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Keine generelle Kreditklemme - aber oft ungünstigere Konditionen

07. August 2009 (HL/red.) Keine generelle Kreditklemme, aber vermehrte Klagen über ungünstigere Kreditkonditionen in Schleswig-Holstein Eine aktuelle Umfrage der IHK Schleswig-Holstein hat ergeben, dass es keine generelle Kreditklemme in Schleswig-Holstein gibt. Allerdings zeigen die Ergebnisse, dass sich die Finanzierungsbedingungen für die Unternehmen in den letzten Monaten verschlechtert haben.

Bemerkenswert sind die Angaben der Unternehmen zu ihren Erfahrungen mit der
Hausbank in Bezug auf die Kreditvergabe und die Kreditkonditionen: Neun Prozent
der Unternehmen berichten in dieser Umfrage von verbesserten Kreditkonditionen
und 57 Prozent der Unternehmen wissen von unveränderten Bedingungen zu berichten.
Nur drei Prozent der Firmen sind in die prekäre Lage geraten, dass ihr
Kreditwunsch abgelehnt wurde. Allerdings berichten 31 Prozent der Betriebe von
mittlerweile verschlechterten Kreditkonditionen. Dieser Wert liegt höher als im
Bundesdurchschnitt; dort gaben im Frühsommer 2009 bei einer Umfrage des DIHK
zu den Kreditkonditionen nur 23 Prozent der Betriebe an, dass sich die Kreditkonditionen
verschlechtert hätten.
»Die auch bundesweit feststellbare verstärkte Spreizung des Kreditmarktes in
Unternehmen mit verbesserten und verschlechterten Kreditkonditionen wird größer
- vor allem hier bei uns in Schleswig-Holstein«, betont Margarete Böge, Präsidentin
der IHK Schleswig-Holstein. So liegt der Saldo aus dem »verbessert«-Anteil
minus den Anteilen aus »allgemein verschlechtert« und den Kreditablehnungen
laut dieser Umfrage bei -25 und damit deutlich höher als im Bundesdurchschnitt
(Ergebnis der DIHK-Befragung im Frühsommer 2009: -16). Dies ist aus Sicht der
IHK Schleswig-Holstein alarmierend, zeigt dieser Wert doch die erschwerten Finanzierungsbedingungen
der Betriebe ganz deutlich auf. Aber von einer Kreditklemme
zu sprechen, rechtfertigen die Ergebnisse der Befragung aus Sicht der
IHK aufgrund der sehr geringen Zahl von abgelehnten Finanzierungsvorhaben
nicht.
Schaut man sich die Gründe für die Verschlechterung an, so werden hier höhere
Dokumentationsanforderungen, höhere Anforderungen an Sicherheiten bzw. Neubewertung
von Sicherheiten und schlechtere Konditionen von den Unternehmen genannt.
Verbesserungsbedarf gibt es vor allem in der Beratung über Finanzierungshilfen
und Fördermittel. Diesem Informations- und Beratungsbedürfnis der Betriebe
kommen die IHKs in Schleswig-Holstein schon heute mit einem umfangreichen
Internetangebot, Broschüren, Veranstaltungen sowie individuellen Beratungen
nach: Die IHKs werden aber vor allem im zweiten Halbjahr 2009 und auch im
kommenden Jahr 2010 noch intensiver zu diesen Themen informieren und beraten.
Die befragten Banken und Sparkassen gaben an, dass vor allem die bürokratische
Antragstellung und die lange Bearbeitungsdauer bei Förderinstituten bei der Inanspruchnahme
von Fördermitteln hinderlich sind. Unserer Erfahrung nach und laut
Aussage der Banken bezieht sich diese Aussage vor allem auf haftungsfreigestellte
Betriebsmittelkredite der KfW.
Ein gutes Signal ist es, dass bei der Frage nach der Aufstockung bestehender
Engagements von den Banken und Sparkassen angeben wurde, dass es neben
der Bonität vor allem auf die Zukunftsaussichten des Unternehmens und die Unternehmerpersönlichkeit
ankomme. Beide Faktoren können direkt beeinflusst werden
und sind somit steuerbar für die Betriebe. Hieraus ergeben sich auch für Unternehmen
in schwieriger Situation, die aber insgesamt auf ein zukunftsweisendes
Geschäftsmodell verweisen können, trotz allem Chancen auf eine erweiterte Finanzierung.


