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Kultur Wissenschaft Ausbildung

L. Gallinat berichtet über Joochen Laabs' Lesung in der GEM

13. November 2008. Im Rahmen der 9. “Internationalen Lübecker Literaturwoche“ fand eine weitere literarische Besonderheit statt. Lutz Gallinat berichet: "Einen weiteren beachtlichen Beitrag zum literarischen Austausch zwischen den alten und neuen Bundesländern leistete der „Lübecker Autorenkreis und seine Freunde e.V.“ im Rahmen der 9.“Internationalen Lübecker Literaturwoche“.

Der Uwe-Johnson-Preisträger (2007) Joochen Laabs aus Berlin las am letzten Mittwoch im Kleinen Bildersaal der „Gemeinützigen“ aus seinem neuen, preisgekrönten Roman „Späte Reise“, der 2006 im Steidl-Verlag erschienen war.

Die Besonnenheit und Bescheidenheit des Autors und die den Roman prägenden Langsamkeit sind lobenswert. Dass Unspektakuläres nicht uninteressant sein muss, dafür ist Joochen Laabs verspäteter DDR-Roman ein Beweis. Um es so zu sehen und sich dem Rhythmus des Textes anzupassen, sind dem Leser allerdings ein paar Entspannungsübungen zu empfehlen. Auf diese Weise entsteht zweierlei: Ein atmosphärisch dichtes Bild der USA vor dem Golfkrieg sowie dasjenige der untergegangenen Gegenwelt, beides aus Sicht des semibiografischen Helden. Die zwischen beiden Welten herrschende Spannung ist zwar bloß vermindert, nicht aufgelöst, eine neue Perspektive eröffnet das Buch dennoch. Wer es still und leise mag, dem gefällt dieser autobiografisch angehauchte Roman. Reizvoll ist das Aufeinandertreffen von DDR-Geschichte und US-amerikanischer Realität, reizvoll allerdings nicht nur in seiner Funktion als Gesamtkomposition des Romans, sondern auch in seinen konkreten miniaturartigen Schilderungen. Die sind voll Witz und zeugen von großer Sympathie des Verfassers für seine so gar nicht heldenmäßigen Figuren.

Befragt nach literarischen Vorbildern, nannte Laabs Autoren wie John Steinbeck, Saul Bellow oder Max Frisch, die Bücher geschrieben haben, „in denen das Leben als Auseinandersetzung des Individuums mit der Umwelt und synchron damit als Auseinandersetzung des Individuums mit sich selbst geschildert wird“.

Der als innerer Monolog gestaltete Bewusstseinsstrom des reflektierenden Ich beteiligt den Leser unmittelbar an der Realität eines auseinander gebrochenen Wertsystems innerhalb des gescheiterten geschichtlichen Entwurfs. „Ich habe immer das beschrieben, was mich betroffen hat, erschüttert, enttäuscht, geschmerzt, manchmal, aber eben weniger, auch was mich beglückte. Da ich in der DDR lebte, war, was mir widerfuhr, zwangsläufig mit der DDR verbunden. So kam die DDR unumgänglich in meine Bücher. Jetzt existiert die DDR nicht mehr, aber mir werden weiter Enttäuschungen, Erschütterungen, Schmerzen zustoßen, und die werden weiter meine Themen sein.“ So lautete Laabs` Antwort nach seinem Rollenverständnis als Schriftsteller im vereinten Deutschland.

Die Nähe von Laabs` Roman „Späte Reise“ zu Uwe Johnsons „Jahrestagen“ wurde mit dem Blick auf die Topographie und die Thematik deutlich. In der Selbstgenügsamkeit des Anspruchs, einfach nur Wirklichkeit abzubilden, diese aber durch die konsequente künstlerische Durchgestaltung ihrer Komplexität nicht zu berauben, stellt „Späte Reise“ ein Werk basaler Modernereflexion dar.
Die zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörer spendeten bei dieser Veranstaltung in Kooperation mit der „Gemeinnützigen“ schließlich viel Beifall.

Die Lesung löste eine rege Diskussion unter der sach- und fachkundigen Leitung der Moderatorin Lena Johannson aus."

Lutz Gallinat


Zum Buch
Joochen Laabs
Späte Reise
Roman
Steidl Verlag, Göttingen 2006
ISBN-10 3865212468
ISBN-13 9783865212467
Gebunden, 603 Seiten, 22,00 EUR





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