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L.Gallinat berichtet zu Georg Kleins Lesung im Audienzsaal

12. September 2010 (HL-Red-RB) Es war ein beachtlicher Auftakt der 10. "Internationalen Lübecker Literaturwoche" des "Lübecker Autorenkreises und seine Freunde e.V.". Bei der Eröffnungsveranstaltung im reichlich gefüllten Audienzsaal des Rathauses zu Lübeck las Georg Klein (Emden) am letzten Donnerstag aus seinem soeben bei Rowohlt erschienenen Buch "Roman unserer Kindheit", für den er den Preis der Leipziger Buchmesse 2010 erhalten hatte.

"Die Menschen sind tollkühne Tiere", so begann sein letzter Roman. Dieser nun beschäftigt sich mit unseren tollsten, kühnsten und womöglich gefährlichsten Artgenossen: den Kindern. Georg Klein versetzt uns zurück in das Licht der frühen sechziger Jahre, an den Rand einer süddeutschen Stadt. Ein scheinbar ewiger Sommer umfängt Neubaublöcke, amerikanische Kasernen, eine Laubenkolonie, ein verlassenes Wirtshaus unter uralten Kastanien.
Doch dann treten die Boten in Erscheinung: der Mann ohne Gesicht, der Fehlharmoniker, der mysteriöse Kommandant Silber. Und als der taube Sittichzüchter die Ermordung eines der Siedlingskinder voraussagt, müssen der Ältere Bruder und seine Freunde auf die Nachtseite des Sommers überwechseln. Dort ist es die Aufgabe, das Böse durch einen großen magischen Tauschhandel zu bannen.
Georg Klein erzählt vom Kindsein, von dessen Abenteuern, übergroßen Aufregungen und Gefahren; "Roman unserer Kindheit" ist zugleich ein radikal autobiografisches und dämonisch-phantastisches Buch. Dass die erzählerischen Arbeiten Georg Kleins den Gattungen gegenüber gleichzeitig als autonom und abhängig sind, liegt vor allem an der präzisen- ungemein ökonomischen - sprachlichen Verfasstheit der Texte. Mit dem Begriff Detailrealismus wäre dieses erzählerische Verfahren nur unzureichend beschrieben, denn die konkreten Phänomene stehen zwar im Vordergrund der Beschreibung, doch geht es dabei nicht um eine summarische, inventarisierende Aufrechnung des sichtbaren Geschehens. Der Autor intendiert den Zusammenhang der Dinge; was ins Auge sticht, bleibt oftmals kein singuläres Phänomen, sondern wird vielmehr gedanklich gleich mit anderen Wahrnehmungen verbunden. So entwickelt sich ein engmaschiges Textnetz, in dem zugunsten einer auf erzähltechnische Einheit setzende
n Form die fragmentarisienden Anteile in den Hintergrund rücken. Kleins Signifikanz für die deutsche Gegenwartsliteratur liegt begründet in dieser narrativen, subtile Kontexte erschaffenden Fähigkeit.
Georg Klein, 1953 in Augsburg geboren, veröffentlichte die Romane "Libidissi", "Barbar Rosa" und "Die Sonne scheint uns" sowie die Erzählungsbände "Anrufung des blinden Fisches" und "Von den Deutschen". Für seine Prosa wurden ihm der Brüder-Grimm-Preis und der Bachmann-Preis verliehen. Zuletzt erschien sein Roman "Sünde Güte Blitz". Georg Klein lebt mit seiner Frau, der Schriftstellerin Katrin de Vries, und zwei Söhnen in Ostfriesland.
Klaus Rainer Goll, der 1.Vorsitzende der literarischen Vereinigung, hatte zuvor in seiner Begrüßung an die Gründung des "Lübecker Autorenkreises und seine Freunde e.V." vor genau dreißig Jahren im Gartensaal der "Gemeinnützigen" und die zahlreichen herausragenden Veranstaltungen, vor allem an die deutsch-deutschen Begegnungen auch schon vor dem Fall der Mauer und die Partnerschaften mit den Schriftstellerverbänden in Warschau und Stettin, erinnert.
Holger Pils, der Leiter des Lübecker Buddenbrookhauses, hatte in seinen Grußworten das große Engagement Klaus Rainer Golls für die Literatur
und die langjährige erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen der literarischen Vereinigung und dem Buddenbrookhaus gewürdigt.
Die Stadtpräsidentin Gabriele Schopenhauer hatte schließlich gelobt, dass durch das Wirken des "Autorenkreises" zahlreiche literarische Talente entdeckt und gefördert worden seien. Es sei gelungen, das Publikum zu gewinnen und zu fesseln.
Alle Akteure wurden am Ende mit sehr viel Beifall bedacht.
Lutz Gallinat




Foto (L. Gallinat): Von links Klaus Rainer Goll, Stadtpräsidentin Gabriele Schopenhauer und Autor Georg Klein


Quelle:
© Lutz Gallinat ü/Lübeck-TeaTime (Impressum)

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