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Theater Lübeck: "Salome – Tödliche Liebe" - ...chapeau!

07. Februar 2009 (Lübeck). Horst Schinzel/HS-Kulturkorrespondenz übermittelt Lübeck-TeaTime seine überaus beeindruckende Besprechung der "Salome-Premiere": "Die biblische Erzählung vom Ende des Propheten Johannes hat viele Legenden zu Vorläufern und ist in der Folge immer wieder literarisch bearbeitet worden. Eine der bekanntesten Fassungen wurde Oscar Wildes Schauspiel „Salomé“, das dem im September vor achtzig Jahren verstorbenen Komponisten Richard Strauss zur Vorlage für eine einaktige Oper diente. Leider ist dieses Musikwerk auf den Spielplänen unserer Opernhäuser nur noch wenig zu finden. Vielleicht, weil es musikalisch hohe Anforderungen an die Gestaltenden wie an die Zuhörer stellt. Der Komponist hat eine Fülle von Stilmitteln außer der von ihm geschätzten Polyphonie bemüht. Von den bei seinem Vorbild Wagner abgeschauten Leitmotiven macht er reichlich Gebrauch. Dennoch: Seine Oper ist sangbar und sie fasziniert nicht zuletzt wegen ihrer atemberaubenden Musik.





Fotos ü/TL Lübeck


Das konnten am ersten Februar-Freitag die Zuschauer der Lübecker Premiere erleben, wo diese Oper als Beitrag des Hauses zum Strauss-Gedenken herausgekommen ist. Dies in einer Inszenierung des „Hausherrn“ Roman Brogli-Sacher, der in einer Person Generalmusikdirektor und Operndirektor ist. Es ist seine erste Regiearbeit überhaupt – überaus gelungen, wie das begeisterte Publikum empfunden hat.

Zwei Dinge machen diese Aufführung zu einem großen Abend: Zu einem stellen Regisseur und Ausstatterin Ulrike Radichevich das Geschehen in ein Bühnenbild, das von dem Bild „Ad Parnassum“ des großen Landsmannes des Regisseurs Paul Klee geprägt wird. Dieses Bild ist der großformatige Hintergrund, der bei Bedarf nach vorn und hinten erwartet wird. Und der geheimnisvolle Mond auf diesem Bild gewinnt durch Licht- und Videoeffekte dramaturgische Bedeutung. Videoeffekte, die auch über das Bild laufen, wenn dem König Herodes (Antipas) ob seines schlechten Gewissens fröstelt.

Das Zweite ist an diesem Abend die Begegnung mit der als Gast verpflichteten Manuela Uhl als
Salome. Die Sängerin ist nicht nur ungewöhnlich und zur Rolle passend attraktiv, ihre Stimme bezaubert und ihr laszives Spiel erst recht. Wie die Herausforderungen ihrer Rolle – von ihrem Stiefvater bedrängt und körperlich hingerissen von dem gefangen gehaltenen Propheten Jochanaan –meistert, ist atemberaubend. Ihr Spiel ist schwül und kindlich zugleich – eine ganz große Leistung. Ihren Schleiertanz hat Martina Wüst überaus geschickt choreografiert.

Neben ihr wissen in dem personenreichen Stück die Mitglieder des Hauses durchaus zu überzeugen. Allen voran ist Antonio Yang in der Rolle des Propheten zu nennen, der diese nicht leichte Aufgabe überaus intensiv meistert und auch stimmlich brilliert. Matthias Grätzel ist ein verschlagener Herodes, dem Roswitha C. Müller als intrigante Königin Herodias gleichgewichtig zur Seite steht.

Das Philharmonische Orchester hat einen besonders guten Abend erwischt und weiß die Feinheiten der Partitur kongenial umzusetzen.

Als nach 100 Minuten der Vorhang fällt, ist das Premierenpublikum hingerissen. Der Beifall will gar kein Ende nehmen.

Weitere Vorstellungen:
15. Februar, 18 Uhr, 28. Februar, 18.30 Uhr.

Autor:
© Horst Schinzel
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