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ZuFLUCHTen: Jesus, Mohammed und der Negus

06. September (HL-Red-RB) Gedanken zum Sonntag: "Menschen auf der Flucht" wird uns sicherlich nicht nur noch viele, viele "Sonntage" erschüttern. Vor allem, wenn uns klar ist, unter welch glücklichen Verhältnisse wir - bei allen auch dem individuell nicht immer entsprechenden und das sollte trotz allem nicht vergessen werden - wir in unserem Land leben oder auch leben können. Im aktuellen NEWSletter geht theology.de darauf unter "Angedacht" erneut ein. Lübeck-TeaTime stellt diesen Beitrag mit freundlicher Genehmigung der CFS GmbH - Otto W. Ziegelmeier und damit "theology.de" auch zum Überdenken vor:



"Menschen auf der Flucht, - die Medien bringen jeden Tag neue und schlimmere Nachrichten. Man hat den Eindruck, dass man jeden Tag neu überrascht und wieder neu erschreckt wird. Doch Flucht und Vertreibung sind nichts Neues. Schon die Bibel ist voller Menschen auf der Flucht: Hagar flieht nach Schur (Genesis 16,7), Lot nach Zoar (19,20), Jakob nach Haran (27,43). Mose nach Midian (Exodus 2,15), David flieht nach Rama (1. Sam 19,18) und Jesus flieht schon als Kind nach Ägypten (Matthäus 2,13) und sucht dort Zuflucht.

Und es gibt Berichte, wie im Jahre 615 der Prophet Mohammed und die ersten Muslime aus Mekka fliehen mussten, weil sie von den Mächtigen der Stadt verfolgt und mit dem Tod bedroht wurden. Daher beschloss Mohammed, einige von ihnen nach Abessinien, dem heutigen Äthiopien, zu schicken. Dieses Land wurde damals von einem christlichen Herrscher regiert, dem Negus. Mohammed spürte, dass die Christen dort in der Fremde ihm näher standen als die Heiden von Mekka, seine eigenen Stammesgenossen.

Als die ersten muslimischen Flüchtlinge eintrafen, wurden sie vom König empfangen. Er versprach ihnen sogar Schutz vor ihren Feinden, obwohl sie Fremde waren und obwohl sie keine Christen. Daher fragte man die Muslime: „Was haltet ihr von Jesus?“ Die Antwort war: „Was Jesus betrifft, so können wir nur sagen, was uns der Prophet gelehrt hat: Jesus ist der Diener und Gesandte Gottes, der Geist und das Wort Gottes, die Er der Jungfrau Maria anvertraut hat.“ So besagt es auch der Koran.
Als der Negus diese Worte vernahm, hob er einen kleinen Zweig vom Boden auf und sagte: „Ich schwöre, der Unterschied zwischen dem, was wir über Jesus, den Sohn der Maria, glauben, und dem, was du da gesagt hast, ist nicht größer als dieser Zweig hier lang ist.“

Als dann die Mekkaner deren Flucht entdeckten und die Zwangsrückkehr der Flüchtlinge forderten, ließ der Negus sie abblitzen. Sogar die wertvollen Gastgeschenke gab er den Mekkanern wieder zurück. Respekt,- die erste Aufnahme von muslimischen Flüchtlingen in einem christlichen Land! Die Muslime konnten dort nach ihrem Glauben leben. Die einige Jahre später von Mohammed erstellte erste muslimische Gemeindeordnung für die „Umma“ in Medina schreibt daher auch einen respektvollen Umgang der verschiedenen Religionen vor. Muslime, Juden und Christen lebten so freiheitlich zusammen! *) – Leider ist das heute von vielen vergessen oder verdrängt.

Für den christlichen Herrscher Negus war klar, dass die Christen und Muslime mehr verband als sie trennte. Vielleicht erinnerte er sich auch an das Gebot Gottes: „Wenn bei Dir ein Fremder in Eurem Land lebt, sollt Ihr ihn nicht unterdrücken. Der Fremde, der sich bei Euch aufhält, soll Euch wie ein Einheimischer gelten, und Du sollst ihn lieben wie Dich selbst; denn Ihr seid selbst Fremde in Ägypten gewesen. Ich bin der Herr, Euer Gott" (Levitikus 19, 33-34).

Die Haltung und das Handeln des Negus im 7. Jahrhundert ist uns heute Vorbild. Als Christ gewährt er Menschen in Not Zuflucht, als Christ steht er den Notleidenden und Fremden besonders nah, als Christ stellt er sich schützend vor Flüchtlinge. Demütig vor Gott und mutig vor den Menschen. Demonstrativ und beherzt. Nicht gleichgültig und nicht leise. Er stellt sich vor die Flüchtlinge, auch wenn sie nicht seine direkten Glaubensbrüder und -schwestern sind. Finanzielle Nachteile nimmt er in Kauf. Denn Nächsten- und Fremdenliebe gelten für uns alle,- für Juden, für Christen und auch für Muslime ... für alle Geschöpfe dieser Welt! So wird unser gelebter Glaube zum Ausweis unserer Glaubwürdigkeit, - der Hass in Liebe, Fremde zu Freunden und Schwerter zu Pflugscharen verwandeln soll.

*) Lübeck-TeaTime: Meinung: Genau das sollte denen dort endlich (wieder) klar sein, die für die Flucht wie nun beispielsweise der Syrer - als ihrem Herkunftsland - verantwortlich sind. Oder auch in den anderen Ländern etwa Afrikas, aus denen verfolgte Menschen fliehen. In gewisser Verantwortung daher unsere Politiker, die alle ihre Möglichkeiten zu nutzen haben, auf andere Lösungen hinzuwirken, die eine Flucht gar nicht erst auslösen würden.

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