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Literatur im Gespräch: "Grimms Wörter" von Günter Gras

07. Juli 2013 (HL-Red-RB) Es war eine anspruchsvolle und informative Soiree im Rahmen der erfolgreichen Veranstaltungsreihe "Literatur im Gespräch" kürzlich im Gewölbekeller des Lübecker Buddenbrookhauses, wo nach einführenden Worten Dr.Manfred Eickhölters unter der Leitung Britta Dittmanns über Günter Grass`2010 bei Steidl, Göttingen, erschienenen Roman "Grimms Wörter" diskutiert wurde.
Die Brüder Grimm erhalten im Jahr 1838 einen ehrenvollen Auftrag: Ein Wörterbuch der deutschen Sprache sollten sie erstellen. Voller Eifer machen sie sich ans Werk. Günter Grass erzählt das Leben der Brüder Grimm auf singuläre Art als Liebeserklärung an die deutsche Sprache und die Wörter, aus denen sie gefügt ist. Er schreibt über die Märchen-Brüder, über ihre uferlose Aufgabe und die Zeitgenossen an ihrer Seite: Familie und Verleger, Freunde, Verehrer und Verächter.
Die Stärke dieses Buches liegt im wortreichen Spiel mit der Sprache. Viele Kapitel, die sich wie die übrigen am Alphabet orientieren, sind mitreißend. Die Alliterationen und Assoziationen machen richtig Spaß. Es ist dem Autor der Versuch gelungen, eine Grimm-Biografie, eine Liebeserklärung an die deutsche Sprache und den dritten Teil der Grass`schen Autobiogafie zwischen zwei überdies schön anzuschauende und anzufassende Buchdeckel zu packen. Die assoziativen Sprünge sind eine Freude für jeden, der Spaß an der Sprache hat und Muße dazu. Buchstäblich von A bis Z altertümelt und schweift der Autor ab in die eigene Biografie.
Den Glanz der guten alten Dinge verströmt dieses Porträt der Brüder Grimm, so dass man auch von altfrämkischem Wohlbehagen und einer gelungenen Nachahmung altbiedermeierlichen Schmuckstils sprechen kann. Eigentlich ist dieser Gelehrtenroman eine Doppelbiografie. Sie führt in die Wohlsortiertheit des Grimmschen Universums ebenso wie es auch eine politische Autobiografie von Günter Grass selbst ist. Dabei ist der Weg von Grimm zu Grass stets der denkbar kürzeste, und so sieht man die Grass-Grimm-Vergleiche von Jahrhundert zu Jahrhundert fliegen. Die Einsicht in die Stimmigkeit dieser Vergleiche wird beim Leser stillschweigend vorausgesetzt.
Britta Dittmann wurde schließlich nach einer regen Diskussion für ihre kenntnisreiche und engagierte Moderation mit sehr viel Beifall bedacht.

Lutz Gallinat


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