Ergebnisse einer Blitzumfrage der IHK Schleswig-Holstein
zur Kreditvergabe und den Kreditkonditionen
1. Einleitung
Im Juli 2009 hat die IHK Schleswig-Holstein eine Sonderbefragung bei den Betrieben der
Vollversammlungen der drei Industrie- und Handelskammern in Flensburg, Kiel und Lübeck
sowie bei den Vorständen der Wirtschaftsjuniorenkreise bei den jeweiligen IHKs zu den
Themen Kreditvergabe und Kreditkonditionen durchgeführt. Befragt wurden insgesamt 256
Unternehmen sowie Banken und Sparkassen. Insgesamt erreichten die IHKs 113 Antworten
(davon 23 Banken). Dies entspricht insgesamt einer Rücklaufquote von 44 Prozent.
Für die Befragung der Unternehmen sowie der Banken und Sparkassen wurden zwei
gesonderte Fragebögen eingesetzt.
2. Ergebnisse aus der Befragung der Unternehmen
Die wichtigste Aussage vorweg: Die Umfrage bei den Betrieben in Schleswig-Holstein
bestätigt noch einmal, dass es keine flächendeckende Kreditklemme in Schleswig-Holstein
gibt. Allerdings zeigen die Ergebnisse, dass sich die Finanzierungsbedingungen für die
Unternehmen in den letzten Monaten verschlechtert haben.
Auf die Frage „Was wird finanziert?“ haben 23 Prozent der Unternehmen angegeben, dass
nur Betriebsmittel finanziert werden, 39 Prozent gaben an, Investitionen zu finanzieren und
der größte Teil mit 47 Prozent berichtete, dass es bei ihren Vorhaben beides zu finanzieren
gelte.

Bemerkenswert sind die Aussagen der Unternehmen zu ihren Erfahrungen mit der Hausbank
in Bezug auf die Kreditvergabe und die Kreditkonditionen. 9 Prozent der Unternehmen
berichten in dieser Umfrage von verbesserten Kreditkonditionen – ein Prozent weniger als in
einer bundesweiten Umfrage des DIHK im Frühsommer 2009 – und 57 Prozent der
Unternehmen wissen von unveränderten Bedingungen zu berichten (bundesweit im
Frühsommer 2009: 64 Prozent). Nur 3 Prozent der Unternehmen sind in die prekäre Lage
geraten, dass ihr Kreditwunsch abgelehnt wurde (ebenfalls nur 3 Prozent bundesweit im
Frühsommer 2009). Allerdings berichten 31 Prozent der Betriebe in dieser Befragung von
mittlerweile verschlechterten Kreditkonditionen. Dieser Wert liegt höher als im
Bundesdurchschnitt; dort gaben im Frühsommer 2009 nur 23 Prozent der Betriebe an, dass
sich die Kreditkonditionen verschlechtert hätten.
Die auch bundesweit feststellbare verstärkte Spreizung des Kreditmarktes in Unternehmen
mit verbesserten und verschlechterten Kreditkonditionen wird also größer - vor allem hier bei
uns in Schleswig-Holstein. So liegt der Saldo aus dem "verbessert"-Anteil minus den Anteilen
aus "allgemein verschlechtert" und den Kreditablehnungen laut dieser Umfrage bei -25 und
damit deutlich höher als im Bundesdurchschnitt (Ergebnis bundesweit im Frühsommer 2009:
-16). Dies ist aus Sicht der IHK Schleswig-Holstein alarmierend, zeigt dieser Wert doch die
erschwerten Finanzierungsbedingungen der Betriebe ganz deutlich auf. Aber von einer
Kreditklemme zu sprechen, rechtfertigen die Ergebnisse der Befragung aus unserer Sicht
aufgrund der sehr geringen Zahl von abgelehnten Finanzierungsvorhaben nicht.
Schaut man sich die Gründe für die Verschlechterung an, so treten erhöhte
Dokumentationspflichten (26 Prozent) an erster Stelle hervor. Nur mit geringem Abstand
dahinter werden von den Unternehmen mit verschlechterten Kreditkonditionen Sicherheiten
(24 Prozent) und dann Zinsen (21 Prozent) genannt (bundesweit im Frühsommer 2009:
Sicherheiten vor Zinsen und Dokumentationspflichten).
Es scheint also, dass die Kreditwirtschaft in Schleswig-Holstein vor allem in eine genauere
Prüfung von Vorhaben und der vorhandenen Sicherheiten eingestiegen ist. Dies verwundert
nicht, denn Prognosen über die Geschäftsentwicklung sind derzeit mit großer Unsicherheit
behaftet.
Auf die Frage „Hat eine Fördermittelberatung stattgefunden?“ antworteten 45 Prozent der
Betriebe mit nein. 27 Prozent ließen sich durch ihre Hausbank beraten, 17 Prozent durch die
Investitionsbank Schleswig-Holstein, 9 Prozent durch andere und – aus Sicht der IHKs leider
bedauerlich – nur 2 Prozent haben die Beratungsangebote wie z. B. die landesweit
stattfindenden Beratungssprechtage zur Unternehmensfinanzierung ihrer IHK genutzt.

