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L. Gallinat lauschte A. von Steegens "Spaziergang mit Dichtern"

22. Juli 2009 (HL/red.) Am letzten Sonnabend fand einmal mehr in Travemünde ein "Spaziergang mit Dichtern" statt. Lutz Gallinat war dabei und berichtet: "Nach dem großen Zuspruch im letzten Jahr machte sich Andreas von Steegen mit Literaturfreunden auf den Weg, einen wahren Schatz im Gepäck: Dutzende von Gedichten, Balladen und Monologen, alle auswendig vorgetragen. Das Publikum konnte seine Wunschgedichte selbst bestimmen, die dann an lauschigen Plätzchen im Park Godewind auswendig zu Gehör gebracht wurden.
Der Rezitator präsentierte einmal mehr Klassiker der Moderne.
Hermann Hesse(1877-1962)war ein Lyriker von schlichter, musikalischer Sprache und volksliedhafter Eindringlichkeit. In seinem Gedicht "Stufen" gestaltet er die vielfach inneren Wandlungen und zarte psychologische Einfühlung auf dem Weg nach innen und enthüllt das Streben nach Harmonie.
Hugo von Hofmannsthal (1874-1929) war ein Schöpfer von erlesener, höchst verfeinerter und melodischer Wortkunst aus der Verbindung von dekadentem Todeswissen, wie sie auch in den Terzinen "Über Vergänglichkeit zum Ausdruck kommt, verklärter, slawisch bestimmter Schwermut und Zivilisationsmüdigkeit mit romanischem Formgefühl: impressionistisch-neuromantische Kunst der Bilder, Farben und Klänge in einer nicht zu überbietenden Verfeinerung.
Rainer Maria Rilke (1875-1926) vollzog unter Einfluss Rodins mit den "Neuen Gedichten wie z.B.in den Poemen "Das Karussell" und "Der Panther" die Wendung vom Verschwommen-Gefühlvollen zum präzisen objektiv-gestalteten Dinggedicht mit völliger Preisgabe des lyrischen Ichs an die aus dem Wesen heraus erfassten Dinge.
Gottfried Benn (1886-1956) besitzt im Spätwerk die gleiche Sprachartistik wie im Frühwerk, doch ohne das Zynische und Grelle, es sind formvollendete Gedichte als Selbstsetzung des Ich als Inhalt, Überwindung von Grauen, Ekel, Chaos und Nihilismus durch das bannende Wort wie z.B. in dem Gedicht "Reisen".
Mascha Kaleko (1907-1975) war eine Lyrikerin mit zynisch-spöttischen Gebrauchs- und Zeitgedichten von leiser Melancholie im Stil Heines und Kästners, die auch in dem Gedicht "Memento" zum Ausdruck kommt.
Wilhelm Busch (1832-1908) war ein humoristisch-satirischer Dichter und Zeichner, berühmt durch Ausdruckseinheit von karikierendem Bild und epigrammatisch knappem, humorvollem Wort im simplen Knittelreim von weltweiter Wirkung. Er lachte über eigene Unvollkommenheiten auf dem Grunde eines schopenhauerschen Pessimismus, der an einer Verbesserung der Zustände zweifelt und nur durch Humor überwunden wird.
Einen Schwerpunkt des literarischen Spaziergangs stellten die Gedichte Eugen Roths (1895-1976)dar. Der Autor war sehr erfolgreich mit seinen heiter-besinnlichen, treffsicher formulierten, witzig-ironischen Versbüchern von tiefem Wissen um die Welt, um den Menschen und seine Fehler und Unzulänglichkeiten bei der Bewältigung von Alltagsproblemen.
Am Schluss stand Heinrich Heines (1797-1856) meisterhafte Ballade "Belsazar".
Andreas von Steegen rezitierte einfühlsam und nuanciert, mit viel Verve und Esprit und phantastischer Mimik und Gestik, wofür er mit sehr viel Beifall bedacht wurde.
Andreas von Steegen, in Königsberg/Preußen geboren, wuchs in Lübeck auf. Nach dem Humanistischen Gymnasium studierte er Theaterwissenschaften und Philosophie in Wien. Am Hamburgischen Schauspielstudio machte er 1972 sein Diplom als Schauspieler. Er gastierte in Hamburg, Süsseldorf, Bern, Zürich, München, Wien, Lübeck, Bremen und vielen anderen Städten. Nebenbei arbeitet er als Synchronsprecher, in der Werbung und in vielen Fernsehproduktionen, so u.a. in SAT 1, PRO 7, ARD und ZDF.
In der Neuverfilmung der "Buddenbrooks" spielt er den Bürgermeister von Lübeck.

Ein weiterer literarischer Spaziergang wird am 25.Juli 2009 um 16 Uhr in Travemünde stattfinden. Treffpunkt ist das Welcome Center im Strandbahnhof.

Diese Veranstaltungen finden auch am 8. und 9.August 2009 um 16 Uhr in Eutin und am 15.und 16.August 2009 um 16 Uhr in Bad Schwartau statt.
Treffpunkt ist der Eingang Eutiner Schloss bzw. der Eingang Holsten-Therme.
Bei Regen wird ein Cafe angesteuert.
Info: 0177-7988920"

Lutz Gallinat

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