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Agentur für Arbeit Lübeck

Kultur Wissenschaft Ausbildung

Dr. Oliver Zybok zur Ausstellung "DOUBLE ACT" in St. Petri

31. Juli 2017 (HL-Red-RB) Im Zusammenhang mit der gestern eröffneten Ausstellung "DOUBLE ACT Peter Land/Hans Petri" in St. Petri liegt der Redaktion noch ein Beitrag von Dr. Oliver Zybok, Direktor der Overbeck-Gesellschaft - Kunstverein Lübeck vor, der auch in diese eingeführt hat, vor. Ausführungen, die gerne den in Lübeck-TeaTime bereits vorgestellten Artikel ergänzen sollen:
"Vom Umgang mit Bildern.
Seit Mitte des 20. Jahrhunderts haben die Veränderungen der Massenmedien das
Verhältnis von privater und öffentlicher Sphäre in dramatischer Weise verschoben.
Indem die Massenmedien und Social Media-Plattformen so umfangreich über
persönliche Angelegenheiten berichten, bewirken sie einen Verlust von Privatheit.
Dies betrifft zum einen diejenigen, die ohnehin ein hohes Maß an öffentlicher
Aufmerksamkeit genießen, also Prominente, zum anderen aber auch den normalen
Bürger, der über Facebook oder Instagram erschreckend freizügig private,
idealisierte Bilder der Allgemeinheit zur Verfügung stellt. Es stellt sich die Frage,
welche Funktionen Bilder heute in der Öffentlichkeit haben? Wie bestimmen sie den
Alltag? Künstler wie Peter Land und Hans Petri beschäftigen sich ganz allgemein mit
den Erwartungen, Enttäuschungen und Potenzialen zwischen privatem und
öffentlichem Bild und zeigen neue Perspektiven der Verbindung von Kunst und
Leben in einer mediendominierten Zeit auf.
Ferner halten die Künstler uns als Betrachter einen Spiegel vor Augen, indem sie
aufzeigen, wie wir durch Bilder manipuliert werden. Wir sehen etwas, orientieren uns
aber nicht wirklich an dem, was tatsächlich abgebildet ist, sondern fangen sogleich
an, zu interpretieren. Wir glauben etwas zu sehen, was aber nicht zwangsläufig
abgebildet ist. Oft sind diese Interpretationen massenmedial und soziologisch
determiniert. Es gibt Bilder, die verärgern, obwohl ihr Anlass gar keinen Grund für
diesen Unmut bietet. Es sind vielmehr die individuellen Gedanken, die
Assoziationsketten im Kopf, die dem Betrachter einen Streich spielen und dazu
führen können, dass dieser die Urheber von Bildern pauschal verurteilt, vielleicht
sogar diskriminiert. Das Verstehen der Bilder ist demnach nur durch die Aneignung
eines Wissens um gesellschaftliche und geschichtliche Zusammenhänge möglich.
Für ein Bildverständnis müssen das Wissen um Zeitpunkt und
Entstehungsbedingungen der Bilder integriert werden, die unterschiedlichen
Verwendungskontexte, der konstruierte Charakter durch Möglichkeiten und Zwänge
des sie jeweils abbildenden Mediums sowie die massenmediale Handhabung der
unterschiedlichen Bildproduzenten. Diese Dinge verlangen vom Betrachter ein hohes
Maß an Bereitschaft, sich intensiver mit Bildern auseinanderzusetzen. Sie geht weit
über den raschen Bildkonsum hinaus und braucht vor allem Zeit. Erst dann kann ein
jeder sich ein wirkliches Bild über das Gesehene machen, nur so ist eine vielfältige,
aber nicht willkürliche Lesart von Bildern möglich.

Dr. Oliver Zybok".

Die Ausstellung ist noch bis zum 27.08.2017 geöffnet.

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