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Dr. Peter Guttkuhn hält "Dienstags-Vortrag" in GEMEINNÜTZIGER

02.11.2008. Lutz Gallinat berichtet über Dr. Peter Guttkuhns Vortrag zum Thema „Der Eintritt der Juden in das Lübecker Bürgertum“, den dieser vor wenigen Tagen in der "Gemeinnützigen" gehalten hat:

"Am 28.Oktober gab es im gut gefüllten Großen Saal der „Gemeinnützigen“ einen Vortrag im Rahmen der städtischen Programmatik „Mensch Bürger. Wir sind die Stadt“. Es sprach der Lübecker Historiker Dr. Peter Guttkuhn zum Thema „Der Eintritt der Juden in das Lübecker Bürgertum“.
Die Lübecker christliche Mehrheitsgesellschaft hatte einen sehr engen Existenzrahmen für ihre jüdische Minderheit gezogen:

Von nahezu allen Erwerbszweigen bzw. Berufen ausgeschlossen, ohne Möglichkeit des Land- und Immobilienerwerbs, fern der Bildungseinrichtungen, ohne Bürger- und/ oder Einwohnerrecht mussten die Landjuden im isoliert-rückständigen Zwangsghetto des weit entfernten Dorfes Moisling eine Schattenexistenz führen, wie der Referent erläuterte.

Ein radikales Umdenken griff in den 1840er Jahren Platz, hatte eine Modernisierung des gesamten Stadtstaates zum Ziel, eine Verfassungsreform samt einer grundlegenden Veränderung der Wahlrechtsfrage, um Modernität und Effektivität im Staatsleben zu gewährleisten und dauerhaft zu sichern: Notwendig sei eine breite politische Partizipation a l l e r Staatsangehörigen. Das schloß die lübeckischen Juden mit ein, auch wenn sie weder in der ihre staatsbürgerliche Gleichstellung sichernden Verordnung vom 30. Dezember 1848 noch in der „Revidierten Verfassungs-Urkunde“ vom selben Tag erwähnt wurden.

Von der evangelisch-lutherischen Mehrheitsbevölkerung wurde die Emanzipation der Juden widerstandslos hingenommen, zumal sie durch ein Gesetz vom 16. Juni 1852 erneut und endgültig geregelt und gesichert wurde. Die gesetzestreuen Lübeck-Moislinger Juden empfanden diese ihre vollständige Gleichstellung als logische Konsequenz der eigenen unwandelbaren Glaubensfestigkeit und strikter Abwehr traditionszersetzender Integrations- und Akkulturationsbestrebungen. Und weil ihre bürgerliche Gleichstellung mit den Lübecker Lutheranern gottgewollt sei, deshalb sei sie auch dauerhaft und verlässlich.

Hier setzt der Referent des Dienstagsvortrags mit seiner Darstellung ein, dass die flexibel-dynamischen Hausier- und Trödeljuden, die nun in die Stadt zogen, den Packen in die Ecke warfen und Läden aufmachten, die marktwirtschaftlichen Mechanismen und Prinzipien kannten und beherrschten, die ganz selbstverständlich umgingen mit den Kriterien Konkurrenz, Risiko, Profit, für die der Leistungs- und Erfolgsbegriff bei selbständiger Erwerbstätigkeit lange geübte Praxis war. Daraus entwickelten sich im Verlauf der Industrialisierung aussichtsreiche berufliche Startchancen, um Besitz und Bildung zu erwerben und aus einer marginalen Randexistenz ins Zentrum der Lübecker bürgerlichen Gesellschaft der Kaiserzeit aufzusteigen. Die Rolle der Minderheit wurde fortan nicht mehr von der Mehrheitsgesellschaft diktiert.

Dr. Peter Guttkuhn, der auch 2.Vorsitzender des „Lübecker Autorenkreises und seine Freunde“ ist, wurde für seinen frei gehaltenen, anschaulichen, lebendigen und sehr informativen Vortrag mit viel Beifall bedacht. Der Vortrag löste eine rege Diskussion aus."

Lutz Gallinat





Dr. Peter Guttkuhn




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