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Kultur Wissenschaft Ausbildung

Lutz Gallinat zur "Ringelnatz - Performance" in der "Bilderdiele

30. August 2010 (HL-Red-RB) Es war eine amüsante und abwechslungsreiche Soiree. Martin Klingel präsentierte am letzten Mittwoch zum 127.Geburtstag von Ringelnatz in der vollbesetzten Bilderdiele der Lübecker "Ateliergemeinschaft Glockengießer 26" eine faszinierende Performance. Joachim Ringelnatz blieb ein unpolitischer, im Grunde unliterarischer Außenseiter in der Not und Hektik der Weimarer Republik. Er lebte und spielte als verquerer Brettl-Philosoph öffentlich mit seiner Wehmut, beschrieb sie hintergründig als eine seine Jugendzeit vergoldende Erinnerung. Er erschloss der Lyrik kurios logisch oder vertrackt tragisch im erfinderischen Spiel mit Wörtern und Begriffen neue Gebiete und Milieus: das Turnen und das Fliegen, das Artisten- und das Matrosendasein, die er - komisch-skurril und ernst zugleich- mit eigenwilliger Logik und sprachlichem Erfindungsreichtum behandelte. Die Seemannsfigur Kuttel Daddeldu seiner Kabarettlyrik machte ihn berühmt.

Polgar sprach vom "waghalsigen Humor", mit dem Ringelnatz "den Stein der Narren entdeckt" habe; Hesse nannte ihn einen "adeligen Schwärmer edler Art mit einem Dichterherzen und einem kleinen Vogel im ritterlichen Kopf". Er selbst meinte über seine Kauzigkeit , er sei "etwas schief ins Leben gebaut". Die 1400 Briefe von und an Ringelnatz in der achtbändigen Gesamtausgabe seiner Werke zeigen den Künstler eher als einen Verzweifelten, Trauernden, "düster im Bunten", der Groteske und Komik als Lebensnotwendigkeit betrachtet. Ringelnatz erhielt 1933 Auftritsverbot in Deutschland; er starb verarmt mit 51 Jahren an einer Lungenkrankheit. Paul Claudel würdigte ihn mit der philosophischen Feststellung, "wie eng sind doch Ernst und Humor verwandt".
Martin Klingel rezitierte einfühlsam, nuanciert und mit phantastischer Mimik und Gestik. Er gefiel durch eine gedankliche Meisterleistung und kommentierte Vita und Werk von Ringelnatz luzide und mit viel Verve und Esprit. Assistiert wurde er vom kleinen "lübschen Ringelnatz", einer von ihm kreierten Holzfigur. Klingel rief beim begeisterten Publikum viele Lachsalven hervor.
Nach der Pause bot der Künstler sein eigenes Stück "Das Rennen oder Die Erfindung des Sports" im Rahmen der Reihe "Theater ohne Bühne". Das absurde Stück reflektiert satirisch, persiflierend und ironisch-karikierend das berühmte Märchen vom Hasen und Igel, wobei der Autor die Märchenelemente auch subtil dekonstruierte. Klingel offerierte viele originelle Gags und überschlug sich in dramatischen Kapriolen.
Die Zuhörerinnen und Zuhörer spendeten schließlich sehr viel Beifall, für den sich Klingel mit mehreren Ringelnatz-Zugaben bedankte."

Lutz Gallinat

© Lutz Gallinat ü/Lübeck-TeaTime (Impressum)

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