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ANGEDACHT: ... der werfe den ersten Stein!

28. April 2013 (HL-Red-RB) Der Einstieg in den heutigen Sonntag? Nun, im Zusammenhang mit den Meldungen zu "Steuerhinterziehung oder nun auch Verstoß gegen Zollbestimmungen" ist wieder - und mit freundlicher Genehmigung der CFS GmbH - Otto W. Ziegelmeier und damit "theology.de" der Blick in deren aktuellen NEWSletter sehr interessant. Eingangen darin wird auch auf besagte "Steuerhinterziehungen". Vergessen sollte man dabei nicht, dass der dazu "im Verdacht Stehende" - und so heißt es rechtsstaatlich richtig bis ggf. zu einer Verurteilung - selbst "mit dem Finger" auf andere gezeigt hatte, nun aber kein Paradebeispiels "weißer Weste" mehr sein kann, falls...



Aber zum Beitrag im theology - NEWSletter: "In den letzten Wochen musste ich sehr häufig an die Geschichte von „Jesus und die Ehebrecherin“ denken (Johannesevangelium, Kapitel 8; siehe unten). Im Mittelpunkt steht eine Frau, die nach den Gesetzen ihrer Zeit einen schweren Rechtsbruch begangen hat. Sie wurde beim Ehebruch ertappt und darauf stand die Todesstrafe des Mannes und der Frau durch Steinigung. Warum in unserem Fall nur die Frau als Ehebrecherin zur Steinigung geführt werden sollte und warum nicht zugleich der Mann, wäre ein eigenes Thema.
Man will Jesus testen, man will Wissen, wie er zu Recht und Ordnung steht. „Was sagst Du dazu?“, wird er gefragt, mehrmals, denn für die Frager ist es ein ganz offensichtliches Verbrechen, das mit der Todesstrafe durch Steinigung gesühnt werden muss. Aber Jesus sitzt nachdenklich da und schreibt mit dem Finger in den Sand. Nach einiger Zeit antwortet er: „Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie.“ Wir alle kennen diesen Satz, er ist längst zum geflügelten Wort geworden, wenn Menschen wieder einmal über andere ein moralisches Urteil fällen. Das Wort Jesu ist eine hilfreiche Richtschnur bei allen heuchlerischen Urteilen über andere. Jesus macht uns deutlich: Wer mit einem Finger auf jemanden zeigt, zeigt mit drei Fingern auf sich! Ehe wir also das Verhalten anderer moralisch verurteilen, sollten wir uns immer zuerst fragen, ob wir selbst von schwarzen Flecken auf unserer eigenen Lebens weste ablenken wollen, die nie so weiß ist, wie wir meinen. Das merken die Frager und gehen weg, lassen die Frau unbehelligt stehen.

