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Sonntagsbeiträge 1: Dr. phil. Peter Guttkuhn zur eigenen Person

09.11.2008. Heute berichtet der in Lübeck arbeitende Privatgelehrte und Historiker Dr. Peter Guttkuhn, wie er zum "Wahl-Lübecker" wurde und stellt ein paar "Stichworte" voran:

"Kleine Vorwehen der 68iger Revolte; - alte Zöpfe abgeschnitten, Aufmucken gegen Althergebrachtes und (Amts-)Autoritäten, habe nahezu 10.000 Schülerinnen zum Abitur verholfen", und dann zur seiner Geschichte:

"(K)ein privater Antrittsbesuch beim Lübecker Schulleiter zu Hause:
Zum 2. schleswig-holsteinischen Kurzschuljahr 1966/67 hatte mich der 62-jährige Oberstudiendirektor Kurt Haß von der Westküste an die Trave geholt. Und seit 1945 war's hier zur verpflichtenden Tradition geworden, dass jeder Neue im Kollegium der Ernestinenschule umgehend zu einem förmlichen Antrittsbesuch in der direktorialen Privatwohnung vor dem Mühlentor erwartet wurde: Sonntags, Punkt 11.00 Uhr. In Schwarz, weiße Handschuhe, Hut und kleinem Sträußchen für die gnädige Frau Gemahlin. Vorfahrt am besten mit dem Taxi.

Nachdem ich nun schon seit sechs Wochen - pünktlich, korrekt, beschwerdefrei - meinen Dienst- und Amtsgeschäften im Lübecker Mädchen-Gymnasium nachgegangen und mich immer noch nicht zum Antrittsbesuch hatte durchringen können - ich vertrat damals die unbekümmerte assessorale Meinung, dass zwischen ihm und mir alles Wesentliche bereits gesagt worden und eine derart aufwendige Inszenierung unnötig sei - pirschte sich während einer Freistunde im Lehrerzimmer Fräulein G., seine Vertreterin im Amt, behutsam, aber zielgerichtet an den störrischen, jungen Kollegen.

Der Herr Direktor sei erstaunt über dieses einzigartige Verhalten. Ob mich denn die jüngeren Kollegen nicht eingeweiht hätten in die verbindlichen Usancen an der Schule. Sie selbst empfehle dringend - sowohl dienstlich als auch persönlich -, das Versäumnis baldmöglichst nachzuholen.

Doch ich brach mit der Tradition, zum nachhaltigen Ärger des Direktors. Und seither entfielen die Antrittsbesuche."

Dr. phil. Peter Guttkuhn

 

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