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Kultur Wissenschaft Ausbildung

Theater Lübeck: John von Düffel dramatisiert „Dr. Faustus“

20. Oktober 2010 (HL-Red-RB) Große Romane der Weltliteratur entziehen sich durchweg der Verfilmung oder Dramatisierung. Das gilt ganz besonders für Thomas Mann. Immerhin hat der Schriftsteller John von Düffel mit einer Bühnenfassung der „Buddenbrooks“ vor einigen Jahren Beachtung gefunden. Grund für das Theater Lübeck, ihn im Rahmen des „Wagner-Mann-Projekts“ mit der Dramatisierung weiterer Romane – „Zauberberg“ und „Felix Krull“- zu beauftragen Und jetzt eben zum Abschluss des Projekts „Dr. Faustus“. Die Uraufführung dieser Bühnenfassung wurde an Sonntag zu einem beachtlichen Erfolg.
Auch wenn von Düffel mit seiner Bühnenbearbeitung an die Grenzen seiner Möglichkeiten kommt. Das Alterswerk des Dichters entbehrt weitgehend der Handlung. Thomas Mann ergießt sich hier in langwierigen musiktheoretischen und
philosophischen Überlegungen. In der Gestalt des Adrian Leverkühn hat sich – sehr zu seinem Unwillen – der Musiker und Philosoph Theodor Adorno wieder gefunden. Und mit ihm ein großer Teil der deutschen Exilgemeinde an der Westküste der USA.
Das sagt eigentlich schon ausreichend über die Möglichkeiten einer Bühnenbearbeitung.
John von Düffel hat den rund 600seitigen Roman für seine Bühnenfassung auf 72 Seiten Text eingedampft. Noch zu viel, wie die Uraufführungszuschauer am Sonntagabend erleben mussten. Aus den im Programmheft genannten 3 Stunden 15 Minuten wurden volle 3 ¾ Stunden. Kräftige Striche hätten der Wirkung dieses Stückes sicherlich gut getan.
Um so mehr, als sich die ironisch-elitäre Sprache eines Thomas Mann kaum dazu eignet, heutigen Bühnenfiguren in den Mund gelegt zu werden. Und so müssen denn in der Inszenierung von Schauspieldirektor Pit Holzwarth – und in dem schwer zugänglichen Bühnenbild von Werner Brenner – insbesondere die Darsteller des Adrian Leverkühn und des Serenius Zeitblom Andreas Hutzel und Götz von Ooyen schier endlose Monologe sprechen Wie sie das – auch darstellerisch tun – ist höchst beachtlich. Wie denn auch die übrigen Mitglieder des Ensembles – Robert Brandt, Peter Grünig, Florian Hacke; Patrick Heppt, Jörn Kolpe, Karoline Reinke, Anne Schramm und Will Workmann – jeweils in mehreren Rollen sehr Beachtliches leisten.




Foto (Thorsten Wulff): Christian Niehues (Kontrabassist), Andreas Hutzel (Adrian Leverkühn), Götz van Ooyen (Zeitblom)


Düster das Spiel der fünf Kontrabassisten Sebastian Bartsch, Peter Imig, Christian Niehues, Vitus Nowotny und Daniel Thieme (Bühnenmusik Achim Giesler). Sechs Statisten geben als Soldaten, Studenten und medizinisches Personal viele Rätsel auf, bringen aber doch die sonst magere Handlung irgendwie voran.
Ein Abend, der den großen Sohn dieser Stadt ehrt. Ihre rechte Freude werden aber wohl nur eingefleischte Germanisten und Literaturkenner haben.

Weitere Aufführungen
Sa 23/10/10 19.30 Uhr Großes Haus
So 31/10/10 18.00 Uhr Großes Haus
Sa 13/11/10 19.30 Uhr Großes Haus


Horst Schinzel
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