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Agentur für Arbeit Lübeck

Kultur Wissenschaft Ausbildung

L.Gallinat zum Vortrag "Familienkonflikte bei den Buddenbrooks"

14. Oktober 2010 (HL-Red-RB) "Männer" ist das Thema der diesjährigen Lübecker Psychotherapiewoche, zu der wieder rund 400 Ärzte und PsychotherapeutInnen in die Stadt Lübeck kommen. "Männer bei Mann" hieß die Veranstaltung am letzten Dienstag- eine Kooperation zwischen dem Forum Psychotherapie Lübeck und dem Lübecker Buddenbrookhaus. Dazu war die bekannte Göttinger Literaturwissenschaftlerin Heidi Gidion eingeladen, die nach einführenden Worten von Dr.Peter Delius, des Vorsitzenden des Forum Psychotherapie Lübeck, über "die Familienkonflikte bei den Buddenbrooks" sprach. Die Veranstaltung fand standesgemäß im vollbesetzten Audienzsaal des Rathauses statt und klang später in der Beletage des Buddenbrookhauses aus.
Thomas Mann habe den Literaturnobelpreis vor allem für die "Buddenbrooks" erhalten. Das Opus sei ironisch, sehr spannend, anrührend geschrieben und künstlerisch perfekt komponiert worden. Aufgrund der boshaft karikierenden Porträts gebe es in der realistischen Prosa einen sehr starken Bezug zur Hansestadt Lübeck. Der Autor habe in seiner Satire auf Lehrer des Katharineums dem Autobiografischen freien Lauf gelassen. Er habe scharf deren Abrichtungsmethoden. Die Frauengestalten wie Tony Buddenbrook und Gerda Arnoldsen seien unserer Aufmerksamkeit würdig. Die Ticks an Körper und Verhaltensweisen zeigten, dass es sich bei den Gestalten des Romans mehr um Typen als Charaktere handele. Die Hansestadt Lübeck sei nicht mehr als ein Traum gewesen, bemerkte Thomas Mann angesichts der Aufregung in seiner Heimatstadt, sie sei skurril und ehrwürdig, sein eigen, Aufsehen und böses Blut in der Stadt der sieben Türme seen daher unberechtigt gewesen. Zum Jubiläum der Reichsfreiheit Lübecks hielt er die Rede "Lübeck als geistige Lebensform" und wurde 1955 Ehrenbürger der Hansestadt. 1926 bekannte er, dass er mehr Apfel vom Stamm Lübecks sei als er gedacht habe, er sei kein Nestbeschmutzer gewesen. Der Pessimismus Schopenhauers und die Verfallspsychologie Nietzsches seien für ihn signifikant gewesen, wie Heidi Gidion erläuerte. Die Familie Hagenström sei eine Kontrast- und Konkurrenzfamilie der Familie Buddenbrook gewesen, die sich durch Vitalität ausgezeichnet habe. Es habe bei den Hagenströms keine Verfeinerung von Körper und Geist gegeben, sie seien imponierend erfolgreiche Aufsteiger gewesen, Familienkonflikte und verlustreiche Eheschließungen seien nicht erfolgt. Es habe sich um das Männlichkeitsideal einer neuen Zeit gehandelt, es habe keinen Wertekanon wie bei den Buddenbrooks gegeben. Thomas Mann habe den früh alternden Thomas Buddenbrook mit einer feinsinnigen Innenschau und Charakterstudie auf subtilste und ausführlichste Art ausgestaltet. Thomas Mann habe die Leitmotivtechnik Richard Wagners auf die "Buddenbrooks" übertragen. Hanno Buddenbrook habe nicht den Vorstellungen und Hoffnungen des Vaters Thomas entsprochen. Es habe ebenso wie zwischen Thomas und Christian Buddenbrook bei Thomas und Heinrich Mann einen schwerwiegenden Bruderkonflikt gegeben, der aber später beigelegt worden sei.
Dr.Heidi Gidion ist besonders in den Bereichen Gegenwartsliteratur und Psychotherapie ausgewiesen. Von Göttingen aus arbeitet sie journalistisch und entfaltet eine reiche Seminar- und Vortragstätigkeit.
Sie verband in ihrem anschaulichen, lebendigen und hervorragend formulierten Vortrag virtuos und brillant Wissenschaftlichkeit und Literarizität. Sie wurde nach einer regen Diskussion im Buddenbrookhaus unter der Leitung von Holger Pils mit langanhaltendem Beifall bedacht."

Lutz Gallinat


© Lutz Gallinat ü/Lübeck-TeaTime (Siehe Impressum)


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