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Agentur für Arbeit Lübeck

Kultur Wissenschaft Ausbildung

L. Gallinat zu Golls Lyrik in Geschichtswerkstatt Herrenwyk

26. Juni 2009 (HL/red.) Lutz Gallinat hat auch die Lyriklesung Klaus Rainer Golls in Herrenwyk besucht und schreibt dazu: "Es war eine beachtliche Buchvorstellung. Am letzten Dienstag las Klaus Rainer Goll im Rahmen des Kulturprogramms im Industriemuseum Geschichtswerkstatt Herrenwyk nach einführenden Worten Dr.Wolfgang Muths aus "Windstunden", seinem Lyrikdebüt von 1973. Das Werk ist jetzt in einer neuen Ausgabe im Elfenbein Verlag, Berlin, erschienen.
Klaus Rainer Golls Gedichtband "Windstunden" stellte das Debüt eines jungen deutschen Lyrikers dar, dem sogleich "beachtliches Talent" und "Ausdruckskraft" bescheinigt wurden, dessen literarisches Schaffen- bis heute sieben eigenständige Gedichtbände- indes erst an seinem Anfang stand. Lob erhielt Goll von Lyrikern wie Walter Helmut Fritz, Hans-Jürgen Heise, Karl Krolow und Heinz Piontek sowie von der Literaturkritik: So sah Eberhard Schmidt im "Literarischen Wort" die Gedichte des Bandes "voll melancholischem Charme, stets frei von pathetischer Sentimentalität, knapp und gerafft in der Aussage". In die drei Folgen "Windstunden", "Traumbilder" und "Schilfgespräche" gegliedert, gibt der Band die erstaunliche Vielseitigkeit des frühen lyrischen Schaffens Golls wieder: stille Landschaftsbilder und Illusionen, kontrastreiche und harte Reflexion der Gesellschaft, hintergründig ironische Blicke in extremer sprachlicher Verdichtung.
Mit der Neuauflage dieses lange vergriffenen Buches, das der damals Achtundzwanzigjährige Katia Mann widmete, können die inneren Zusammenhänge zwischen dem Früh- und Spätwerk des Lübecker Dichters nun nachvollzogen werden: auf einmal die angst/im endlosen raum/ zu sein ohne gedanken sich allmählich verlieren gehen aber: WOHIN wändelos/gebückt im augenaufschlag/ der STERNE...". "Es war so ein schöner, liebenswerter Gedanke von Ihnen, mir ihr erstes Buch zu widmen. Vieles hat mich berührt. Ich empfinde den Besitz Ihres Buches als eine erfreuliche Bereicherung", schrieb Katia Mann in einem Brief an den Autor.
Die bilderreiche Lyrik Klaus Rainer Golls enthält viele surrealistische und expressionistische Elemente und stimmige Licht- und Naturmetaphorik. Mit farbigen Impressionen wird die Atmosphäre der norddeutschen Landschaft verdichtet. Schlaf, Traum und Trance prägen die existenzialistisch orientierten Gedichte. Die Anverwandlung der Außenwelt ereignet sich im idealen Kunstraum. In subtilen Zeitreflexionen werden die Tiefendimensionen des Lebens ausgelotet. Die Brüchigkeit und der Verfall werden kafkaesk und moribund ausgesprochen. Die Bemächtigung der Welt durch Sprache bedeutet einen Dinggewinn. Das Unbewusste wird virtuos in Lyrik transformiert. In den ausdrucksvollen und ausgefeilten Poemen leistet der Autor einen hervorragenden Beitrag zum kollektiven Gedächtnis. Einmal mehr wird der Einfluss seiner literarischen Weggefährten wie Nelly Sachs, Georg Heym, Georg Trakl, Yvan Goll, Paul Celan, Antoine de Saint-Exupery und Wolfgang Bächtler deutlich.
Der Autor las etliche Gedichte einfühlsam und nuanciert zum besseren Verständnis zweimal. Die Brechungen druch Virgeln und totale Klein- und Großschreibung fordern den Leser zum Nachdenken heraus. Auch die Titelgrafik stammt von Klaus Rainer Goll: Es ist der "Blick auf Grieben vom Alten Bessin", Hiddensee, 2004.
Klaus Rainer Goll, geboren 1945 in Lübeck (Herrenwyk), lebt in Groß Sarau am Ratzeburger See. Er ist Vorsitzender des "Lübecker Autorenkreises" und Herausgeber der Anthologien "treffpunkt" 1-3 (1986-1999). Er erhielt zahlreiche Literaturpreise. U.a. erschienen: "Windstunden" (1973), "Flugbahnen" (1980), "Sonnenlandschaften" (1983), "Dies kurze Leben" (1997). Klaus Rainer Goll ist aber nicht nur als Schriftsteller hervorgetreten, sondern auch als Literaturvermittler und Literaturorganisator. Besonders am Herzen liegen ihm auch die Begegnungen mit Autorinnen und Autoren aus West- und Osteuropa.
Der Autor wurde schließlich mit sehr viel Beifall bedacht."

Lutz Gallinat

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