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H. Rottmann zu „Godunow“ : Die Politik muss menschlicher werden

28. Januar 2019 (HL-Red-RB) Mussorgskys Oper „Boris Godunow“ aus der Sicht des Regisseurs Peter Konwitschny.„Die Politik muss menschlicher werden“, dieses Statement von dem Regisseur der Oper, Peter Konwitschny, ist ein echtes Anliegen von ihm und zieht sich somit durch die gesamte Aufführung. Das Theater Lübeck zeigt die Urfassung von 1869. Als Vorlage wählte Modest Mussorgsky sieben Szenen aus Alexander Puschkins gleichnamigem Drama.
Nun hat nicht jeder Regisseur das Vermögen, die Verbindung zwischen alten Klassikern und dem heutigen Jahrhundert glaubhaft rüber zu bringen. Peter Konwitschny gelingt diese Gratwanderung. Man vernimmt keine Buhrufe, sondern Beifall. Er durfte beweisen, dass seine Auszeichnungen FAUST-Preisträger 2016 und 2018 Regisseur des Jahres laut Kritikerumfragen der „Opernwelt“ absolut verdient sind.
Auch in Lübeck gelingt es ihm, das Publikum, das letztlich das entscheidende Urteil fällt, mitzunehmen. Es verharrt über zwei Stunden ohne Pause, weil es von dem Vorgang auf der Bühne gefesselt ist.
Wenn in der Regie kein Meister am Werk ist, könnte das Stück langatmig werden, geht es doch immer nur darum, hat der Zar Boris den jüngsten Sohn Iwans des Schrecklichen ermorden lassen, um selbst das Zepter in die Hand zu nehmen oder nicht? Selbst Historiker können das nicht mit einer klaren Antwort klären. Konwitschny ist überzeugt, dass Korruption in allen Kreisen dominiert. Vor allem, dass der Pöbel – versteht man es, ihn zu manipulieren – für dumm verkauft werden kann. Der Regisseur bedient sich symbolhaft des Kasperletheaters – bis es zerbricht. Man sieht den alten – im Stück viel zu jungen – Mönch Pimen, wie er den Untertanen den Rücken einritzt, als Zeichen, dass auf dem Rücken der Untertanen Konflikte ausgetragen werden.
Als krasses Gegenstück der Kreml, wo der Zar in goldenen Wänden unglücklich ist. Xenia, Tochter des Godunow, trauert um ihren Verlobten. Evmorfia Metaxaki spielt die Xenia. Gerne hätte man sie in einer größeren Rolle gehört und gesehen. Ihren Bruder Feodor bringt Wioletta Hebrowska auf die Bretter. Eine Künstlerin, die zeigt, über welche schauspielerischen Qualitäten sie verfügt.
Am Ende der Aufführung erlebt man das Volk, das dank der Geschenke der Obrigkeit zur Völlerei tendiert. Ein Einkaufswagen als Symbol der Konsumgesellschaft. Nur der Gottesnarr hat den Durchblick. In dieser Rolle Hojong Song mit verdientem Applaus. Boris, mit dem Volk unterwegs, ist lebensmüde. Seine vermeintlich letzten Zeilen schreibt er auf einem Stück Pappe. Bis der Mönch einen Lichtbildervortrag hält, der ein Umdenken von Boris heraufbeschwört. Daraufhin schlüpft er in Freizeitkleidung. Er und es sieht aus, als gehe es nach Hawai!




Ernesto Morillo (Boris Godunow)

Foto: Steffen Gottschling

Mit der Besetzung des Godunow steht und fällt diese Oper. Ernesto Morillo füllt sie in jeder Hinsicht wunderbar und glaubwürdig aus. Alexander James Edwards in der intriganten Rolle des Fürst Schuiski mit kleinerem Stimmumfang. Stimmlich auf der Höhe Denis Velev als Pimen, Mönch. Seffen Ku bach in kleinerer Rolle, der dem Volk zeigt, was Sache ist. Gut in Mimik und Stimme Tobias Hächler. Julia Grote in Rollen, die unterschiedlicher nicht sein können.
Ryusuke Numajiri am Pult, nimmt die Zuhörer mit auf die Reise. Der Chor unter Jan-Michael Krüger und der Kinderchor unter Gudrun Schröder hatten ein großes Pensum zu bewältigen, das bei dem Schwierigkeitsgrad gut bewältigt wird.
Numajiri lässt In den Logen Kirchenglocken zum Einsatz kommen. Am Ende des Stückes steht eine im Foyer. Auch ohne sie wird die Oper noch nachklingen und man versteht, dass der Regisseur empfiehlt, dass das Publikum sich nicht nur unterhalten und informieren soll, er möchte es auch aktivieren.

Helga Rottmann

(Foto Reinhard Bartsch)

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