In unseren Gesprächen mit Unternehmen haben wir immer wieder ein verstärktes
Informations- und Beratungsbedürfnis der Unternehmen festgestellt. Dies bestätigt aus
unserer Sicht auch die Umfrage, so dass wir noch stärker als bisher schon auf die
Beratungskompetenz und die Beratungsangebote der IHKs hinweisen werden.
Und wenn es um "Fördermittel" geht, so geben die Unternehmen an, dass vor allem auf den
Unternehmerkredit der KfW (33 Prozent) und auf Darlehen der Investitionsbank gesetzt wird.
Zusätzliche Besicherung über Bürgschaften der Bürgschaftsbank (11 Prozent) und
Beteiligungen der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft (11 Prozent) werden laut
Angaben der befragten Unternehmen nicht so häufig eingesetzt.

3. Ergebnisse aus der Befragung bei Banken und Sparkassen
Insgesamt 23 Banken haben an der Befragung teilgenommen. Die Fragen zielten vor allem
darauf, zu erfahren, wie die Beratungsstrukturen in den Banken und Sparkassen sind, welche
„Fördermittel“ häufig und weniger häufig eingesetzt werden, welche Gründe es für eine
seltene Inanspruchnahme gibt und – aus Sicht der Unternehmen wiederum besonders
interessant –, welche Kriterien für eine Aufstockung bestehender Kreditlinien wichtig sind.
Auf die Frage „Hat die Bank eine eigenständige Abteilung für Fördermittelberatung für
Unternehmen?“ antworteten immerhin 39 Prozent mit ja. 61 Prozent der Befragten verneinten
dies.
Dies bedeutet im Umkehrschluss allerdings nicht, dass in den Banken und Sparkassen, die
keine eigene Organisationseinheit hierfür eingerichtet haben, keine Beratung stattfindet. In
den allermeisten Fällen wird dann dort aus einer Hand, also durch den jeweiligen
Firmenkundenbetreuer beraten.
Auf die Frage, welche Fördermittel die Banken und Sparkassen einsetzen, werden vor allem
der klassische Unternehmerkredit der KfW Bank, die Darlehen der Investitionsbank und die
Bürgschaften der Bürgschaftsbank genannt. Die Aussage der Banken und Sparkassen,
weniger häufig Beteiligungen der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft einzusetzen,
korrespondiert mit den Ergebnissen der Befragung bei den Unternehmen. Bei den Gründen
für eine seltene Inanspruchnahme der Förderangebote wird von den
Banken und Sparkassen an erster Stelle mit 28 Prozent die bürokratische Antragstellung
genannt. Auch die schon in anderen Umfragen immer wieder zutage getretene „lange
Bearbeitungsdauer“ bei einigen Förderinstituten wird hier mit 22 Prozent an zweiter Stelle
genannt. Eine geringere Rolle spielen Informationen, Konditionen und vor allem die Marge.
In der derzeitigen schwierigen wirtschaftlichen Situation geht es für viele Betriebe schlicht
darum, bestehende Kreditlinien auszuweiten, bzw. Laufzeiten zu verlängern. Die aus Sicht
der Banken und Sparkassen wichtigsten Kriterien für eine solche Aufstockung sind die
