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„La Bohème“- Oper großer Gefühle oder schalen Vergnügens?

27. September 2010 (HL-Red-RB) Warum geht es eigentlich in Giacomo Puccinis (1858 – 1924) Oper „La Bohème“, mit der Kieler Oper die neue Spielzeit eröffnet: Um große Gefühle oder schale Lust? Komponist – der seine Zuhörer im Stile eines Richard Wagner mit wohltönender Musik beeindruckt – und die Textbuchautoren Giuseppe Giacosa und Luigi Illica lassen das sehr offen, und auch die Regie des Kieler Hausherrn Daniel Karasek tun wenig, um diese doch eigentlich grundlegende Frage zu beantworten.

Karasek betont in seiner Regiearbeit die Lust am Leben. Teils gut, teils weniger gut unterstützt von seinen in Kiel wohl bekannten Ausstattern Norbert Ziermann (Bühnenbild) und Claudia Spielmann (Kostüme), sind ihm dazu vor allem im zweiten Bild im Cafe Momus herrliche Massenszenen gelungen. Dabei bieten der von David Maiwald einstudierte, verstärkte Chor sowie der von Michael Nündel geführte Kinder- und Jugendchor Großartiges. Das Gewusel auf der Bühne ist sorgsam mit viel Beachtung von Feinheiten einstudiert worden.
Mit Recht wird das vom aufmerksamen Premierenpublikum – unter dem sich erfreulich viel Jugend befindet- schon zur Pause mit viel Beifall beacht.
Sonst aber überlässt Karasek seine Sänger weitgehend sich selbst. Mitunter singen sie arg statuarisch. Einmal mehr wird aber an diesem Abend deutlich, welch großartige Kräfte in Kiel versammelt sind. Allen voran die hier nur noch als Gast arbeitende Susan Gouthro, die als Musetta ihre Kollegen an die Wand sing und spielt. Dabei zeigt sie die Rolle einerseits als billiges Flittchen, andererseits als Frau, die großer Gefühle fähig ist. Für ihre Vielseitigkeit spricht, dass sie für die Hauptrolle mit der gefeierten russischen Sopranistin Ekaterina Isachenko alterniert. Ekaterina Isachenko ist eine sehr liebreizender Mimi, singt großartig und stirbt herzzerreißend. Sonst aber bleibt sie an diesem Abend über weite Strecken doch recht blass.
Neben diesen beiden Sängerinnen gefällt vor allem der Rudoflo des Yoonki Baek. Er ist sängerisch wie darstellerisch der attraktive junge Mann, auf den die Frauen fliegen. Seine Freunde Petro Magoulas – in seinem Kiel-Debüt -, Jörg Sabrowski und Tomohiro Takada – sängerisch eindrucksvoll - bleiben dagegen über weite Strecken recht blass.
Bei den Kieler Philharmonikern gefallen vor allem die von Puccini stark geforderten Bläsergruppen. Allerdings droht mitunter das Orchester in den Forti und Fortissimi zu laut zu werden und das Geschehen auf der Bühne zu überdecken. Alle Beteiligten machen es an diesem Abend dem Musikalischen Leiter Generalmusikdirektor Georg Fritzsch leicht.
Ein großartiger Abend, der vom dankbaren Premierenpublikum mit viel Szenenbeifall aufgenommen und am Schluss stürmisch gefiert wird.

Weitere Aufführungen
3.,8.,15.,15., 19., 23 Oktober ,jeweils 20 Uhr.


Horst Schinzel
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