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Ernst-May-Haus in Frankfurt am Main gefördert

19. Oktober 2010 (HL-Red-RB) Standardisierte Siedlungshäuser im Stil der Neuen Sachlichkeit - Das Ernst-May-Haus in Frankfurt am Main - Ein Förderprojekt der vor 25 Jahren gegründeten Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD): Weil die ernst-may-gesellschaft feststellen musste, dass die meisten Bauten des Namen gebenden Frankfurter Architekten, Stadtplaners und Stadtbaurats, die heute einer Wohnungsbaugesellschaft gehören, mit den Jahren stark verändert wurden, entschloss sie sich 2005, mit dem Reihenhaus Burgfeld 136 ein "Musterhaus des neuen Bauens" einzurichten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das zweigeschossige Haus hat 4,5 Zimmer, Küche, Bad, WC und einen Garten. Unsachgemäße und nicht denkmalgerechte Modernisierungsmaßnahmen an Fenstern, Türen, Außenhaut und Dach hatten das ursprüngliche Erscheinungsbild des Hauses stark
verändert.

Auch alle Originalfassungen im Inneren waren mehrfach
überpinselt worden. Mittlerweile sind Putz, Fassaden, Innenräume und
Einbauten wiederhergestellt, ebenso die berühmte "Frankfurter Küche" und
der Garten. Selbst die nach Originalzeichnungen erneuerten Holzfenster
erhielten längst die originale blaue Farbigkeit zurück.

Das "Neue Frankfurt" entstand zwischen 1925 und 1930 unter dem
Architekten und Stadtplaner Ernst May (1886-1970), der damals
Siedlungsdezernent der Mainmetropole war. May ließ in der Römerstadt, in
Praunheim, Ginnheim und am Bornheimer Hang 15.000 erschwingliche
Wohnungen errichten, die heute neben der Stuttgarter Weißenhofsiedlung
und dem Dessauer Bauhaus zu den herausragenden Beispielen der frühen
Moderne in Deutschland zählen.

Die Siedlung Römerstadt im Stil der Neuen Sachlichkeit wurde als
Siedlungsprojekt von 1926 bis 1928 in Heddernheim errichtet. Architekten
wie Martin Elsaesser, Fedinand Kramer, Leberecht Migge und Mart Stam
waren hier Mays Mitarbeiter. Die Siedlung besteht aus 1.220
Wohneinheiten mit 500 Geschosswohnungen und rund 700
Einfamilien-Reihenhäusern. In gekurvter und abgetreppter Linienführung
folgen die Baureihen dem Hanggelände zur Nidda. Die Römerstadtsiedlung
weist Gruppen von eingeschossigen Eigenheim-Reihenhäusern und drei- bis
viergeschossigen Wohnblocks auf. Die Gebäude sind verputzt, zeigen
Fensterbänder und Einzelfenster aus unterschiedlich großen Formaten und
schließen mit Flachdächern ab. Die Eigenheim-Reihen akzentuieren
dreigeschossige Wohnhaus-Kopfbauten. Talseitig springen die Gärten
bastionsartig vor und sollten als Nutzgarten für die Selbstversorgung
und zur Erholung dienen. Die Wohnungen haben Grundrisse mit minimierten
Verkehrsflächen, die die Arbeitsabläufe und Nutzungszusammenhänge
berücksichtigen.

Die Römerstadtsiedlung ist ein Beispiel nicht nur für weitgehend
standardisierte Siedlungshäuser, sondern ebenfalls für die von Margarete
Schütte-Lihotzky entworfene Frankfurter Küche. Als funktionale
Arbeitsküche auf kleinstem Raum entworfen, wurde sie für viele spätere
Einbauküchen zum Vorbild. Ziel war auch, landschaftliche Gegebenheiten
als Gestaltungselement in den Massenwohnungsbau aufzunehmen.

Als die ursprünglichen Wohnungen durch fortschreitende Umbauten
verlorenzugehen drohten, schuf die ernst-may-gesellschaft in der
Römerstadtsiedlung ein Ernst-May-Musterhaus für Interessierte, das auf
Anfrage im Rahmen einer Führung Im Burgfeld 136 zu besichtigen ist. Das
zweistöckige Reihenhaus und der dazugehörende Garten wurden
denkmalgerecht restauriert - inklusive "Frankfurter Küche". Mit allen
Originaltüren und Beschlägen sowie der Rekonstruktion des Nutz- und
Ziergartens. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz unterstützt die
Arbeiten seit 2007, mit bislang insgesamt 45.000 Euro. Neben den
Ausstellungsräumen dient das Ernst-May-Haus auch als Dokumentations- und
Veranstaltungsort.

Die ernst-may-gesellschaft wurde 2003 von Architekten und
Kunsthistorikern gegründet und hat sie sich zur Aufgabe gemacht, das
Werk Mays zu dokumentieren und zu bewahren. Regelmäßig veranstaltet die
Gesellschaft Vorträge und Rundgänge zu Bauten der May-Ära. Ihren
Beweggrund hat die Gesellschaft so formuliert: "In Frankfurt gelang die
Verwirklichung einer sozialen und ästhetischen Utopie: Die Linderung der
großen Wohnungsnot mit dem Bau von vorbildlich gestalteten Siedlungen
und Wohnungen. Damit wurden Maßstäbe bis heute gesetzt."


Quelle:
DSD

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