Sind die Parallelen zu aktuellen Steuerhinterziehungsaffären nicht verblüffend? Da werden mutmaßliche Steuersünder verteufelt, entsetzt wird gegen „unmoralische Millionäre“ gehetzt und alle tun so, als wäre es völlig überraschend, dass es solche Menschen überhaupt gibt. Sogenannte Freunde, die sich früher gerne mit ihnen gezeigt haben, gehen reflexartig auf Distanz. Die Bezichtigten werden ohne ein gerichtliches Verfahren in der Öffentlichkeit verurteilt und gleich an den Pranger gestellt. Gerne lässt man sich in der Presse und am Stammtisch über diese Gierhälse aus. Anschließend versucht man, bei der eigenen Steuererklärung sämtliche Möglichkeiten, Kniffe und Schlupflöcher auszunutzen. Wie war das mit der Fahrgemeinschaft zur Arbeit? Ach nö, das ist man doch selbst gefahren. Wo war die Rechnung für den Handwerker? Da gab’s keine? Ach so, ja natürlich, waren nur ein paar Hundert Euro, das geht schon mal ohne. Das sind ja nur Peanuts im Vergleich zu den Millionenbeträgen anderer. Da darf man dann entrüstet sein und drakonische Strafen fordern. Jeden Tag wird in den Gazetten eine neue Sau durchs Dorf gejagt, über die man sich entrüsten darf. Das schürt Neid und Missgunst. Doch diese inszenierten Dauerentrüstungen erinnern an Hexenprozesse im Mittealter und lenken ab. Aber sie belasten das Miteinander.
Jesus sagt dazu: Ihr habt das Recht, ein Urteil zu vollziehen. Unrecht muss Unrecht genannt werden und der Ehebruch der Frau ist nach damaligem Recht ein schwerwiegender Rechtsbruch. Er stellt sich also auf die Seite des Rechts und bagatellisiert nichts. Aber er bindet den Vollzug des Rechts an eine Bedingung: „Wer unter euch ohne Sünde ist.“ Und da diese Bedingung unerfüllbar ist, kann das Recht nicht vollzogen werden. Das tut Jesus, weil er nicht will, dass die Handhabung des Rechts keine Spielräume mehr für das Leben lässt. Die Todesstrafe für die Ehebrecherin würde ihr das Leben nehmen und damit auch die Chance, ihr Leben noch einmal neu zu beginnen. Die Handhabung des Rechts muss dem Leben dienen! Das Recht muss dem Menschen gerecht werden und dem menschlichen Zusammenleben, - es darf dieses nicht zerstören. Damit stellt sich Jesus also nicht auf die Seite der Sünde und gegen das Recht, aber auf die Seite der Sünderin. Um des Menschen willen, um des Lebens willen aber will Jesus dieser Frau eine Chance zum Neuanfang geben. Und so kommt die Gnade zu ihrem Recht, ohne dass die Sünde verharmlost und Recht ins Unrecht verkehrt würde. Darum schließt die Szene auch mit den Worten Jesu: „Geh hin und sündige hinfort nicht mehr.“ Am Ende steht nicht die Rechtfertigung der Sünde, sondern die Rechtfertigung der Sünderin, die nun neu beginnen kann. Was hat wohl damals Jesus in den Sand gemalt? Vielleicht hat er geschrieben: „Gebt dem Leben, dem Miteinander, dem Menschen eine Chance. Und lasst damit Gottes Gnade zum Leuchten kommen.“ Amen.
Pfr. Otto W. Ziegelmeier

Jesus und die Ehebrecherin" (Johannesevangelium, Kapitel 8)
Jesus aber ging zum Ölberg. Am nächsten Morgen kehrte er sehr früh zum Tempel zurück. Alle Leute dort versammelten sich um ihn. Er setzte sich und sprach zu ihnen über den Willen Gottes. Da führten die Gesetzeslehrer und Pharisäer eine Frau herbei, die beim Ehebruch ertappt worden war. Sie stellten sie in die Mitte und sagten zu Jesus: »Lehrer, diese Frau wurde ertappt, als sie gerade Ehebruch beging. Im Gesetz schreibt Mose uns vor, dass eine solche Frau gesteinigt werden muss. Was sagst du dazu?« Mit dieser Frage wollten sie ihm eine Falle stellen, um ihn anklagen zu können. Aber Jesus bückte sich nur und schrieb mit dem Finger auf die Erde. Als sie nicht aufhörten zu fragen, richtete er sich auf und sagte zu ihnen: »Wer von euch noch nie eine Sünde begangen hat, soll den ersten Stein auf sie werfen!« Dann bückte er sich wieder und schrieb auf die Erde. Als sie das hörten, zog sich einer nach dem andern zurück; die Älteren gingen zuerst. Zuletzt war Jesus allein mit der Frau, die immer noch dort stand. Er richtete sich wieder auf und fragte sie: »Frau, wo sind sie geblieben? Ist keiner mehr da, um dich zu verurteilen?« »Keiner, Herr«, antwortete sie. Da sagte Jesus: »Ich verurteile dich auch nicht. Geh hin und sündige hinfort nicht mehr!«

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