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Agentur für Arbeit Lübeck

Kultur Wissenschaft Ausbildung

Resolution zu Um- und Weiternutzung von Kirchengebäuden

07. April 2009 (HL-red.) Deutsche Stiftung Denkmalschutz und Vereinigung der Landesdenkmalpfleger in der Bundesrepublik Deutschland verabschieden Resolution nach Tagung in Mühlhausen/Thüringen: Im Anschluss an die Tagung „Kirche leer - was nun? Neue Nutzungskonzepte für alte Kirchen““, die vom 2. bis 4. April 2009 in Mühlhausen/Thüringen stattfand, haben die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und die Vereinigung der Landesdenkmalpfleger in der Bundesrepublik Deutschland eine Resolution zur Um- und Weiternutzung von Kirchengebäuden verabschiedet.

Gemeinsam mit den über 250 Denkmalpflegern, Architekten, Kirchenbauern und engagierten Laien, die in Mühlhausen referiert und diskutiert haben, wollen die Veranstalter die Debatte um das Thema auch auf diese Weise in der breiten Öffentlichkeit vorantreiben.


Resolution
zur Frage der Um- und Weiternutzung von Kirchengebäuden in Deutschland
Kirchen bezeugen als Orientierungspunkte im Ortsbild die öffentliche Bedeutung
des Christentums in der Gesellschaft. Kirchenräume sind Orte der Ruhe und der
Besinnung, durch die Jahrhunderte hindurch verweisen sie auf eine andere Dimension
unseres Daseins. Kirchen bilden einen wesentlichen Bestandteil unseres kulturellen
Erbes, das für nachfolgende Generationen erhalten und bewahrt werden muss.
Die Umnutzung von Kirchengebäuden ist kein neues Phänomen. In Krisen- oder
Umbruchzeiten wurden Gotteshäuser schon immer für andere Zwecke genutzt. Nur
so haben viele von ihnen die Zeiten überdauert. Jede Nutzung, die dem Gebäude
keinen Schaden zufügt, trägt zu seinem dauerhaften Erhalt bei. Durch die Weiterentwicklung
bereits vorhandener Bausubstanz sind Umnutzungen Ressourcen schonend
und ökologisch.
Die Frage der Um- oder Weiternutzung von Kirchen beschäftigt zur Zeit nicht nur
die Kirchen und die Gemeinden, sondern ist ein in der gesamten bundesdeutschen
Öffentlichkeit heiß diskutiertes Problem. Wir stehen erst am Anfang eines gesamtgesellschaftlichen
Anpassungsprozesses an eine vom demografischen Wandel
geprägte Gesellschaft. Er muss durch umsichtige Mediationsverfahren zwischen
allen Beteiligten (Gemeinden, Nutzern, Architekten, Ingenieuren, Denkmalpflegern)
sinnvoll strukturiert und gelenkt werden. Das Ziel ist die Bildung einer Verantwortungsgemeinschaft
auf Gemeindeebene zur Erhaltung des kulturellen Erbes.

Durch ihre fachlichen Bewertungsmassstäbe kann die Denkmalpflege wesentlich
dazu beitragen, Kirchengebäude differenziert zu betrachten, zu erfassen und zu dokumentieren.
Die Dokumentation trägt sowohl der Lage der Kirche im Stadtbild, als
auch ihrer Bausubstanz, ihrer Geschichte und ihrer Ausstattung Rechnung und setzt
ihre Bedeutung in Beziehung zu anderen, zeitgleich erbauten Kirchen. Daraus ergibt
sich das öffentliche Interesse an der Erhaltung des Kirchengebäudes. Es ist die
Basis und die Voraussetzung für alle weiteren Planungen.

Durch gezielte Maßnahmen (z.B. durch die Dokumentation von Vorbildern bemerkenswerter
Umbauten) soll das öffentliche Bewusstsein für den Wert, die Bedeutung
und das Potential dieser Gebäude gestärkt und unterstützt werden. Einer neuen Nutzung
sollten genaue Untersuchungen der Rahmenbedingungen am konkreten Ort
Schirmherr: Bundespräsident Horst Köhler
Vorsitzender: Prof. Dr. Gerd Weiß Vorsitzender: Prof. Dr. Gottfried Kiesow
www.denkmalpflege-forum.de www.denkmalschutz.de
K.Bek@denkmalpflege-hessen.de Ursula.Schirmer@denkmalschutz.de
Tel: o611/6906-174 Tel: 0228/95 73 8- 36
vorausgehen, um das Gebäude auch in Zukunft mit Hilfe einer durchdachten und
gesicherten Nutzung altern lassen zu können. Dabei ist viel Kreativität gefragt. Wir
haben nicht zu viele Gebäude, sondern zu wenig Ideen.

Umnutzung ist nicht gleich Umnutzung. Gravierende Veränderungen des Kirchenraumes
können auch bei bleibender kirchlicher Nutzung nötig werden. Im Gegenzug
gibt es Um- oder Neunutzungen, die den Raum weitgehend unangetastet lassen.
Um- oder Neunutzungen bedeuten nicht automatisch eine Beeinträchtigung des Gebäudes.
Durch gezielte Maßnahmen kann die Qualität des Kirchenbaues gesichert
und gesteigert werden.
Oberste Priorität hat die Bewahrung des besonderen Charakters eines Kirchengebäudes
für nachfolgende Generationen. Dies betrifft sowohl seine Erscheinung im
Stadt- oder Ortsbild als auch seine Substanz. Zusätzliche An- oder Einbauten sollen
reversibel sein und den Denkmalwert des Gebäudes nicht beeinträchtigen.




Zeichnung (Reinhard Bartsch): In Lübeck stellte sich nach dem 2. Weltkrieg bei den mehr oder weniger starken Kriegschäden an den mittelalterlichen Kirchen auf der Altstadtinsel die Frage der "Nutzung" der Petrikirche, die über eine eigene Gemeinde nicht (mehr) verfügte. Hier hat über eine "Kultur-Kirche" den wohl idealen Weg beschritten.

In einer
zunehmend pluralisierten Glaubenslandschaft darf auch über die Nutzung von Kirchen
durch andere Glaubensgemeinschaften nachgedacht werden.
Sollte sich trotz intensiver Bemühungen keine geeignete Nutzung für das Gebäude
abzeichnen, so ist vor schnellen Abrissentscheidungen zu warnen. Mit Hilfe minimaler
Sicherungsmaßnahmen kann das Gebäude über die Zeit gerettet und ggf. zu
einem späteren Zeitpunkt einer neuen Nutzung zugeführt werden.
Sollte es aber doch zu Abrissen kommen, ist die Dokumentation der versuchten Rettungsmaßnahmen
wünschenswert, die Abrissdokumentation des Gebäudes und
seiner Ausstattungsgegenstände unerlässlich. Nur so kann die Erinnerung an das
Gebäude für nachfolgende Generationen bewahrt werden.
Diese Resolution wurde am 3. April 2009 anlässlich der vom 2. – 4. April 2009 von
der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger
in der Bundesrepublik Deutschland veranstalteten Tagung „Kirche leer - was
dann? Neue Nutzungskonzepte für alte Kirchen“ von allen 250 Teilnehmerinnen und
Teilnehmern der Tagung unterzeichnet.

Mühlhausen, Bonn, Wiesbaden im April 2009

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