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Agentur für Arbeit Lübeck

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Offener Brief – CDU kämpft für die Uni Lübeck!

21. Juni 2010 (HL-Red-RB) Die CDU Lübeck übermittelte folgenden Beitrag: "Folgendes Schreiben ist () in Form eines Offenen Briefes an die Mitglieder der CDU-Fraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag gegangen:
Offener Brief – CDU kämpft für die Uni Lübeck!
Sehr geehrte/r,
die CDU Schleswig-Holstein hat sich in ihrer Koalitionsvereinbarung mit der FDP mit den Worten „Wir werden (…) unsere Entscheidungen hierzu in Abstimmung mit der Universität Lübeck insbesondere auf das Ziel ausrichten, die künftige Entwicklung dieser Universität finanziell und strukturell besser abzusichern“ eindeutig zur positiven Weiterentwicklung der Universität Lübeck bekannt.

Am 25. Mai 2010 hat die Haushaltsstrukturkommission von CDU und FDP den Koalitionsfraktionen und den Kleinen Parteitagen der Koalitionsparteien ein umfassendes Einsparungsprogramm vorgelegt. Parteibasis und Fraktionen haben die Inhalte des Sparprogramms in einer ersten Abstimmung beinahe einstimmig unterstützt, Letztere mit der selbstverständlichen Feststellung, dass das Recht des schleswig-holsteinischen Landtags zur Aufstellung des Haushalts hiervon unberührt bleiben würde.

Ich wende mich im Namen der CDU-Fraktion in der Lübecker Bürgerschaft an Sie, weil ich unserem Protest gegen den Vorschlag der Kommission, die medizinische Fakultät der Universität zu Lübeck abzuwickeln, Ausdruck verleihen möchte. Ich wende mich hierbei ausdrücklich nicht gegen die notwendigen Bestrebungen, eine deutliche und nachhaltige Entlastung des schleswig-holsteinischen Landeshaushalts schon im Jahr 2011 zu erreichen.

Andererseits darf es jedoch keinesfalls zur Regel werden, dass die Handlungsempfehlung eines Personenkreises wie der Strukturkommission durch Sie, die gewählten Repräsentantinnen und Repräsentanten der schleswig-holsteinischen Bevölkerung, in keinem Punkt verändert werden darf.

Tatsächlich ist eine Veränderung der Vorlage dringend geboten. Die Verlegung der medizinischen Ausbildung von der Universität zu Lübeck nach Kiel wäre eine historische Fehlentscheidung und hätte nachhaltigen, erheblichen Schaden nicht nur für das Ansehen und die Glaubwürdigkeit unserer Partei in dieser Region, sondern auch für die Zukunftsfähigkeit Schleswig-Holsteins insgesamt zur Folge.

Die Hansestadt Lübeck ist seit vielen Jahrzehnten einem besonders intensiven Strukturwandel unterworfen. Die Abwanderung von Bundeswehr, Werften- und Stahlindustrie konnte lediglich durch erhebliche Anstrengungen und die Konzentration auf drei Förderungsbereiche kompensiert werden: Hafen/Logistik, Nahrungsmittelindustrie und Medizin/Medizintechnik.

Mit dem Bereich Medizin und Medizintechnik hat die Region internationale Strahlkraft erlangt. Mit ihm sind Firmen wie Dräger (Lübeck), Euroimmun (Groß Grönau), CogniMed (Reinfeld) oder DEHAS (Bad Schwartau) verbunden. Hansestadt Lübeck und Landesregierung haben in den letzten Jahrzehnten die gemeinsamen Bemühun- gen verstärkt, das wissenschaftliche Umfeld in unserer Stadt zu verbessern. Auf dem Universitätscampus ist ein neues Audimax entstanden, in unmittelbarer Nachbarschaft ist mit dem Hochschulstadtteil eines der attraktivsten Wohnquartiere für junge Familien und wissenschaftliche Fachkräfte entwickelt worden, zahlreiche Firmen der medizinischen und medizintechnologischen Branchen wurden angesiedelt.

Keine Stadt ist so sehr auf medizinische Forschung und Lehre angewiesen wie Lübeck. Die Behauptung, ein medizintechnologischer Schwerpunkt könnte sich in unserer Stadt auch nach einem Verzicht auf die medizinische Fakultät aufrechterhalten, entbehrt jeder Grundlage. Entsprechende Zweifel müssen auch für die Aufrechterhaltung der Universität in ihrer Gesamtheit gelten: Von insgesamt 2.500 Studierenden an der Universität Lübeck sind 1.500 direkt in der abzuwickelnden Humanmedizin eingeschrieben, 500 zusätzliche in mit der Humanmedizin unmittelbar verbundenen Studiengängen. Somit verbleiben lediglich etwa 500 Studierende, die eine von der Haushaltsstrukturkommission versprochene Stärkung der naturwissenschaftlich-technischen Ausrichtung der Universität sichern sollen – eine offensichtliche Farce.

Die Universität Lübeck hat im letzten Jahrzehnt ihres Bestehens eine beeindruckende Entwicklung genommen; die erfolgreiche Teilnahme an der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder, das CHE-Ranking für den medizinischen Studiengang an Platz 1 in ganz Deutschland und die Hervorbringung des diesjährigen Leibnizpreisträgers sollen nur als drei Beispiele einer herausragenden Leistung für die Bedeutung des Hochschulstandortes Lübeck für Schleswig-Holstein genannt werden – dies alles an einer der kleinsten Universitäten bundesweit.

Wir appellieren an Sie: Machen Sie von Ihrem Budgetrecht Gebrauch und stärken Sie die Hochschullandschaft in Schleswig-Holstein! Medizinische Forschung und Lehre müssen in Lübeck erhalten bleiben. Eine Entscheidung für die Universität Lübeck wird in der medizintechnisch ausgerichteten Region Lübeck 10.000 Arbeitsplätze mit einer Wertschöpfung von bis zu 2 Milliarden Euro und darüber hinaus noch weitere Arbeitsplätze schaffen.

Wir bitten Sie weiterhin: Entscheiden Sie zügig! Mit jedem verlorenen Tag schwinden die Chancen der Universität Lübeck, hochkarätige Fachkräfte und engagierte Studierende für unseren Standort zu interessieren. Diese Kräfte werden Schleswig-Holstein insgesamt verloren gehen. Sollte es nicht bald eine klare und eindeutige Rückendeckung für diese Hochschule seitens der Landesregierung und des Schleswig-Holsteinischen Landtags geben, wird die öffentliche Debatte um die Universität dazu beitragen, den Hochschulstandort Schleswig-Holstein insgesamt zu schwächen.

Für Gespräche stehen wir Ihnen gern zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
Andreas Zander
Fraktionsvorsitzender"

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