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Schleswig-Holstein-Lied entstand auf einer Schrankorgel

25. Oktober 2010 (HL-Red-RB) Das Johanniskloster in Schleswig - Ein Förderprojekt der vor 25 Jahren
gegründeten Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD): Benediktinerinnen hatten einst das St. Johannis Kloster auf einer kleinen Anhöhe in der stillen Abgeschiedenheit östlich der Fischervorstadt Holm dicht an der Schlei gegründet. 1536 übernahm die Schleswig-Holsteinische Ritterschaft das Kloster und richtete dort ein adliges Damenstift ein. Die in wesentlichen Zügen erhaltene schlichte Anlage des Mittelalters mit der Kirche und der sich südlich anschließenden Klausur entwickelte sich im 18. Jahrhundert durch ergänzende Bauten in der parkartigen Umgebung zu einem malerischen Ensemble. Im Rahmen der mit Rücksicht auf die Bewohnerinnen schrittweise verlaufenden Sanierung der Anlage steht an oberster Stelle der Prioritätenliste der Remter mit dem Speisesaal des einstigen Klosters, in dessen Räume Veranstaltungen stattfinden. Am Gebäude traten in den vergangenen Jahren Risse auf. Bei den folgenden Untersuchungen stellte man Durchfeuchtung und Versalzung sowie Schäden an zahlreichen konstruktiven Anschlüssen fest. Die Fassadeninstandsetzung ist bereits erfolgt, im letztem Jahr hat die Innensanierung begonnen.

Auf einem historischen Stich der Stadt Schleswig von Frans Hogenberg,
der in Georg Brauns um 1600 erschienenem Buch "Civitates Orbis Terrarum"
abgebildet ist, lässt sich die der Stadt vorgelagerte Insel, dänisch
"Holm", gut erkennen. Nahe einer Fischersiedlung entstand hier 1194 oder
1230 das Kloster St. Johannis. Die erste schriftliche Erwähnung des
Klosters findet sich in einer Urkunde des Dänenkönigs Abel 1251. Zu
dieser Zeit hatte Schleswig noch die Stellung eines überregionalen
Handelszentrums inne, die sie bald darauf an Lübeck verlor. Als
Bischofssitz und Sitz der schleswigischen Herzöge blieb Schleswig jedoch
zunächst weiterhin ein religiöses und politisches Zentrum. Zweimal
zerstörte Feuer das Kloster im 13. und 15. Jahrhundert und wurde immer
wieder aufgebaut.

In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts übernahm in den Wirren der
Reformation die schleswig-holsteinische Ritterschaft das Kloster und
formte es zu einem Stift für die unverheirateten und damit unversorgten
adligen Töchter um.

Im Norden der direkt an der Schlei gelegenen Klosteranlage erhebt sich
die einschiffige Klosterkirche, die man zu Beginn des 13. Jahrhunderts
an der Stelle eines aus Feldsteinen und Tuff gebauten Vorgängerbaus
errichtete. Turm, Langhaus und Chor deckt ein Satteldach. Statt eines
Turmes verfügt die Kirche über einen einfachen Dachreiter. Oberhalb des
Langhauses dient die ehemalige Nonnengalerie heute als Orgelempore.
Darunter entdeckte man 1936 Überreste gotischer Fresken aus dem 15.
Jahrhundert, die übermalt und teilweise von dem eingezogenen
Kreuzrippengewölbe überdeckt worden waren.

Die Kernanlage des Klosters ist eine geschlossene rechteckige
Gebäudeanlage mit Innenhof und dem umlaufenden inneren Kreuzgang. Neben
der Klosterkirche sind Kapitelsaal, Remter und Kreuzgang der
Öffentlichkeit zugänglich. Der Remter - mit Refektorium und Speisesaal -
liegt im Winkel zwischen Ost- und Südflügel. Es handelt sich um einen
zweischiffigen Saal mit sechs Kreuzrippengewölben über zwei
Rundpfeilern, der nach 1487 errichtet wurde. Darunter befindet sich ein
älteres Kellergewölbe.

Im Remter steht heute das bedeutende zehnsitzige Nonnenchorgestühl aus
der Zeit um 1240, dessen Seitenwangen mit freiplastisch geschnitzten
Fabelwesen und Rankenwerk verziert ist. An der Wand über dem Chorgestühl
sind die Wappenschilde der ehemaligen Konventualinnen angebracht, deren
Zwillingsexemplare an der Chorwand der Kirche zu sehen sind. Der Remter
zeigt ein hohes Maß an materieller und geschichtlicher Authentizität.
Von Bedeutung ist auch eine Schrankorgel aus der zweiten Hälfte des 18.
Jahrhunderts, auf der der damalige Kantor der Klosterkirche Carl
Gottlieb Bellmann in den 1840er Jahren das "Schleswig-Holstein-Lied"
"Schleswig-Holstein meerumschlungen" komponierte.

Bis heute können Mitglieder der Ritterschaft ihre Töchter in das Kloster
aufnehmen lassen, was oft unmittelbar nach der Geburt geschieht. Damit
sind die Mädchen bereits "expektierte Fräulein". Bleibt die Expektantin
unverheiratet, kann sie nach Freiwerden einer Stelle als Konventualin
lebenslanges Wohnrecht im Kloster und gegebenenfalls eine Apanage
erhalten. Eine Wohnpflicht im Kloster besteht aber nicht.

Quelle:
DSD


Vor 25 Jahren wurde die Deutsche Stiftung Denkmalschutz gegründet. Sie
hat sich seither zur erfolgreichsten Bürgerinitiative im Denkmalschutz
entwickelt. Mehr als 190.000 Förderer unterstützen ihre Initiativen zur
Bewusstseinsbildung und ihre Projektarbeit mit Spenden. Seit 1991 erhält
sie darüber hinaus auch Mittel aus der Lotterie GlücksSpirale. Rund
3.600 Denkmale konnte die private Bonner Denkmalschutz-Stiftung bislang
mit rund 430 Millionen Euro unterstützen.
Dazu gehört in Schleswig-Holstein auch das Johanniskloster in Schleswig.




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