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Weitere Hilfe für wertvolle Denkmale in der Neißestadt Görlitz

19. Juni 2009 (HL-red.) Gleich vier Förderverträge der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) können Hannelore Schmelzer und Anette Mittring als für Sachsen zuständige Mitarbeiterinnen der Projektabteilung der DSD am 23. Juni 2009 um 16.00 Uhr im Kleinen Sitzungssaal des Görlitzer Rathauses in Anwesenheit von Oberbürgermeister Joachim Paulick an Peter Mitsching, den Leiter des Sachgebietes Denkmalschutz, überreichen. Damit stehen weitere 37.500 Euro für die Fassadensanierung am Langhaus der Frauenkirche, je 10.000 Euro für Sanierungsmaßnahmen in den Bürgerhäusern Nonnenstraße 16 und Peterstraße 15 sowie 5.000 Euro für die Sanierung der Grabanlage Levin auf dem Nikolaifriedhof zur Verfügung. Möglich werden die Förderverträge durch zweckgebundene Spenden sowie die Mittel der Lotterie GlücksSpirale, deren Destinatär die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ist.

1031 wurde die an der Neiße gelegene Stadt Gorelic erstmals erwähnt.
Dank ihrer Lage am Schnittpunkt der "Via regia" und der "böhmischen
Straße" entwickelte sich die um 1200 unterhalb einer Burg entstandene
Stadt im Mittelalter schnell zu einem bedeutenden Handelspunkt mit
vielen wertvollen Bauwerken.

Die Frauenkirche entstand 1349 in der südlichen Vorstadt als Sühnekirche
für die Ermordung von Görlitzer Bürgern durch Friedrich von Biberstein.
Wohl 1429 durch die Hussiten schwer beschädigt, erfolgte 1486 ein Neubau
der Hallenkirche. Der Westturm wurde 1696 erhöht, 1735 erhielt er die
barocke Haube. Langhaus und Chor des teils in Bruchstein, teils in
Sandstein errichteten Kirchenbaus werden von Strebepfeilern gestützt.
Abgeschlossen wird der Bau von einem hohen Satteldach mit Zwerchhäusern.
Der reiche Bauschmuck an den Fenstern und am spätgotischen Doppelportal
wird im Inneren des dreischiffigen Langhauses weitergeführt: gestaltete
Schlusssteine im Netzgewölbe, Kopfkonsolen, reich profilierte Portale,
eine üppig gestaltete Westturmhalle und die durchbrochene Brüstung der
steinernern Orgelempore zeugen von der Steinmetzkunst des 15.
Jahrhunderts. Das 1460 entstandene Westfenster ist ebenfalls mit
künstlerisch hochwertigem Maßwerk gefüllt, mit der Maßwerkbrüstung der
Orgelempore zählt es zu den bedeutendsten Arbeiten jener Zeit in der
Oberlausitz. Die elf Schlusssteine des Kirchenschiffs stellen Szenen aus
dem Marienleben dar, die des Chores sind mit Symbolen der Evangelisten
versehen. Die Innenausstattung entstand im 19. Jahrhundert in den Formen
der Neogotik. Bei der von der DSD seit 2005 geförderten Frauenkirche
steht in diesem Jahr die Sanierung des nördlichen und südlichen
Langhauses an, zu dem der Kirchbau-Verein der Evangelischen Frauenkirche
Görlitz e.V. erneut einen namhaften Betrag beigetragen hat.

Vom Reichtum der Bürger in Görlitz zeugen insbesondere die großen
Hallenhäuser der Altstadt. Nach einem Stadtbrand 1525, der einen großen
Teil der mittelalterlichen Bauten zerstörte, wurde die Stadt unter der
Anleitung des Ratsbaumeisters Wendel Roskopf des Älteren (um 1480-1549)
einheitlich im Stil der Renaissance wieder aufgebaut. Das Bürgerhaus in
der Petersstraße 15 zählt zu den bedeutenden Hallenhäusern von Görlitz.
1305 zum ersten Mal erwähnt, vereint das Bauwerk Städtebaukunst aus
Gotik, Renaissance, Barock und Gründerzeit. Die DSD beteiligt sich hier
an der Dach-, Fassaden- und Innenraumsanierung, bereits 1999 hatte sie
die Notsicherung gefördert. Das Bürgerhaus in der Nonnenstraße 16 war
ursprünglich Wohn- und Handwerkerhaus. In den 1920er Jahren wurde es
aufgestockt. Die wertvolle Renaissancefassade hat sich in Teilen
erhalten, dabei fällt die seltene Form der Sgraffitto-Ritztechnik an der
Fassade auf. Beachtenswert ist auch der Renaissancesaal im ersten
Obergeschoss, an der Restaurierung von Holzbalkendecke und Wandbemalung
beteiligt sich nun auch die DSD. Beide Häuser erhalten auch Mittel aus
dem Bund-Länder Programm Städtebaulicher Denkmalschutz bzw. der
Städtebauförderung.

Bereits 1305 erstmals erwähnt, gehört der Nikolaifriedhof zu den
ältesten Görlitzer Begräbnisplätzen. In der Art eines Campo Santo sind
an der nördlichen Höhe des an einem Hang liegenden Friedhofs Grufthäuser
erbaut. In allen diesen Grufthäusern aus der Barockzeit sind die
Schmiedeeisengitter und im Inneren beachtenswerte Epitaphe erhalten. Die
Kapellenräume sind mit Stuck und Malerei reich ausgestattet. Der
Nikolaifriedhof ist heute ein idyllisches Werk der Romantik, seit er im
19. Jahrhundert immer mehr den Charakter eines Landschaftsparks erhielt.
Zusammen mit der Altstadtstiftung Görlitz und dem Land fördert die DSD
seit 2005 die Restaurierung verschiedener Grabstätten und Grufthäuser,
in diesem Jahr die Grabanlage der Familie Levin, die der Juwelier und
Älteste der Goldschmiede Paul Levin für seine jung verstorbene Frau und
seine bis dahin verstorbenen acht Kinder um 1698 aufstellen ließ und in
dem auch er selbst später seine letzte Ruhe fand.

Die vier Förderprojekte gehören zu den über 650 Denkmalen, die die
Bonner Denkmalschutz-Stiftung dank privater Spenden und Mitteln der
GlücksSpirale, der Rentenlotterie von Lotto, bisher allein in Sachsen
fördern konnte. Dabei ist Görlitz mit bisher 80 Förderprojekten der
Förderschwerpunkt der DSD in Sachsen. Seit ihrer Gründung 1985 hat die
private Bonner Stiftung dank der Spenden von über 190.000 Förderern und
erheblichen Mitteln der GlücksSpirale, der Rentenlotterie von Lotto,
über 420 Millionen Euro für rund 3.500 bedrohte Denkmale in ganz
Deutschland zur Verfügung stellen können.

Quelle: DSD

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