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L.Gallinat zu weiteren Lesungen Int. Lübecker Literaturwoche

14. September 2010 (HL-Red-RB) Es war eine anspruchsvolle und abwechslungsreiche Matinee im reichlich gefüllten "Alten Zolln". Am letzten Sonntag lasen beim 257."Literarischen Frühschoppen" des "Lübecker Autorenkreises und seine Freunde e.V." im Rahmen der 10."Internationalen Lübecker Literaturwoche" zwei Autorinnen und zwei Autoren aus ihren Werken.
Elisabeth Melzer-Geissler (Horst bei Elmshorn) bot zunächst originelle und farbenreiche Herbstgedichte, in denen sie "Schicksalsspuren zum Ganzen verwob". An Nelly Sachs und Else Lasker-Schüler erinnernd, gestaltete sie den Herbst eindrucksvoll als Zeit des Abschieds. Mit einem enormen historischen Bewusstsein thematisierte sie scharfzüngig die NS-Zeit. Augenzwinkernd nahm sie satirisch-ironisch einen drei Meter großen Marx-Kopf unter die Lupe.In einer Kurzprosa aus ihrer Kindheit affirmierte sie den kämpferischen und aufrichtigen Charakter des protestantischen Glaubens.
Regine Mönkemeier (Lübeck) gestaltete in ihrem hintergründigen Polen-Zyklus die Menmotechnik des Schrecklichen. Sie vertiefte sich mit einer kühnen Meataphorik in die Zeit der Solidarnosc, die gegen Unterdrückung und Unfreiheit gekämpft hatte, und das Wesen des Genies Chopin. Ihre farbenreichen Sprachlandschaften sind intensiv und fokussierend. Die Autorin formte ihre Momentaufnahmen wie auch am Beispiel Lübecks zu einem kunstvollen Mosaik.

Der deutsch-polnische Lyriker Jozef Pless (Warschau) präsentierte dann selbstironische, originelle Gedichte, die auch den eigenen poetologischen Prozess subtil reflektierten. Seine Poeme enthalten reizvolle surrealistische Wendungen und einen existenzialistischen Stimmungsteppich. Hingebungsvoll und leidenschaftlich schilderte der Autor christlich inspiriert die tiefe Liebe zu seiner Mutter, eine Glut der Empfindung. Pless und Matthias Belkowsky rezitierten außerdem einfühlsam und nuanciert Gedichte der polnischen Autorin Wislawa Szymborska und der polnischen Autoren Czeslaw Milosz und Zbigniew Herbert, wobei die Lesung multimedial musikalisch kongenial umrahmt wurde.
Jürgen Schwalm (Lübeck) stellte zum Schluss einen spritzigen Kurzprosatext von Wort- und Tonspuren vor, der reizvolle Montagen und Collagen enthielt. Der Autor überschlug sich dabei mit literarischen Kapriolen. Akrobatisch-artifiziell generierte er die Welt der Illusionen, die er aber zugleich dialektisch zynisch, sarkastisch und zum Teil bitterböse dekonstruierte. Das Zeitdokument offerierte eine interessante Komplexität der Erinnerungen. Außerdem ließ Schwalm sich in einem Capriccio mit romantischer Ironie Anna Karenina und ihren Schöpfer Leo Tolstoi begegnen.
Klaus Rainer Goll, der 1.Vorsitzende der literarischen Vereinigung, moderierte engagiert und kenntnisreich. Er wies dabei auch darauf hin, dass der "Literarische Frühschoppen" ebenso wie der "Lübecker Autorenkreis und seine Freunde e.V." bereits dreißig Jahre besteht.
Alle Akteure wurden schließlich mit sehr viel Beifall bedacht.

Lutz Gallinat


© Lutz Gallinat ü/Lübeck-TeaTime (Impressum)

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