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L.Gallinat über das Sinfoniekonzert in der Jakobi-Kirche

04. Juli 2011 (HL-Red-RB) Es war eine faszinierende Soiree. Am letzten Samstag bot das Orchester der Universität zu Lübeck e.V. unter der Leitung Daniel Arnolds in der reichlich gefüllten Lübecker Kirche St.Jacobi ein anspruchsvolles Sinfoniekonzert.
Am Anfang stand die "Ouvertüre in g-moll WAB 98" von Anton Bruckner (1824-1896). Unter der Leitung des Linzer Theaterkapellmeisters Otto Kitzler schrieb Bruckner "Drei Orchesterstücke", die "Ouvertüre g-moll" sowie als Abschlussarbeit die von ihm noch nicht numerierte Sinfonie f-moll, in der bei aller Anlehnung an klassische Vorbilder doch bereits Eigenes anklingt.
Hier kündigt sich versteckt an, was die Zeitgenossen später so verstören sollte: Jene Sinfonik, die den Themendualismus Beethovenscher Prägung und die daraus resultierende klassische Form durch immense, geradezu körperliche Steigerungswellen ersetzte, die einerseits die blockartige Werktektonik scharnierartig, mit Ein- und Abbrüchen, Generalpausen und fast registerhafter Instrumentation nach außen kehrt- auch hier bricht der geniale Orgelimprovisator durch-, andererseits die Durchführung mit faszinierender, vor allem rhythmischer Variantentechnik letztlich auf ganze Werke dehnte. Diese neuartige Abwandlung des sinfonischen Formgedankens also und die seelischen Abgründe, die der "Meister aus St.Florian" wie wenige im 19.Jahrhundert und mit bis dahin unerhörten Klängen aufriss, mussten die Zeitgenossen wohl verstören.
Es folgte dann die "Tschechische Suite Opus 39" von Antonin Dvorak. Die Suite, Präludium und fünf Tanzsätze, ist ein eher kammermusikalisches Pendant zu den "Slawischen Tänzen". Elemente der Volksmusik- die Bordunquitt samt der ostinaten Bassbewegung- verbinden sich im Präludium mit satztechnischen Mitteln, die den erfahrenen Sinfoniker veraten. Noch verblüffender ist diese Verbindung im Finale, einem eigenwillig mitreißenden Furiant. Die weiteren Tanzsätze: "Polka" (2.Satz) und "Sousedska" (3.Satz); dazu im Charakter einer Romanze das Andante (4.Satz).
Den Abschluss bildete die "Schottische Sinfonie in a-moll" von Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847). Von den fünf Sinfonien wird die "Schottische Sinfonie", a-moll, am meisten gespielt. Mendelssohn hatte als junger Mensch eine Reise durch Schottland gemacht und dort landschaftliche und seelische Erlebnisse gehabt, die sich nach Jahren in der Sinfonie künstlerisch widerspiegelten. Handelt es sich hier auch keineswegs um eine Programmsinfonie, so kommt das Opus doch der Gattung der sinfonischen Dichtung nahe; darauf deuten die Einheitlichkeit des thematischen Grundstoffes, das pausenlose Ineinandergreifen der vier Sätze und die einheitliche Natur- und Seelenstimmung.
Daniel Arnold leitete das einsatzfreudige Orchester an diesem Abend sicher und engagiert. Alle Akteure wurden schließlich mit sehr viel Beifall bedacht.

Lutz Gallinat

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