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Anatevka: Umjubelte Premiere in Lübeck

10. Oktober 2010 (HL-Red-RB) Einem breiten Publikum ist das vor fast einem halben Jahrhundert entstandene Musical „Anatevka“ des amerikanischen Komponisten Jerry Bock vor allem durch die Rolle des armen gottergebenen Milchmanns Tevje ein Begriff. Im deutschsprachigen Raum haben bedeutende Sänger diese Rolle gestaltet. Entsprechend hohen Erwartungen sieht sich in der Lübecker Neuinszenierung des hier schon durch zwei beifällig aufgenommene Arbeiten ausgewiesenen freischaffenden Regisseurs Jürgen Pöckel der Sänger dieser Rolle ausgesetzt: Rolf Wolrad hat eine lange Karriere als Bass-Buffo an der Staatsoper Dresden hinter sich. Wie man im Vorfeld lesen konnte, war es schon lange sein Traum, Tevja“ zu singen und zu gestalten.
Jetzt hat der Künstler – immerhin im Alter von 72 Jahren! – dazu in Lübeck Gelegenheit. Anfänglich list er ob dieser Erwartungskulisse arg nervös, hat im Lied “Wenn ich einmal reich wäre“ sogar Probleme mit der Stimmführung. Aber er singt sich rasch ein und dann kommt sein immer noch schöner und wohl tönender Bass voll zur Geltung. Vollrad spielt diese Rolle sehr verhalten. Elegisch angesichts der
vom Regisseur auf Entsagung angelegten Einstudierung. Seine Zwiesprachen mit Gott sind sehr verhalten. Nichts Forderndes. Sein Tevje ist eigentlich nur bekümmert angesichts des sich abzeichnenden Unterganges der jiddischen Kultur fern am Bug in Galizien.
Jürgen Pöckel will vor allem zeigen, dass diese jiddische Tradition keine Perspektiven hat. Dazu haben ihm seine erstmals in Lübeck wirkenden Ausstatter
- Thomas Gruber, Bühnenbild, Klaus Hellenstein, Kostüme – ein minimalistisches Bühnenbild und farbenprächtige Kostüme geliefert. Der Leipziger Thomas Vollmer hat eine Tanzgruppe unter Mats Pae als Dance Captain zusammengestellt, die russische und jüdische Folklore liefert. Und auch sonst wuselt es in wundervollen Volkszenen (Choreinstudierung Joseph Feigl, Führung der Statisterie Maria Feigl) auf dieser Bühne, dass Auge und Ohr ihre helle Freude haben.
In dem kopfstarken Ensemble ragen neben Tevje vor allem als Gast Beate-Maria Vorwerk in der Rolle seiner Frau Golde hervor. Sie ist ihrem armen Milchmann sängerisch wie darstellerisch eine gleichrangige Partnerin. Unter den an diesem Abend geforderten Chorsolisten gefallen besonders Krystina Hoffmann als Oma Zeitel und Gisela Prusek als Fruma-Sarah.
Im Ensemble selbst ragen die Paare Wioletta Hebrowska (Hodel) und Steffen Kubach (Perchik) und aus dem Opern-Elitesutdio Lydia Ackermann(Zeitel)
Hyo Jung Kim (Mottel Kamzoll) heraus. Aber auch alle anderen bieten an diesem Abend Gelungenes bis Großartiges.
Ludwig Pflanz als Musikalischer Leiter hat es in diesen über drei Stunden leicht. Alles wirkt gut zusammen, und auch die Lübecker Philharmoniker haben den speziellen Musical-Sound gut drauf. Eine gelungene Aufführung, die mit viel Szenenbeifall bedacht und zum Schluss umjubelt wird.




Fotos (Thorsten Wulff): Rolf Wollrad (Tevje),
Ensemble


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Horst Schinzel
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