Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren. Klicken Sie hier für weitere Informationen.
Hier klicken, um diese Nachricht nicht mehr anzuzeigen.



Agentur für Arbeit Lübeck

Kultur Wissenschaft Ausbildung

Dank an theology.de und sogleich daraus zur Jahreslosung 2011

31. Dezember 2010 (HL-Red-RB) Lübeck-TeaTime bedankt sich an dieser Stelle noch einmal ganz besonders herzlich bei theology.de und damit Herausgeber Pfr. Otto W. Ziegelmeier, die NEWSletter auch als Quelle für Lübeck-TeaTime nutzen zu dürfen. So wird auch nun die Gelegenheit genutzt, an letzten Tag des Jahres 2010 die Jahreslosung für 2011 mit nachfolgendem Beitrag vorzustellen:
"ANGEDACHT: In Erinnerung an Hypatia und Dapozzo -Zur Jahreslosung 2011.
Jahreslosung 2011: Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.
Römer 12,21.



Ein Bibelvers, der gut und souverän klingt. Man fragt sich nur, warum einem so ein Rat gegeben wird. Warum hat Paulus geraten, das Böse nicht mit Bösem zu beantworten, sondern mit Gutem zu überwinden? Dies tat er aus gutem Grund, denn auch Christen haben sich nicht immer friedlich und entgegenkommend gezeigt. Paulus schreibt diese Zeilen den ersten Christen in Rom, die verfolgt und drangsaliert wurden und um ihr Leben bangten, - und von denen erwartet wurden, dass sie sich eines Tages für die ihnen angetanen Gräueltaten revanchieren würden. Denen schreibt Paulus eindringlich, dass sie eben nicht Böses, das ihnen widerfahren ist, mit Bösen vergelten sollten.

Vielleicht irritiert es uns heute und wir können uns gar nicht vorstellen, dass gläubige Menschen, Christen, Grausamkeiten begehen könnten. Aber wer sich ungerecht behandelt vorkommt, ist häufig geneigt, Böses mit Bösem zu vergelten und wer das Denken nicht attackieren kann, attackiert den Denkenden. So geschehen mit der (nicht-christlichen) Philosophin Hypatia, damals in Alexandria. Der kirchliche Lektor Petros und eine Schar Christen lauerten Hypatia auf, brachten sie in die Kirche Kaisarion, zogen sie dort nackt aus und steinigten sie, rissen den Leichnam in Stücke, brachten die Leichenteile an einen Ort namens Kinaron und verbrannten sie dort. Daraufhin schrieb ein Richter diese Worte: „Hütet euch vor den Christen, wenn sie die Katakomben verlassen. Hütet euch vor ihnen, wenn sie beginnen, Böses mit Bösem zu vergelten!“ Böses wurde mit Bösem vergolten. So kennen wir das, - und das führt zu weiteren Vergeltungen, zu einer Spirale der Gewalt. Die Folgen davon füllen die Nachrichtensendungen weltweit.

Gewalt gegen Gewalt. Was ist die Alternative? Dem Bösen nicht mit Bösem begegnen, sonder mit Gutem? Klingt gut, - aber funktioniert das im wirklichen Leben? Ich will Ihnen dazu eine Geschichte erzählen, kein Märchen, eine wahre Geschichte. Sie handelt von dem Franzosen Erino Dapozzo. Er saß während des 2. Weltkrieges in einem deutschen Konzentrationslager, bekam viele Prügel, aber wenig zu essen. Sein Körper war mit Wunden übersät, der rechte Arm gebrochen und er wog nur noch 45 kg.
Am Weihnachtsabend 1943 ließ ihn der Lagerkommandant zu sich kommen. In der gut beheizten Stube saß dieser vor einer reich gedeckten Tafel und ließ den halb verhungerten Dapozzo zusehen, wie es ihm schmeckte. Nachdem der Lagerkommandant genüsslich getafelt hatte und mehr als satt war – im Gegensatz zum hungernden Dapozzo – brachte man ihm Kaffee und einen Kuchen, den er auch noch mit Genuss verspeiste. „Ihre Frau ist eine gute Köchin!“, sagte er, als er den letzten Krümel hinuntergeschluckte hatte. Dapozzo verstand nicht. „Seit Jahren schickt Ihre Frau Pakete mit kleinen Kuchen, die ich immer mit Genuss gegessen habe!“ Dapozzo musste sehr an sich halten, um den Kommandanten nicht an den Kragen zu gehen. Seine Frau und die vier Kinder hatten sich Mehl, Zucker und Fett gespart, um ihm etwas zukommen zu lassen. Und dieser feiste und fette Kommandant verspeiste dies vor seinen Augen und ließ ihn dabei fast verhungern. Dapozzo bat den Kommandanten, wenigstens an dem Kuchen riechen zu dürfen, um dem nahe zu sein, was ihm seine Frau und Kinder zugedacht hatten. Nicht einmal das wurde ihm gewährt. Stattdessen verfluchte er ihn und sandte ihn ins Lager zurück.

