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Kultur Wissenschaft Ausbildung

L. Gallinat: LiteraTour Nord - Lesung von Jenny Erpenbeck

13. Januar 2009 (Lübeck). Mit einer Lesung Jenny Erpenbecks wurde die „LiteraTour Nord 2008/09“ am letzten Montag fortgesetzt, von der Lutz Gallinat nun berichet: "Die Autorin las im vollbesetzten Gewölbekeller des Lübecker Buddenbrookhauses nach einführenden Worten Prof. Hans Wißkirchens aus ihrem 2008 bei Eichborn erschienenen Roman „Heimsuchung“.
Ein Stück Land und ein Haus an einem märkischen See: zwölfmal gewonnene, zwölfmal wieder verlorene Heimat- zwölf Lebensgeschichten eines deutschen Jahrhunderts, durch den Ort miteinander verwoben und aneinander gespiegelt.
Kaiserreich, Weimarer Republik, Nazizeit, Krieg und Kriegsende, Deutsche Demokratische Republik, Wende und Nachwende finden ihren Nachklang in diesem Idyll vor den Toren Berlins. Indem Jenny Erpenbeck die große Geschichte an dieses ganz konkrete Stück Erde bindet, spricht sie über die Sehnsucht der Menschen nach dem Bleiben, über das Verlangen nach einem Ort des Friedens, über unüberwindbare Grenzen, über die Liebe, den Tod. Jedem einzelnen Schicksal gibt es eine eigene literarische Form, jedes entfaltet auf ganz eigene Weise seine Hoffnung, seine Tragik, sein Glück.
Alle zusammen bilden eine Art kollektives literarisches Gedächtnis des letzten Jahrhunderts, geformt in einer Literatur, die verstört, beglückt, auch Wunden reißt, die verunsichert und versöhnt.
Das Buch ist in technischer Hinsicht nahezu perfekt, sauber recherchiert, reich an Materialien und Figuren, an denen durch Leid, Freuden und Nöte die Verwerfungen der deutschen Geschichte von der Weimarer Republik bis in die Nachwendezeit vor Augen geführt werden. Alles ist hier geradezu vorbildlich gewählt und gelöst: Thematik, Konstruktion, Perspektive, Erzählduktus. Aber vielleicht gerade darum wirkt das Buch auf sie angestrengt. Der Autorin gelingt es zumeist nicht, sich aus ihrem rigiden Korsett zu befreien, und wenn doch, dann nur in Passagen, wo sie ihrem Faible für pornografischen Kitsch nachgibt. Das ist dann allerdings ziemlich daneben.

Jenny Erpenbeck, geboren 1967 in Berlin, studierte Theaterwissenschaft und Musiktheater-Regie in Berlin, arbeitete danach als Regieassistentin und freie Regisseurin an verschiedenen Häusern in Deutschland und Österreich. Ihr Prosadebüt „Geschichte vom alten Kind“ im Jahr 1999 war ein sensationeller Erfolg. 2001 folgte die Geschichtensammlung „Tand“, im Frühjahr 2005 der Roman „Wörterbuch“. Jenny Erpenbeck schreibt Prosa und Theaterstücke. Sie erhielt 2008 den Solothurner Literaturpreis. Ihre Bücher sind in vierzehn Sprachen übersetzt. Sie lebt in Berlin.

Die Autorin wurde schließlich mit sehr viel Beifall bedacht."

Lutz Gallinat


Zum Buch
Jenny Erpenbeck
Heimsuchung
Roman



Buchcover: Eichborn Verlag

Februar 2008
Eichborn Verlag
ISBN:9783821857732
Hardcover mit Schutzumschlag | 192 Seiten
HC mit SU
17.95 Euro, 32.90 sFr

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