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DSD fördert das Humpisquartier in Ravensburg

14. September 2010 (HL-Red-RB) Das sogenannte Humpisquartier liegt in einem der ältesten Siedlungsgebiete von Ravensburg. Der Name des Viertels erinnert an die hier ansässige Kaufmannsfamilie, die im Spätmittelalter mit der Gründung und Führung der "Großen Handelsgesellschaft" von 1380 bis 1525 wesentlichen Anteil am Aufschwung der Stadt hatte. Über 100 Jahre bestimmten die Humpis mit Niederlassungen in Genua, Venedig und vielen anderen Handelsstädten den europäischen Handel mit Baumwolle und "oberschwäbischer Leinwand", einem robusten Stoff, der beispielsweise als Segeltuch (...auch für Lübeck? Red.) sehr begehrt war.

Die Familie dirigierte ihre Geschäfte
von einem mittelalterlichen Häuserkomplex aus, der sich seit dem 12.
Jahrhundert in der Ravensburger Oberstadt entwickelte. Die meisten der
heute sieben Bauten des Quartiers, die sich um einen Innenhof
gruppieren, entstanden mit ihrer qualitätvollen Ausstattung im 15.
Jahrhundert. Auch als die Familie Humpis ihren Einfluss und ihren Besitz
verlor, verblieben weite Teile "ihres" Quartiers noch für lange Zeit in
den Händen der patrizischen Oberschicht.

Das in einem der ältesten Siedlungsgebiete Ravensburgs liegende
Humpisquartier ist ein mittelalterlicher Häuserkomplex, der sich im
Hochmittelalter in der Oberstadt entwickelt hat. Benannt ist er nach der
Familie, die 1380 die "Große Handelsgesellschaft" gründete. Bis 1525
gehörte die Magna Societas Alamannorum zu den bedeutendsten europäischen
Handelsunternehmen, die vor allem mit heimischem Tuch, später auch mit
Papier, sowie mit Orientgewürzen und Ölen aus dem Mittelmeerraum
handelten. Die Familie trug wesentlichen Anteil am Aufschwung der Stadt
im Spätmittelalter, da sie über 100 Jahre lang von hier aus die
Niederlassungen in Genua, Venedig und vielen anderen Handelsstädten in
Europa leitete. Gerade die robuste "oberschwäbische Leinwand" war als
Segeltuch sehr begehrt. Nach der Entdeckung Amerikas und der damit
verbundenen Inflation, innerfamiliären Streitigkeiten und dem steigenden
Einfluss der auch ins Bankengeschäft einsteigenden Fugger und Welser in
Augsburg fehlte den Humpis der wagefreudige Nachwuchs, der ihre alte
Position hätte retten können. Die Gesellschaft löste sich daraufhin
einfach durch Nicht-Erneuerung der Kontrakte auf.

Das Humpis-Quartier besteht heute aus sieben Bauten, die sich um einen
Innenhof gruppieren. In ihrer qualitätvollen Ausstattung entstanden die
meisten von ihnen im 15. Jahrhundert. Sie haben sich wohl deshalb
erhalten, weil sie nach dem Ausscheiden der Humpis für lange Zeit in den
Händen der patrizischen Oberschicht verblieben. Danach nutzten durchweg
Handwerker die Gebäude, die sie ebenfalls kaum veränderten, so dass sich
der spätmittelalterliche Baubestand mit bemalten und geschnitzten
Balkendecken, Treppen und Einbauten bis heute in nahezu ursprünglicher
Form erhalten hat. Sogar Reste eines steinernen Wohnturmes sind bis zum
bauzeitlichen Fliesenboden weiterhin gut erkennbar.

Das älteste der sogenannten Humpishäuser, von einem Schwiegersohn der
Familie erbaut, entstand dendrochronologischen Untersuchungen zufolge um
1470. Über einem massiven Erdgeschoss erheben sich zwei weit
hervorragende Fachwerkgeschosse und werden von einem steilen
Krüppelwalmdach gedeckt. Das Rauchloch zeugt noch von der ursprünglich
kaminlosen Befeuerung des Hauses. Das Haus in der Humpisstraße 5 ist in
seinem Inneren und Äußeren ausgesprochen gut erhalten. Als einziges
Gebäude des Quartiers sind die Fassaden unverputzt geblieben. In seinem
spätmittelalterlichen, stockwerksweise gezimmerten Hausgerüst zeichnet
es sich durch seine kräftigen Ständer, sorgfältig gearbeitete
Schwalbenschwanzverblattungen und die Konsolen und mächtigen Knaggen,
die hölzerne Konsolen im Fachwerkbau, aus. Besonders hervorzuheben ist
die Eckstube im zweiten Obergeschoss: sie ist der größte Raum des
Hauses, am stärksten durch Fenster beleuchtet mit der aufwendigsten
Ausstattung versehen. Die Stube besitzt eine gewölbte Bohlenbalkendecke
mit Kielbögen und Rosetten. Die Fensterpfosten sind mit Schuppenrelief
und angedeuteten Nischensockeln der Renaissance fein ausgearbeitet.

Am 3. Juli 2009 öffnete in den bereits renovierten Häusern des Quartiers
das Städtische Museum für Stadtgeschichte und bürgerliche Kultur seine
Pforten.

Quelle: DSD

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