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L.Gallinat zum literarisches Kabarett mit Erich Kästners Texten

08. November 2010 (HL-Red-RB) Es war eine amüsante, abwechslungsreiche, aber auch anspruchsvolle Soiree. Das vollbesetzte "Lübecker Dielenhaus" präsentierte am letzten Samstag unter dem Motto "Was nicht in euren Lesebüchern steht!" ein literarisches Kabarett mit Texten Erich Kästners, vorgetragen von Bernd Weidtmann und Jörg Czyborra. Erich Kästner wurde am 23.2.1899 in Dresden geboren und starb am 29.7.1974 in München. Nach dem Militärdienst 1917-18 holte Kästner das Abitur nach und studierte in Rostock, Berlin und Leipzig Germanistik, Philosophie und Theaterwissenschaften (Dr.phil. 1925). 1927 zog er nach Berlin und arbeitete als freier Mitarbeiter für verschiedene Zeitungen. Nach Publikationsverbot und Bücherverbrennung 1933 erschienen seine Bücher im Ausland; das Drehbuch für den Film "Münchhausen" schrieb er 1942 unter einem Pseudonym.

Von 1945 bis 1947 leitete er das Feuilleton der "Neuen Zeitung" in München und lebte dann als freier Schriftsteller. Seine größten Erfolge hatte und hat Kästner mit seinen Kinderbüchern aus den letzten Jahren der Weimarer Republik. Zur gleichen Zeit trat er mit einer Reihe erfolgreicher Gedichtbände hervor, deren Texte sich als eine Art Gebrauchslyrik anschaulich und satirisch mit alltäglichen Nöten und Problemen befassen, sich aber auch entschieden zum Pazifismus bekennen. Thematisch und stilistisch zeichnet diese Bände eine weitgehende Einheitlichkeit aus. Mit satirischer Schärfe kritisiert der Autor Gleichgültigkeit, Passivität und Resignation als Reaktionen auf die vermeintlich unabwendbare Misere. Besonders bedeutsam sind seine Gedichte, die gegen den Krieg als Wirtschaftsfaktor opponieren.
Nach dem Krieg wandte sich Kästner in Artikeln und Vorträgen, aber auch in Kabarettbeiträgen- er war 1951 Mitbegründer des Kabaretts "Die kleine Freiheit"- u.a. gegen die Tendenzen einer neuerlichen Militarisierung und die Verdrängung der Vergangenheit. Er forderte vehement eine neue verbindliche Moral. Mit engagierten Liedern, Szenen und Dialogen knüpfte der Schriftsteller am unmittelbarsten an die satirische Schärfe und den pädagogischen Impuls der Vorkriegsarbeiten an.
Bernd Weidtmann gab bei dieser Soiree einen Überblick über das Leben und das Werk Erich Kästners anhand von Gedichten und Prosatexten. Er ist gelernter Kaufmann, freiberuflicher Autor und Dozent für Betriebswirtschaft. Vor fünfzehn Jahren entdeckte er seine Leidenschaft für das Theater und spielte daraufhin in verschiedenen freien Theatergruppen. Seit sieben Jahren gilt seine besondere Vorliebe dem literarischen Kabarett.
Berndt Weidtmann rezitierte einfühlsam, nuanciert und engagiert und war ein exzellenter Conferencier mit phantastischer Mimik und Gestik.
Begleitet wurde er von Jörg Czyborra, der die Kästner-Gedichte im Stil der siebziger und achtziger Jahre kongenial vertont hatte und diese mit viel Verve, Esprit und großer Begeisterung zur Gitarre vortrug.
Er stammt aus einer Musikerfamilie und ist gelernter Bankkaufmann. Er komponiert und spielt seit mehr als dreißig Jahren Gitarre und singt dazu- vorwiegend Balladen, Folksongs und Chansons.
Beide Akteure wurden schließlich mit sehr viel Beifall bedacht, wofür sie sich mit einigen Zugaben bedankten.
Lutz Gallinat"

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