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Anatevka: Humor und Lebensfreude trotzen der Armut

10. Oktober 2010 (HL-Red-RB) Helga Rottmann hat "Anatevka" im Theater Lübeck besucht und berichtet dazu: "In diesem dramatischen Musical bringt der jüdische Erzähler Scholem Alejechem das volkstümliche Leben der Ostjuden im alten Russland auf die Bretter: Die jüdische Dorfgemeinschaft von Anatevka pflegt die alte Tradition und hält eng zusammen, um sich als kleine Dorfgemeinschaft gegen die politisch in Aufruhr befindeten Umwelt behaupten zu können. Mittelpunkt der Gemeinschaft ist der Milchmann Tevje und seine Frau Golde nebst ihren fünf Töchtern. Dreh-und Angelpunkt des Geschehens ist Tevje, der Milchmann. Rolf Wollrad von der Dresdner Semperoper war in jeder Phase ein Milchmann zum Anfassen. Seine Güte und sein Abwägen der Geschehnisse öffnen die Herzen für diesen wunderbaren Künstler. Golde, seine Frau, fand in Beate-Maria Vorwerk eine Protagonistin mit Opernstimme.
Bei drei Töchtern im heiratsfähigen Alter wittert die Heiratsvermittlerin Jente (außerordentlich eigenwillig Martina Flatau) gute Geschäfte. Jedoch machen Zeitel, Hodel und Chava nicht nur ihr einen Strich durch die Rechnung. Tevje und Golde müssen erleben, dass Zeitel sich nicht für den reichen Metzger Lazar Wolf (Andreas Haller als enttäuschter Eheaspirant Wolf war auch diesmal Publikumsliebling.)Tevje gelingt es, Golde zu überzeugen, dass Zeitel (Lydia Ackermann gab der Zeitel sympathische menschliche Züge) nicht durch Reichtum, sondern durch die Liebesheirat glücklich wird. Zeitels Partner, der liebenswerte Schneider Mottel, fand in Hyo Jong Kim, der für den erkrankten Patrick Busert einsprang, mehr als ein Ersatz, er überzeugt mit einer reifen Leistung. Die zweite Tochter, Hodel, liebt den revolutionären Studenten Perchik (Steffen Kubach unterstreicht auch hier seine Vielseitigkeit). Hodel geht mit ihm in die Verbannung nach Sibirien. Wioletta Hebrowska als Hodel machte ihre Entscheidung verständlich. Andrea Stadel in der Rolle der Chava – einfach mitreißend. Ihr Partner Fedja (Tomasz Mysliwiec) hatte den kleineren Part.




Fotos (Thorsten Wulff): Rolf Wollrad (Tevje),
Ensemble



Der von Joseph Weigel einstudierte Chor vermittelte kraftvolle musikalische Momente. Ludwig Pflanz am Pult ein sturmerprobter Dirigent. Regisseur Jürgen Pöckel schaffte mit einfachen Mitteln die Dorfatmosphäre auf die Bühne zu bringen und ließ nie das Gefühl von Banalität aufkommen. Thomas Gruber lieferte dazu ein eigenwilliges Bühnenbild, in dem es zur Unterstützung der Hoffnungslosigkeit auch mal schneien durfte. Choreografisch setzte Thomas Vollmer die Akzente. Mats Pape und seine Tänzer brillierten nicht nur im Flaschentanz. Die Kostüme von Klaus Hellenstein unterstrichen den Ablauf aufs Beste.

Statistiker haben errechnet, dass es jahrzehntelang keinen Tag gab, an dem nicht irgendwo der Vorhang über eine Anatevka-Vorstellung aufging. In dem Stück geht Tevje mit seiner Golde und den beiden jüngsten Töchtern nach Amerika. Aber Lübeck will erst einmal Wolf Wollrad und das Ensemble um Anatevka sehen und feiern.

Helga Rottmann"

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