Wie durch ein Wunder überstand er das Konzentrationslager. Als der Krieg vorbei und er befreit war, versuchte er, seinen ehemaligen Lagerkommandanten zu finden. Die meisten einstmals befehlenden Offiziere waren erschossen worden; dem Kommandanten jedoch war es gelungen, zu entkommen und unterzutauchen. Zehn Jahre lang suchte Dapozzo ihn vergebens. Doch eines Tages fand er ihn und er besuchte ihn und dessen Frau. Der ehemalige Lagerkommandant erkannte ihn nicht mehr wieder. Daraufhin sagte ich ihm Dapozzo: „Ich bin Nummer 17531. Erinnern Sie sich an Weihnachten 1943?“ Nun erinnerte er sich schlagartig an all das Grauen. Er bekam plötzlich furchtbare Angst. Zitternd fragte er: „Sie sind gekommen, um sich zu rächen?“ „Ja“, antwortete Dapozzo und öffnete ein Paket, das er mitgebracht hatte. Ein großer Kuchen kam zum Vorschein. „Ich will mit Ihnen und Ihrer Frau Kaffee trinken und diesen Kuchen essen!“ Der ehemalige Lagerkommandant sah Dapozzo völlig verwirrt an. Er konnte nicht verstehen, warum Dapozzo so handelte. Schweigend aßen sie den Kuchen, schließlich begann der ehemalige Lagerkommandant zu weinen und bat Dapozzo um Verzeihung. Dapozzo meinte nur: Um der Liebe Jesu willen vergebe ich Ihnen. Wir lieben, weil ER uns zuerst geliebt hat.“ Später berichtet Dapozzo: „Ein Jahr später bekehrten sich dieser Mann und seine Frau zu Christus.“

Eine beeindruckende Geschichte. Unsere natürliche Reaktion besteht üblicherweise aus Vergeltung oder aus Weglaufen. Dapozzo hat Böses nicht mit Bösem vergolten, sondern mit Gutem überwunden, - und wiederum Gutes bewirkt. Die Jahreslosung fordert uns zu diesem dritten Weg auf: Wir sollen das Böse mit Gutem überwinden, denn es führt das Gute weiter. Ganz schön schwierig, - und bei manchen Verletzungen vielleicht sogar fast unmöglich. Andererseits ist dieser dritte Weg vielleicht der einzige Weg, um eine Gewaltspirale zu stoppen.

Gut ist es, dass dieser Bibelvers nicht nur eine Tages- oder Monatslosung ist, sondern eine Jahreslosung ist. Wir haben also das ganze kommende neue Jahr Zeit, um uns darin zu üben. Übung macht bekanntlich den Meister. Und, wer weiß, vielleicht bekommen wir es sogar irgendwann mit, wenn aus unserer guten Reaktion auf Böses Gutes entstanden ist, wie bei Erino Dapozzos Lagerkommandanten.

Ich wünsche Ihnen ein überwindungsreiches und segensreiches neues Jahr!

Pfr. Otto W. Ziegelmeier" .

Impressum