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Winteranfang heute? Kalender und Poeten lügen nicht...

21. Dezember 2018 (HL-Red-RB) Der Blick auf den Kalender zeigt es: Heute ist Winteranfang. Der nach draußen eher nicht. Aber es ist auch nie angegeben, wo wirklich und zu diesem Termin. Da verwundert es mich zwar nicht, dass mir über meine inzwischen verstreute Familie vom Alpenrand schon signalisiert wurde, es läge dort wunderbar weißer Schnee. Nicht nur das; denn eine gewisse Ähnlichkeit dort, am bayerischen Meer, gab es kürzlich sogar zu heimatlichen Ostsee: starker Wind verursachte dort am „Strand“ eine regelrechte Brandung. Ob da Luft und Fisch auch heimisch „meer“ nach Salz riechen. wurde allerdings nicht bemerkt. Ebenso kein Hinweis, dass dort bei erstem Schneefall wie in Lübeck zunächst das Verkehrschaos ausbricht. Wohl einfach, weil nicht.

Da finde ich plötzlich Antworten auf andere Fragen bei vielleicht bewussterem Lesen des Wintergedichtes unseres nachbarlichen Poeten zu doch erheblichen Unterschieden in der Intensität der Winter im Vergleich der verschiedenen Regionen. Der Poet, 1740 in Reinfeld geboren, muss offenkundig andere „Winter“ erlebt haben als wir heute, sonst hätte ihn die Muse nicht zu solchen Erkenntnissen geküsst. Nun ist nämlich klar, wie es zu besagten Unterschieden einfach kommen muss. Hat er doch ein Schloss von Eis beim Nordpol an dem Strande, aber auch ein Sommerhaus im lieben Schweizerlande. Die bewohnt er natürlich in regelmäßigem Wechsel und streift auf seiner Reise dabei die übrigen Lande. Je nach Eile wirkt sich das dann entsprechend unterschiedlich aus. In der Abiturklasse der „Feuerzangenbowle“ wird immerhin noch rechtzeitig gelehrt, wie ein „Dampfmaschin“ funktioniert, übrigens wiederzusehen im FS an Heiligabend. Und uns hat der Poet erklärt, wie das mit den unterschiedlichen Wintern so ist...

Aber lesen Sie, verehrte Gäste in Lübeck-TeaTime, selbst und erkennen sicherlich, dass der Reinfelder Klima-Poet für solche Forschung dafür heutzutage den Klima-Nobel-Preis bekommen würde:

„Ein Lied hinterm Ofen zu singen


Der Winter ist ein rechter Mann,

kernfest und auf die Dauer;

sein Fleisch fühlt sich wie Eisen an

und scheut nicht süß noch sauer.

War je ein Mann gesund, ist er´s;

er krankt und kränkelt nimmer,

weiß nichts von Nachtschweiß noch Vapeurs

und schläft im kalten Zimmer.



Er zieht sein Hemd im Freien an

und läßt´s vorher nicht wärmen

und spottet über Fluß im Zahn

und Kolik in Gedärmen.



Aus Blumen und aus Vogelsang

weiß er sich nichts zu machen,

haßt warmen Drang und warmen Klang

und alle warmen Sachen.



Doch wenn die Füchse bellen sehr,

wenn´s Holz im Ofen knittert,

und um den Ofen Knecht und Herr

die Hände reibt und zittert;



wenn Stein und Bein vor Frost zerbricht

und Teich´ und Seen krachen;

das klingt ihm gut, das haßt er nicht,

dann will er sich tot lachen.



Sein Schloß von Eis liegt ganz hinaus

beim Nordpol an dem Strande;

doch hat er auch ein Sommerhaus

im lieben Schweizerlande.



So ist´ er denn bald dort, bald hier,

gut Regiment zu führen.

Und wenn er durchzieht, stehen wir

und sehn ihn an und frieren.



Matthias Claudius (1740-21.10.1815) -“


Dass aber auch Lübeck wirklichen Winter schon erlebt hat, zeigt dieses Foto:







Foto © Reinhard Bartsch, Lübeck.



Einen "wirklichen" Winter wünscht Ihnen, verehrte Gäste in Lübeck-TeaTime,

Reinhard Bartsch

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