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Barrierefreier Urlaub ist kein Randgruppenthema

06. Dezember 2009 (HL-Red.) Der Bedarf an barrierefreien Tourismusangeboten steigt kontinuierlich an. Grund genug, sich die ökonomischen Potentiale genauer anzusehen. Mit dem Thema „Tourismus für Alle - Barrierefreier Urlaub in Schleswig-Holstein“ hat die IHK Schleswig-Holstein Ende November ein Thema in den Mittelpunkt einer Konferenz gestellt, dass kein Randgruppenphänomen im Sinne eines reinen „Behindertentourismus“ ist. Den wenigen barrierefreien Angeboten und Dienstleistungen steht derzeit eine nicht gesättigte Nachfrage gegenüber.

„Der Inlandtourismus - so hat es der Tourismustag in Damp gerade erst bestätigt - liegt voll im Trend“,
so Peter Michael Stein, Stv. Hauptgeschäftsführer der IHK Schleswig-Holstein. Zuwächse bei Gästen
und Übernachtungszahlen ließen ein insgesamt positives Ergebnis für das Jahr 2009 erwarten. Eine
weitere Erkenntnis des diesjährigen Tourismustages: Nur wer sich auf wenige Gästegruppen
spezialisiert und zudem attraktive Produkte anbietet, kann auf Dauer erfolgreich sein. „Gerade
deshalb sehen wir als IHK in der stärkeren Vermarktung touristischer Produkte für Menschen mit
Behinderungen einen wirtschaftlichen Vorteil. Derzeit werden jährlich rund 2,5 Milliarden Euro allein
durch Urlaube behinderter Menschen erwirtschaftet“, so Stein. Durch mehr Barrierefreiheit im
Deutschlandtourismus sei ein zusätzlicher Netto-Umsatz von ca. 4,8 Milliarden Euro möglich.
Hochgerechnet wären dass etwa 90.000 zusätzliche Arbeitsplätze, die auf diese Weise entstehen
könnten. Zudem werde sich die Zahl der über 60-Jährigen in den kommenden Jahren verdoppeln.
„Und damit wird sich - fast automatisch - auch die Zahl der mobilitätseingeschränkten, aber dennoch
reisefreudigen Kunden deutlich vergrößern“, so Peter Michael Stein.
Die Marktchancen und Erfolgsfaktoren des barrierefreien Tourismus erläuterte Dr. Peter Neumann,
Geschäftsführer von NeumannConsult. Sein Fazit: „Barrieren sind nicht nur baulicher Art.“ Es gebe
zwar bauliche Hindernisse, wie Niveauunterschiede bei zu geringen Türbreiten, aber auch
sensorische Sperren, wie z. B. Aufzüge ohne Sprachausgabe, Barrieren im Service und
Kommunikationsprobleme. Wer den Markt erfolgreich erschließen wolle, sollte aus Sicht des Experten
daher vor allem folgende Hinweise beachten: Barrierefreiheit ist ein Qualitätsmerkmal für alle Gäste
und darf nicht für sich alleine stehen. Eine Studie im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums hat
gezeigt, dass Menschen mit Behinderung dieselben Urlaubsinteressen haben, wie der
Bevölkerungsdurchschnitt. „Daher muss die Ansprache des Kunden über Themen erfolgen und nicht
über die eingeschränkte Mobilität“, so Neumann.
Am Nachmittag standen „Best-Practice-Beispiele“ auf der Tagesordnung, darunter auch aus
Schleswig-Holstein. Über die touristische Erschließung der Hallig Hooge für blinde und sehbehinderte
Menschen sprach Dr. Jürgen Trinkus, Tourismusbeauftragter des Blinden- und
Sehbehindertenvereins Schleswig-Holstein e.V. Das barrierefreie Ausbildungshotel des Theodor-
Schäfer-Berufsbildungswerkes in St. Peter-Ording – Haus Windschnur - stand im Mittelpunkt eines
Vortrages von Hans-Jürgen Vollrath-Naumann. Auch barrierefreie Ferienhöfe waren ein Thema,

vorgetragen von Petra Radtke, Geschäftsführerin Arbeitsgemeinschaft Urlaub auf dem Bauernhof
Schleswig-Holstein e.V. Wie sich ein Land im barrierefreien Tourismus erfolgreich positionieren kann,
zeigte das Beispiel Brandenburg. Doreen Heinze von der Tourismusakademie Brandenburg ist eigens
für dieses Thema eingestellt worden. In Brandenburg wurden mit dem Ruppiner Land und der
Niederlausitz zwei Modellregionen geschaffen. Sie versuchen ganzheitliche touristische Angebote zu
entwickeln und sich besser miteinander zu vernetzen.


www.ihk-schleswig-holstein.de
Quelle: IHK Schleswig-Holstein


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