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„Rinaldo“: Barocker Schöngesang in der Kieler Oper

10. Oktober 2010 (HL-Red-RB) Als sich Georg Friedrich Händel mit seiner Oper „Rinaldo“ vor 300 Jahren beim Londoner Publikum einführte, was das dem Werk zugrunde liegende Thema äußerst populär. Es geht auf ein dramatisches Gedicht von Torquato Tasso zurück und ist von mehreren Komponisten bearbeitet worden. Die Geschichte spielt zur Zeit des Ersten Kreuzzuges. Gottfried von Bouillon – eben jener, dessen Name von ungezählten Schülergenerationen veralbert worden ist – belagert Jerusalem. Um die Sache der Saraszenen steht es schlecht. Deren König bittet um einen dreitägigen Waffenstillstand. Den nutzt seine Geliebte und Zauberin Armida, um ein Orakel zu befragen. Sie erfährt, dass die Christen mit ihrem Helden Rinaldo unbesiegbar sind.

Der muss also ausgeschaltet werden. Dazu entführt Armida Gottfrieds Tochter Almirena, die die Braut Rinaldos ist. Der Ritter macht sich auf die Suche, wobei sich die Zauberin in den schönen Franken verliebt. Ein Mord an Almirena wird in letzter Minute vereitelt. Die Sarazenen machen einen Ausfall. Wenn die Christen am Ende siegen, dann vor allem dank des unermesslichen Kriegsschatzes, den der Bruder Gottfrieds Eustazio ständig mit sich führt und von dem er eifrig Gebrauch macht

Thomas Enzinger – in Kiel schon zuvor durch seine vergnügliche Inszenierung der
„Italienerin in Algier“ ausgewiesen – bürstet dieses schröckliche Geschichte kräftig gegen den Strich. Einerseits weisen während der Ouvertüre Texte auf dem Vorhang darauf hin, dass Konflikte zwischen Religionen und deren fanatischer Anhänger bis heute nichts an Aktualität verloren haben. Andererseits bringt er das Stück so auf die Bühne, dass kein Zweifel daran besteht: Die Geschichte darf nicht ernst genommen werden. Zwar bekennen sich die Sarazenen angesichts drohender Hinrichtung zum
Christentum, aber Almida winkt in der Schlussszene mit einem Halbmond…
Händels Werk besteht in barocker Nummerntradition aus einer endlosen Abfolge herrlicher Dakapo-Arien mit einigen Arioso dazwischen. Dem nicht gut, bekommt der bereits im Vorjahr in „Cesar“ umjubelte italienische Countertenor Antonio Giovannini – der in dieser Rolle mit Terry Wey alterniert mit der von Ricardo Broschi komponierten Arie „Son qual nave“ vor dem Vorhang zu glänzen- eine Arie, mit der vor 270 Jahren der Kastrat Fratinelli glänzte.




Foto ü/HSK): Der 1980 geborene Countertenor Antonio Giovannini (Gastsänger)als Rinaldo)


Überdies legt es die Regie darauf an, mit tänzerisch-poetischen Einlagen (Stefanie Fischer, Emil Bruland und Edward James Gottschall vom Kiel Ballett) Gelegenheit zum kontemplativen Besinnen zu geben. Das bringt in die sonst sehr statuarisch ablaufende Handlung Bewegung. In der glänzt vor allem Sen Acar als Almirena,
Geradezu atemberaubend, wie sich diese Künstlerin den zurück liegenden Jahren entwickelt hat! Neben ihr singt Heike Wittlieb als Zauberin Armida aufregende Koloraturen.
Die Hosenrolle der Goffredo gestaltet Amira Elmadfa, Terry Wey ist ein etwas schräger Eustazio und Kyung-Sik Woo ein herrlich schmieriger König Argante. Hanna Zumsande gefällt als Sirena. „Toto“ zeichnet für das etwas verwirrende Bühnenbild und die farbenprächtigen Kostüme verantwortet. Preslav Mantchev für die fantasievolle Choreografie. Das auf zeitgenössische Verhältnisse eingedampfte Philharmonische Orchester leitet sicher der Barockspezialist Rubén Dubrovsky.

Die Neuinszenierung wird vom Kieler Publikum begeistert aufgenommen. Jede Arie wird mit Szenenbeifall bedachtet. Der jubelnde Schlussbeifall gilt allen Mitwirkenden.

Weitere Aufführungen

16. und 22. Oktober, 20 Uhr, 31. Oktober, 16 Uhr .

Horst Schinzel
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