grass, Ruth Klüger, Hanns-Joseph Ortheil, Walter Kempowski. In diesem Jahr erhält Daniel Kehlmann den Preis.
Dass in München nun über einen Thomas-Mann-Preis, der aus einer Umbenennung hervorgegangen ist, ein neues Verhältnis zu diesem Autor aufgebaut werden soll, der es zugegebenermaßen schwer mit dieser Stadt hatte, scheint mir problematisch zu sein. Ich hege die Befürchtung, dass zwei Thomas-Mann-Preise in Deutschland nicht zu vermitteln sind und dass daraus auch eine Beschädigung für den Autor Thomas Mann erwachsen kann. Sie werden mit mir übereinstimmen, dass wir nicht zu wenige, sondern eher zu viele Literaturpreise in Deutschland haben. Und sie werden sicherlich ebenfalls mit mir übereinstimmen, dass der Thomas-Mann-Preis in Lübeck diesen großen Autor der Deutschen in den vergangenen drei Jahrzehnten auf einem ihm angemessenen Niveau gewürdigt hat und von daher keinerlei Ergänzung und Hinzufügung bedarf.
Der um die erstmalige Verleihung in München entstandene Skandal fügt dem nichts grundlegend Neues hinzu, lässt meine Befürchtungen freilich auch nicht in einem utopischen Licht erscheinen.
Sehr verehrter Herr Borchmeyer, ich hoffe Sie verstehen meine Besorgnis und können von daher die Bitte nachvollziehen, die ich an den Schluss meines Briefes stellen möchte. Ich bitte die Akademie der Schönen Künste in München: Nehmen Sie die Umbenennung dieses Preises zurück, im Interesse Thomas Manns, im Interesse von München und Lübeck, aber auch im Interesse der vielen Leserinnen und Leser!

Mit freundlichen Grüßen
Prof. Dr. Hans Wißkirchen"




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