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L. Gallinat zur Lesung Feridun Zaimoglus' "hinterland"

12. September 2010 (HL-Red-RB) Mit der Lesung Feridun Zaimoglus (Kiel) im Lübecker Museum Behnhaus Drägerhaus wurde am letzten Freitag die 10. "Internationale Lübecker Literaturwoche" des "Lübecker Autorenkreises und seine Freunde e.V." fortgesetzt. Der Autor las aus seinem 2009 bei Kiepenheuer& Witsch erschienenen Roman "hinterland". Dieser Roman schweift aus und ab. Er nimmt den Leser mit auf eine Reise, die von den Metropolen Osteuropas bis auf eine Insel in der Nordsse führt, von Prag nach Berlin, Istanbul, Ankara, Föhr und zurück. Er folgt Verträumten und Entflammten, die einander treffen, begleiten oder umgehen, aber gemeinsam verstrickt sind in einen großen Zusammenhang, den sie kaum durchschauen und erst recht nicht begreifen.

Im Mittelpunkt stehen Ferda und Aneschka, die sich in Prag gefunden haben, aber immer wieder trennen, um ihren eigenen Weg zu gehen. Ferda acht sich auf in die Türkei und gerät dort in ein Sippentreffen und in Liebeshändel, während Aneschka ihrer Brieffreundin Helen, der Tochter eines Fotografen, nach Berlin folgt. Dort trifft sie Ferda wieder, kehrt mit ihm zurück nach Prag, doch sind die Gefühle im Aufruhr und die Köpfe nicht klar. Überhaupt gewinnt das Irrationale die Oberhand, treffen Zwerge auf Ritter, Hexenbesen und das Tausendgüldenkraut.
Geschult an der deutschen Romantik, befeuert von orientalischen Bilderwelten und starken Gefühlen, entwirft Feridun Zaimoglu einen mitreißenden Episodenroman mit zahlreichen Figuren, die sich wie in einem Traumgespinst bewegen.
Ausgehend von der Liebesgeschichte zwischen Ferda und Aneschka erzählt er von der Sehnsucht, der Hoffnung auf Erlösung, dem Wunsch nach Selbstaufgabe. "hinterland" ist den Träumern und Verträumten, den Sonderbaren und Sonderlingen gewidmet.
Die mäandernde, märchenhafte Erzählweise ist ein geradezu rauschhaftes Lektüreerlebnis. Der Autor zieht mit seinem intensiven Erzählsog und dem sprachlichen Zauber den Leser in seinen Bann. Der Roman enthält allerdings auch einige Klischees.
2002 erhielt der Autor den Hebbel-Preis, 2003 den Preis der Jury beim Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt und 2004 den Adelbert-von-Chamisso-Preis. Im Jahr 2005 war er Stipendiat der Villa Massimo in Rom. Im selben Jahr erhielt er den Hugo-Ball-Preis, 2007 den Grimmelshausen-Preis und 2008 den Corine-Preis für seinen letzten Roman "Liebesbrand".
Die Lesung löste eine rege Diskussion unter der Leitung des kenntnisreichen und engagierten Moderators Dr.Jürgen Haese aus.
Die zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörer spendeten sehr viel Beifall.

Lutz Gallinat

© Lutz Gallinat ü/Lübeck-TeaTime (Impressum)

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