Bonität und die Zukunftsaussichten des Unternehmens (jeweils mit 27 Prozent). Es gilt also
mehr denn je für Unternehmen darum, in einem regelmäßigen Dialog mit dem Banker zu
stehen und immer wieder das Geschäftsmodell und die Zukunftsaussichten des
Unternehmens – auch mit Hilfe von Planungsrechnungen – zu dokumentieren. Transparenz
und Fairness im Umgang miteinander nutzen schlussendlich beiden Partnern.
Nicht zu unterschätzen ist auch der persönliche Eindruck und die Tatkraft sowie die
Kompetenz der Unternehmerin oder Unternehmers. So gaben 22 Prozent an, die
Unternehmerpersönlichkeit ist ein Kriterium bei der Entscheidung. Auch dies verwundert
nicht, hängt doch vor allem bei Inhaber geführten Betrieben sehr viel vom Mann oder der
Frau an der Spitze ab. Auch die bisherige Geschäftsentwicklung ist aus Sicht der Banken und
Sparkassen bedeutend (13 Prozent). Eine weit weniger wichtige Rolle hingegen spielen laut
dieser Umfrage dingliche Sicherheiten (7 Prozent) oder die Aufstockung des Eigenkapitals (4
Prozent).

4. Fazit
Insgesamt zeigt die Befragung bei den Unternehmen deutlich auf, dass die Spreizung am
Kreditmarkt sich verschärft und die Finanzierungsbedingungen sich für einen immer größeren
Teil der Unternehmen verschlechtern. Besonders genannt werden hier höhere
Dokumentationsanforderungen, höhere Anforderungen an Sicherheiten bzw. Neubewertung
von Sicherheiten und schlechtere Konditionen. Handlungsbedarf gibt es aus unserer Sicht
vor allem in der Beratung über bestehende Finanzierungshilfen und Fördermittel. Diesem
Informations- und Beratungsbedürfnis der Betriebe kommen die IHKs schon heute mit einem
umfangreichen Internetangebot, Druckerzeugnissen und Broschüren, Veranstaltungen sowie
individuellen Beratungen nach. Die IHKs werden aber vor allem im zweiten Halbjahr 2009
und auch im kommenden Jahr 2010 noch intensiver zu diesen Themen informieren und
beraten.
Bei den Banken und Sparkassen zeigt sich, dass vor allem die Antragstellung und die
Bearbeitungsdauer bei einigen Förderinstituten bei der Inanspruchnahme von Fördermitteln
als verbesserungswürdig beurteilt werden. Ein gutes Signal ist es aus unserer Sicht, das bei
der Frage nach Aufstockung bestehender Engagements von den Banken und Sparkassen
angeben wurde, dass es neben der Bonität vor allem auf die Zukunftsaussichten des
Unternehmens und die Unternehmerpersönlichkeit ankomme. Beide Faktoren können direkt
beeinflusst werden und sind somit steuerbar für die Unternehmen. Hieraus ergeben sich auch
für Unternehmen in schwieriger Situation, die aber insgesamt auf ein zukunftsweisendes
Geschäftsmodell verweisen können, trotz allem Chancen auf eine erweiterte Finanzierung.
Die viel beschworene generelle Kreditklemme gibt es also laut dieser Umfrage in Schleswig-
Holstein nicht.

Quelle: IHK SH

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