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Staatstheater Schwerin; „Eugen Onegin“ - Versagt und verzichtet

23. April 2013 (HL-Red-RB) Schwerin: Zweite Vorstellung von Tschaikowskis „Lyrischen Szenen“ -Versagt und verzichtet: „Eugen Onegin“: Das Mecklenburgische Staatstheater Schwerin ringt um seine Existenz. 2012 musste die Stadtverwaltung unter der sozialistischen Oberbürgermeisterin in letzter Minute die Insolvenz abwenden. Das sozialdemokratisch geführte Kultusministerium ist nicht bereit, die Zuschüsse zu erhöhen. Der Minister beruft sich darauf, dass sein Ministerium schon jetzt für die Theater im Lande verhältnismäßig mehr zahle als vergleichsweise das weit besser aufgestellte Bayern. Dennoch ist Generalintendant Joachim Kümmritz nicht bereit, hinsichtlich seines Spielplans Zugeständnisse zu machen. Konsequent spielt er Stücke, von denen nicht vornherein davon auszugehen ist, dass sie unbedingt den Publikumsgeschmack tr4effen. Das gilt auch für Tschaikowskis „Lyrische Szenen“ Eugen Onegin, die Anfang April herauskommen sind. Und eben kein Kassenreißer ist, wie die von uns besuchte zweite Vorstellung am 20. April zeigt. Gut ein Viertel der Plätze im Großen Haus sind an diesem Sonnabendabend nicht besetzt. Da dementsprechend davon auszugehen ist, dass das Werk beim breiten Opernpublikum wenig bekannt ist, halten wir uns bezüglich der Inhaltsangabe an das, was Haus dazu schreibt:
Als Peter Tschaikowski im Mai 1877 Alexander Puschkins Versroman „Eugen Onegin“ erstmals las, war die Begeisterung so groß, dass er diesen gleich zur Vorlage einer neuen Oper erkor. In nur einer Nacht soll das Szenarium des Komponisten entstanden sein. Er legte bei der Dramatisierung der Verse Puschkins weniger Wert auf einen straffen Handlungsablauf, sondern fokussierte auf die vom Dichter angelegten poetischen Zwischentöne. Auf seinen ausdrücklichen Wunsch wurde deshalb nicht die Bezeichnung ‚Oper’, sondern der Untertitel ‚Lyrische Szenen’ gewählt.



Foto (Silke Winkler) ü/Mecklenburgische Staatstheater Schwerin

Im Zentrum der Handlung steht Tatjana, eine schwärmerische, zur Melancholie neigende junge Frau, die sich in den dandyhaften und erklärten Zyniker Eugen Onegin verliebt. Er weist sie zurück – er tauge nicht zur Ehe. Der Rausch der Vergnügungen vermag Onegin auf Dauer aber nicht zu befriedigen. Die Erschütterung, die Onegin erleidet als er seinen Freund Lenski in einem aus nichtigem Grund angezettelten Duell tötet und die Erlebnisse seiner Reisen durch Russland verändern ihn. Auf einem Ball in St. Petersburg treffen sich Onegin und Tatjana wieder. Inzwischen ist die attraktive und selbstsichere Frau mit Fürst Gremin verheiratet. Onegin verliebt sich in die einst zurückgewiesene, die ihm gegenüber nun eingesteht, dass sie ihn nie aufgehört habe zu lieben. Trotzdem bekennt sie sich zu ihrer Ehe und lässt Onegin zerstört zurück.

Der Regisseur Georg Rootering inszeniert zum ersten Mal am Mecklenburgischen Staatstheater. Er begann seine Theaterlaufbahn am Opernhaus Zürich und bei den Salzburger Festspielen wo er unter .anderem . mit Herbert von Karajan, Götz Friedrich, Nikolaus Lehnhoff und Otto Schenk zusammenarbeitete. 1981 gab er sein Regie-Debüt mit Verdis „Rigoletto“ in Bremerhaven. Feste Engagements führten ihn an die Bayerische Staatsoper München, die Wiener Staatsoper, das Aalto Theater Essen, das Stadttheater Würzburg sowie an das Theater am Kirchplatz in Schaan (Liechtenstein). Neben Gastprofessuren u.a. in Helsinki und München ist er als freischaffender Regisseur für Musiktheater und Schauspiel europaweit tätig. In Schwerin steht ihm die schweizerische Bühnen- und Kostümbildnerin Romaine Fauchère zur Seite, die Choreographie übernimmt Ballettdirektor Sergej Gordienko.

Wie schon die Bezeichnung „Lyrische Szenen“ sagt, kommt der lange Abend – fast drei Stunden – nur recht mühevoll in Schwung. Dazu trägt auch der Umstand bei, dass es sich noch nicht bis Schwerin herum gesprochen hat, dass heute üblicherweise zum besseren Verständnis des Publikums auch Deutsch gesungene Opern übertitelt werden. Anders herum muss man natürlich auch fragen, wieso das Werk nicht in der Originalsprache gegeben wird. Sollte es an Sprachproblemen liegen?`
Recht allmählich kommt das Liebesviereck um Tatjana an Leen.. Statmatia Gerothanasi gibt diese Rolle hinreißend. Eine wohlklingende volle Stimme, die Lust am Spiel – die Künstlerin ist über 180 Minuten hinweg ungeheuer präsent. Ihr gegenüber der Eugen Onegin des Remo Tobiaz – schon äußerlich eine eindrucksvolle Gestalt, die auch sängerisch überzeugt. Ingo Storozhenko bekommt als Fürst Gremin mit der Arie, die herkömmlich „Ein jeder kennt die Lieb auf Eden“ heißt, als einziger an diesem Abend Szenenbeifall. Kerem Kurk ist als Lenski eine tragische Gestalt. Auch die weiblichen Rollen sind mit Frauke Willimczik, Constanze Heller und Itziar Lesaka gut besetzt. In dem minimalistischen Bühnenbild bietet der verstärkte Chor – Einstudierung Ulrich Barthel – farbenprächtige Bilder. Die – in diesem Mai 450 Jahre bestehende – Mecklenburgische Staatskapelle unter Leitung des „amtierenden“ Generalmusikdirektors Daniel Hupppert gefällt durch eindrucksvolle Klangbilder. Die Aufführung wird stürmisch gefeiert.

Weitere Aufführungen

3. und 24. Mai, 19.30Uh, 9. Juni,15. Uhr

Von Horst Schinzel
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32. April 2013

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