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Geschichte vom „unvollkommenen, aber sprechenden Bäumchen“

23. Dezember 2017 (HL-Red-RB) Nach Themen wie "Nikolaus und Tannenbaum" nun eine kleine Geschichte dazu, die mir einmal einfiel: "Meine Geschichte vom „Unvollkommenen Tannenbäumchen“: In diesen Tagen, in denen die Menschen wieder von „links bis rechts“ schauen, um einen möglichst kostengünstigen Tannenbaum zu ergattern, Werbung sogar – statt sogleich im „Müll“ zu landen – mit größter Aufmerksamkeit in diesem Zusammenhang beobachtet wird, widerfuhr mir besagte Geschichte. Ich habe diese selbst erlebt - oder auch nur geträumt? War es vielleicht sogar erst im vergangenen Jahr, ich also – entgegen vieler Zeitgenossen – einfach noch keinen Tannenbaum auf dem Balkon haben wollte? Für mich unmöglich, schon im September den ersten Weihnachtsstollen auf dem Frühstücks- oder Kaffeetisch am Nachmittag genussvoll zu verzehren? Es sollte damit völlig reichen, erst ein paar Tage vor dem Fest einen Tannenbaum zu besorgen. Ob der nun beim Händler steht oder bei uns Zuhause das Kommende erwartet, meine Überlegung. Aber was passierte? Einen Tag vor Heiligabend noch Erfolg zu haben, erwies sich als – glatte Fehlanzeige. Dabei hatte ich Tags zuvor noch auf einem Baumarkt-Feld reichlich Vorrat gesehen. Nun aber stand schließlich im praktisch leeren "Gehege" nur noch ein einziges Bäumchen. Und krass gesagt –ein krüppeliges, weil mit großen Leerstellen am Stämmchen – völlig indiskutables Bäumchen. Also weg und zum nächsten Angebot. Aber hatte ich da nicht zuvor schon etwas flüstern gehört? Etwa „Nimm mich mit, ich bin doch wunderschön!“? Unsinn; denn seit wann können Bäumchen sprechen? Ich spinne wohl. Wie gesagt, rasch zum nächsten Verkauf.

Ja, es gab selbstverständlich noch Bäume. Das wusste ich und fand solche auch zuhauf. Aber hinsichtlich des Kaufpreises hatte ich mich zunächst entschlossen, nicht gleich die komplette Baumschule mitzukaufen. Also trollte ich mich davon, um mein Glück andernorts zu versuchen. Aber wo noch? Ich sah mich schon irgendwo mit der Handsäge im Wald, heimlich selbstverständlich. In Erinnerung Zeiten, in denen wir mit unseren Kindern mit großer Geduld selbst auf eigentlich „ausgeräuberten“ Schonungen dann doch noch Erfolg hatten. Im daneben gesperrten Bereich die schönsten Gewächse. Das allerdings wollte ich mir nun dann doch nicht antun. Außerdem war es ja schon dunkel.

Wie es schließlich nicht anders zu erwarten, gab es nur eine Wahl: die zwischen viel zu teureren oder dem dann doch sprechen könnenden Tännchen. Also zurück. Und tatsächlich: Der wahrlich ungleichmäßig gewachsene, damit „krüpplige“ Baum stand noch da. Kann es sein, dass er mich von weitem anstrahlte? Kopfschütteln, nein – das gibt es nicht, meine Gedanken. Oder hörte ich seinen freudigen Ruf, doch zurückgekehrt zu sein? Mir jedenfalls war das ohnehin alles völlig egal. Denn einen Tag vor Heiligabend, abends eigentlich schon, hatte ich noch keinen Tannenbaum. „Schande“ über mich, zumal meine Frau mich längst und unablässig gedrängt hatte, endlich für einen Weihnachtsbaum zu sorgen. Also hörte ich auf den in einer Ecke des Hofes verlassenen Baum. So kam der Kauf zustande, wenn auch mit ein wenig schlechtem Gewissen. Müßig zu erwähnen dass ich sogar den Verkäufer aus dem Warmen drinnen zum Bezahlen heraus bitten musste. Der hatte sicher längst das Geschäft für sich abgeschlossen und übertraf mich dazu in der Überraschung, einen „Dummen“ für diesen „Ladenhüter“ noch gefunden zu haben.

„Wann kommst Du nach Hause, hast Du einen Baum?“ -die Handy-Anfragen meiner Frau im 10-Minuten-Takt zuvor. Nun konnte ich „Geschäftsabschluss“ vermelden. In Gedanken schon vorbereitet, bald zu hören „Was ist das denn für ein krüppliges Ding“ durchatmen und Rückkehr. Nun allerdings verhüllte das obligatorische weiße Netz erst einmal alle Mängel. Darauf also die Reaktion zu Hause „Oh, sehr schön. Und die Größe ist auch richtig passend. Genau so, wieder auf das Tischchen gestellt zu werden!“

Bei uns war und ist es üblich, das Tannenbäumchen immer am Vorabend zu Heiligabend aufzustellen und zu schmücken. Aber dann zu verstecken, dass es die Kinder nicht zu sehen bekamen. So sollte es auch jetzt sein, obwohl „wir“ nur noch aus meiner Frau und mir bestanden. Also aufgestellt und – Entsetzen bei meiner „besseren Hälfte“: „Was ist das denn für den hohles, unvollkommenes Ding? Was sollen wir denn damit?“ Und nun hörte ich wieder das Bäumchen sprechen: „Aber ich bin doch wunderschön!“ Nein, dachte ich. Und noch einmal nein. Da aber sah ich gut gewachsene Äste unten, die ohnehin hätten abgesägt wwerden müssen. Da wusste ich die einfache Lösung: Den Stamm dort anbohren, wo die „krüppligen“ Lücken bestanden. Die überflüssigen Äste einfach dort passend hinein gesteckt. Und das Ergebnis: Hörte das Bäumchen flüstern „Bin ich nun nicht doch schön?“, und dazu auch meine Frau „Toll, nun sieht die Tanne wirklich ganz toll aus!“

Ja. Stimmte. Allerdings wusste ich, was kommen würde. Denn nach dem Verteilen der Kerzen verließ ich - wie immer – das Geschehen. Nun holte meine Frau zum gewohnt großen Schlag aus: Der wahrlich große Vorrat an Tannenbaum-Schmuck sollte nahezu restlos „verarbeitet“ werden. Zugegeben dabei: Irgendwie dann doch schön. Wunderschön. Aber hörte ich vom fertigen Weihnachtsbaum weiteres Flüstern: „Sind wir nicht alle hübsch und schön?“ Nach ein oder zwei duftenden Gläsern Punsch - oder waren es mehr? - in der Wartezeit wohl kein Wunder. Dass das Bäumchen sprechen konnte, war mir ja schon klar. Aber nun auch noch der Schmuck? Und war es nicht die viele Jahrzehnte alte, glitzernd gläserne Baumspitze, die im Eigenlob besonders vorlaut zu vernehmen war, wenn die kleinen Kartons geöffnet waren und viele "Augen" geradezu voller Bangen darauf warteten, herausgenommen zu werden, um den Baum zu verzieren.

Nun, das aber wäre eine „andere Geschichte“...

Auf jeden Fall aber wünsche ich viel Freude und Geduld beim Aussuchen des Tannenbaums. Vielleicht macht ein „Hinhören“ die Wahl sogar entscheidend leichter. Also doch sprechende Bäumchen?

© Reinhard Bartsch, Lübeck

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