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Kultur Wissenschaft Ausbildung

L.Gallinat zur Lesung Doris Runge im Marzipan-Salon Niederegger

08. November 2010 (HL-Red-RB) Es war eine faszinierende Matinee. Am letzten Sonntag las nach einführenden Worten des ehemaligen schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Björn Engholm die bekannte Lyrikerin Doris Runge im Marzipansalon des Lübecker Traditionshauses "Niederegger" aus ihrem jüngst bei dva, München, erschienenen Gedichtband "was da auftaucht".
Ihre Poeme sind oft doppeldeutig, dialektisch und paradox. Die Autorin spricht existenzialistisch und teilweise kafkaesk orientiert die Geworfenheit des Menschen aus. Sie verbindet in ihrer kühnen Metaphorik und romantischen Nachtträumen Historizität und Modernität. In ihren geheimnisvollen Zaubersprüchen kommt sie oft märchen- und legendenhaft daher. Sie offeriert auch ausdrucksvoll und farbenreih interessante Neologismen. Reizvolle Montagen und Collagen prägen die ausgefeilten und erlesenen ästhetischen Gebilde. Mit einer subtilen romantischen Ironie dekonstruiert Doris Runge theologische Topoi. Die Worte entfalten in ihrer Arbitrarität die Performanz der Ästhetik der Sprache. In ihrem lyrischen Totentanz präsentiert sie virtuose und brillante Sprachspiele.
Die Gedichte enthalten eine hintergründige Erotik und Anspielungen auf aktuelle Ereignisse. Die lyrischen Wortlandschaften zeigen die Analogie zwischen der modernen Lyrik und Malerei auf. Doris Runge verbindet mit surrealistischen Wendungen akrobatisch und artifiziell verschiedene Denk- und Wahrnehmungsebenen.
Doris Runge, 1943 in Carlow geboren, lebt im "Weißen Haus" im Schatten des ehemaligen Benediktinerklosters Cismar. Ihrem ersten, preisgekrönten Gedihtband "jagdlied" (1985) folgten mehrere weitere Bände, zuletzt "die dreizehnte" (2007), sowie der Essay "Welch ein Weib. Mädchen und Frauengestalten bei Thomas Mann" (1998).
Neben vielen anderen Auszeichnungen wurde ihr 1997 der Friedrih-Hölderlin-Preis zuerkannt. 1997 übernahm sie die Liliencron-Dozentur der Universität Kiel, 1999 wurde ihr die Poetikprofessur der Universität Bamberg übertragen, und 2009 ernannte das Land Schleswig-Holstein sie zur Professorin.
Die Autorin wurde schließlich von den zahlreihen Zuhörerinnen und Zuhörern mit sehr viel Beifall bedacht.
Lutz Gallinat"

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