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Helga Rottmann: SHMF "Einsam sind wir nicht-haben wir doch uns"

08. Juli 2018 (HL-Red-RB) Das SHMF macht es möglich, den beiden Liebenden Clara Wieck und Robert Schumann sehr nahe zu sein.
Pronstorf – ein idealer Ort, der Liebe zu huldigen. Lässt man mal die Landwirte aus, die um diese Jahreszeit stark auf die Ernte fokussiert sind, atmet der Ort auf wunderbare Art Vergangenheit aus, um einen in der Gegenwart ankommen zu lassen.
Das SHMF hat in diesem Jahr Robert Schumann auserkoren und würdigt ihn in hervorragender Weise.     
Die Bühne bietet das Portal für die Lesung eines Briefwechsels zwischen Clara Wieck –später Schumann – und Robert Schumann. Sie flankieren die beiden Musiker Stephan Imorde und Ulf Schneider.
Clara und Robert betrachten das Jahr 1840 als ihr Glücksjahr, denn nach nervenaufreibenden Streitigkeiten erlaubt Claras Vater Friedrich Wieck, dass die beiden endlich heiraten dürfen. Die erste Begegnung der Liebenden fand bereits im Jahre 1828 statt, als Schumann Klavierschüler bei Wieck geworden war. In seinem Tagebuch vermerkt Schumann, wie sehr ihn Claras Augen und ihre Liebe bezaubert haben. Die Lesung umfasst vom Inhalt her mehrere Jahre von Robert und Clara. Und als der erste Kuss die Liebe festigt, ist Clara erst 16 Jahre alt.
Mit Sorgfalt und Bedacht sind bei der Lesung bewusst keine Aufzeichnungen zum Einsatz gekommen, die den seelischen Abstieg von Robert in den Mittelpunkt stellen, die Liebe hat Vorrecht.
Martina Gedeck, schwarz gewandet mit strenger Frisur, nach dem photographischen Vorbild der Clara, reißt neue Seiten von sich an. Die betonte Augenpartie spricht schon für sich. Sie gibt sich kokett, verspielt, selbstbewusst und lässt auch Sinnlichkeit aufblitzen. Ihr selbst ist alles nicht neu, heimste sie doch bereits in Helma Sanders Film „Geliebte Clara“ Lorbeeren ein.
Den Part des Robert wurde Stefan Kurt anvertraut. Er zeigt Facetten auf, die man noch nicht an ihm wahrgenommen hat. Eine positive Erscheinung mit erfreulich klarer Diktion. Mittig der Bühne die Musiker Stephan Imorde (Klavier) und Ulf Schneider (Geige). Zwei Künstler, die auch als Solisten beeindrucken. Imorde mit hörenswertem Anschlag und viel Verve.Ulf Schneider verfügt seit 2001 über eine Professur an der Hochschule für Musik, Theater und Medien  in Hannover. Sie spielen Sonaten von J. Brahms, Robert Schumann und Albert Dietrich.
Nur zu gern schiebt man den Gedanken zur Seite, dass der geniale Robert Schumann 1856 einsam im Irrenhaus verstirbt, Clara überlebt ihn um 40 Jahre.
In Pronstorf ist die Interpretin der Clara sehr lebendig, erhält einen wunderbaren Feldblumenstrauß mit Kornblumen und viel Applaus vom SHMF-Intendanten Christian Kuhnt.

Helga Rottmann

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