Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren. Klicken Sie hier für weitere Informationen.
Hier klicken, um diese Nachricht nicht mehr anzuzeigen.



Agentur für Arbeit Lübeck

Arbeit Wirtschaft H'werk Politik

IHK-Vollversammlung mit Vortrag zur Finanzmarktkrise

19. November 2008. „Das Vertrauen zwischen den Banken muss wieder wachsen, damit wir die Finanzkrise überwinden können.“ Das sagte Professor Dr. Rolf Eggert, Präsident der Hauptverwaltung Hamburg der Deutschen Bundesbank, vor der Vollversammlung der IHK zu Lübeck. Er sprach auf Einladung von IHK-Präses Bernd Jorkisch und Hauptgeschäftsführer Professor Dr. Bernd Rohwer über das Thema „Die Finanzmarktkrise und ihre Auswirkungen auf die Wirtschaft“. Entscheidend sei es, so Eggert, die Finanzwirtschaft wieder stärker an die Realwirtschaft zu koppeln.

Professor Dr. Rolf Eggert hatte auch gute Nachrichten für die regionale Wirtschaft: „Wie lange und wie tief die Krise wird, hängt von den Strukturen hierzulande ab. Es gibt einige Faktoren, die einem übertriebenen Pessimismus entgegenstehen: Die Bankenstruktur mit ihren vielen kleineren Instituten, die von den direkten Krisenfolgen weitgehend verschont geblieben sind, und die mittelständische Struktur der deutschen Wirtschaft mit ihren vielen flexibel auf Krisen reagierenden Unternehmen.“

Der Zusammenbruch des Immobilienmarkts und die Hypotheken-Krise in den USA haben eine Entwicklung ausgelöst, in deren Zuge Banken und Finanzunternehmen in aller Welt in Probleme geraten sind, erläuterte Professor Dr. Rolf Eggert. „Eine wesentliche Rolle bei dieser Entwicklung spielen Finanz­innovationen, die es ermöglichen, Kredite und ihre Risiken weiterzugeben und als Wert­papiere an die Finanzmärkte zu veräußern. Verbriefungen und Kreditderivate haben nicht nur zur Entstehung der Krise beigetragen – sie haben auch ihre Ausbreitung erst möglich gemacht.“

Institutionelle Anleger wie Fonds, Banken und speziell hierfür gegründete Zweckgesellschaften haben diese Wertpapiere gekauft und auf hohe Renditen gehofft. Professor Dr. Rolf Eggert: „Teilweise wählten sie Techniken, mit deren Hilfe sie aufsichtliche Anforderungen und die daraus resultierenden Kosten vermeiden wollten. Hinzu kam, dass Anleger viele Papiere aufgrund ihrer guten Ratings als sichere Anlagen angesehen haben.“ Dabei hätten sie aber Risiken ausgeblendet. Die Verbriefungen verloren an Wert, und die Märkte brachen zusammen, erläuterte der Präsident der Hamburger Bundesbank-Hauptverwaltung.

„Vor allem die Folgen für die Banken in aller Welt machen die Krise zu einem Problem für die Bürger und für die Unternehmen. Viele Kreditinstitute haben erhebliche Abschreibungen vornehmen und ihre Gewinnerwartungen zurücknehmen müssen“, so Professor Dr. Rolf Eggert. Einige seien zeitweilig sogar in Liquiditätsprobleme geraten. „Die Folge ist eine allgemeine Verunsicherung. Sie spiegelt sich wider in einem Geldmarkt, der die ständige Unterstützung der Notenbanken braucht, in fallenden Aktienkursen und einer Flucht in sichere Anlagen.“ Zudem machten sich viele Bürger Sorgen um die Sicherheit ihrer Sparguthaben und Geldanlagen. Eggert: „Zahlreiche Unternehmen fragen sich, ob ihre Finanzierung nach einigen besseren Jahren nun wieder schwieriger wird.“ Nicht zuletzt wirkt die Finanzkrise auch dadurch auf die Realwirtschaft, dass viele Menschen vorsichtiger mit ihren Finanzmitteln haushalten wollen oder müssen. Professor Dr. Rolf Eggert: „In Deutschland sagt der Sachverständigenrat einen deutlichen Rückgang der Investitionen voraus.“

Thomas Ehlers, Mitglied der Vollversammlung und Geschäftsführer der Lübecker Nachrichten, fragte, wie es trotz der Regulierung und der staatlichen Aufsicht in der Bundesrepublik auch bei deutschen Banken zu den Problemen kommen konnte? Eggert betonte, die Bundesbank habe schon 2006 auf die Gefahren hingewiesen und zusammen mit anderen Notenbanken durch schnelle und großzügige Geldbereitstellung wesentlich dazu beigetragen, die Probleme im Griff zu behalten. Als Notenbank lege sie dabei aber immer Priorität auf Preisstabilität.

IHK-Hauptgeschäftsführer Professor Dr. Bernd Rohwer erkundigte sich nach den Kreditkonditionen besonders für kleine und mittelständische Unternehmen. Der Bundesbank-Experte antwortete, Schleswig-Holstein verfüge über eine gut aufgestellte Investitionsbank, die gemeinsam mit den Sparkassen einen Mittelstands-Investitionsfonds gegründet hat. „Die Sparkassen und Genossenschaftsbanken haben hohe Einlagen aus der Region. Wenn sie dieses Kapital nun zur Förderung der Wirtschaft vor Ort nutzen, leisten sie ein gutes Stück regionale Wirtschaftspolitik.“

Quelle: IHK zu Lübeck

Impressum