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Günter Grass überreicht Otto-Pankok-Preis an Jenõ Zsigó

13. Juni 2014 (HL-Red-RB) Preisverleihung am Sonntag, 22. Juni 2014, im Audienzsaal des Lübecker Rathauses: Am Sonntag, 22. Juni 2014, wird im Audienzsaal des Lübecker Rathauses zum fünften Mal der „Otto-Pankok-Preis“ verliehen. Die Preise der 1997 von Günter und Ute Grass gegründeten „Stiftung zugunsten des Romavolks“ gehen in diesem Jahr nach Ungarn. Der mit 15.000,- Euro dotierte Otto-Pankok-Preis soll das Lebenswerk des ungarischen Menschenrechtlers, des Gründers und langjährigen Direktors des Romano Kher und Vorsitzenden des Ungarischen Roma Parlaments, Jenõ Zsigó, ehren. Laudator ist Moritz Pankok, Großneffe Otto Pankoks und Leiter der Galerie für Kunst der Roma Kai Dikhas in Berlin.
Jenõ Zsigó, in einer Familie von Romamusikern geboren und studierter Soziologe und Pädagoge, war seit den achtziger Jahren ein unabhängiger und engagierter Sprecher für politische und kulturelle Angelegenheiten der Roma in Ungarn. Als Direktor des Romano Khers und dessen Nachfolgers, des Romakultur- und Bildungszentrums in Budapest von 1987 bis 2010, organisierte er unter anderem alljährlich Feriencamps für Romakinder, Sommerlager und Ausstellungen für Romakünstler sowie Musikkurse für junge Roma-Musiker und rief das erste Stipendienprogramm für junge Roma ins Leben. Während seiner Leitung trug das Romano Kher die größte europäische Sammlung von Romakunst zusammen.
Zsigó ist Herausgeber zahlreicher Roma-Fachbücher, Kunstalben und belletristischer Bücher. Der von ihm herausgegebene Band „Romakunst 1969-2009”, in dem er die Sammlung des Romano Kher dokumentiert, erschien 2009. 1990 war Jenõ Zsigó Mitbegründer des Ungarischen Roma Parlaments, jener unabhängigen Organisation, die später zum kulturellen Zentrum der Roma in Budapest und ganz Ungarn wurde und zahlreichen Roma-Intellektuellen und -Kollektiven Räumlichkeiten und Infrastruktur bot. 1995 startete er die Roma-Akademie, an der er auch lehrte. Ebenfalls 1995 gründete Jenõ Zsigó das Roma-Organ Amaro Drom. Seit 2010 waren die Aktivitäten und die Existenz des Roma Parlaments immer wieder aus teils politischen, teils finanziellen Gründen bedroht. Jenõ Zsigó ist Gründer und musikalischer Leiter des Roma Musikensembles Ando Drom.
Den Förderpreis, dotiert mit 5000 Euro, erhalten in diesem Jahr die Kunsthistorikerin Tímea Junghaus und die Gallery8 in Budapest. Die Gallery8–Roma Contemporary Art Space, zu deren Gründern Tímea Junghaus zählt, wurde 2013 im 8. Bezirk, der hauptsächlich von Roma bewohnt ist, eröffnet und hat es sich zur Aufgabe gemacht die Kunst und Kultur der Roma zu stärken (www.gallery8.org).
Tímea Junghaus kuratierte unter anderem den ersten Romapavillon der 52. Biennale von Venedig 2007, die Intervention der Romani Elders im Rahmen der 7. Berliner Biennale (2012) und sie gründete 2010 das Roma Hip-Hop Archiv. Tímea Junghaus forscht am Institut für Kunstgeschichte der Budapester Loránt Eötvös Universität. 2008 wurde sie mit dem Kairos-Preis der Alfred Toepfer Stiftung ausgezeichnet. Tímea Junghaus ist Vorsitzende des Kuratoriums der Europäischen Romakulturstiftung, einer NGO mit Sitz in Budapest.
Der Otto-Pankok-Preis erinnert an den Künstler Otto Pankok (1893-1966), dessen Schüler Günter Grass von 1948 bis 1952 an der Kunstakademie in Düsseldorf war. Bisherige Preisträger sind die Publizistin und Filmemacherin Melanie Spitta († 2005, Preisträgerin des Jahres 1999), der aus dem Kosovo stammende Arzt Ibrahim Hasani (2002), das Kieler Sinti-Mediatorinnen-Modell (2006) und die niederländische Menschenrechtlerin und Sintezza Lalla Weiss (2009).
Die Preiszeremonie beginnt um 14 Uhr, der Saal ist ab 13.30 Uhr geöffnet. Das Platzangebot ist begrenzt; Anmeldungen sind noch möglich im Günter Grass-Haus unter Telefon: (0451) 122-4230.


Quelle:
Kulturstiftung Hansestadt Lübeck
die LÜBECKER MUSEEN

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