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Agentur für Arbeit Lübeck

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Berufliche Perspektive mit Unterstützung

12. Dezember 2018 (HL-Red-RB) Alfons Adam von der Daimler AG hat mal gesagt, dass jede Behinderung nur so lange eine Behinderung ist, bis man die richtige Stelle gefunden hat. „Wenn Beschäftigte eine Einschränkung haben, heißt das noch lange nicht, dass sie keine wertschöpfende Arbeit leisten können. Im passenden Arbeitsumfeld können sie ihre Kompetenzen einbringen. Davon profitiert auch das Unternehmen. Bei der Suche nach diesem passenden Umfeld unterstützen wir die Arbeitskräfte und Unternehmen“, erklärt Bernd Homeyer, Teamleiter für Rehabilitanden und Menschen mit einer Behinderung in der Agentur für Arbeit Lübeck.

Menschen mit einer Einschränkung haben oftmals ganz besondere Stärken und Fähigkeiten. Menschen mit Autismus haben zum Beispiel oft eine hohe Detailgenauigkeit. Sie benötigen jedoch meist geduldige und verständnisvolle Anleiter, die ihnen klare Anweisungen geben.




Jens Horn sorgt im Foodbereich in Sereetz für stets volle Regale.

Jens Horn hat so einen Chef gefunden. Seit 01. Dezember 2018 ist der 19-Jährige als Verkaufshelfer beim famila-Handelsmarkt Kiel GmbH & Co. KG in Sereetz beschäftigt. Nach seinem Hauptschulabschluss hat er zunächst eine von der Arbeitsagentur geförderte berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme besucht, um sein Potenzial und verschiedene Ausbildungs- sowie Berufsmöglichkeiten kennen zu lernen. Da er noch Zeit für seine persönliche Entwicklung benötigte, wurde er von der Arbeitsagentur Lübeck in die Maßnahme „Individuelle betriebliche Qualifizierung“ aufgenommen und durch den Bildungsträger integra gGmbH in den letzten Monaten intensiv betreut. Integra ist eine gemeinnützige GmbH, die meist im Auftrag der Arbeitsagentur Menschen mit einer Beeinträchtigung begleitet und den Integrationsfachdienst nach dem Sozialgesetzbuch (SGB) IX im Auftrag des Integrationsamtes anbietet.

„Wir suchen nach den Interessen und Fähigkeiten der Teilnehmenden Praktikumsbetriebe und begleiten sie durch ein intensives Coaching. An vier Tagen sind sie im Betrieb und an einem Tag reflektieren wir bei uns in den Unterrichtsräumen die Erlebnisse während der Beschäftigung. Mindestens einmal wöchentlich sind wir auch im Betrieb vor Ort, um die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu betreuen und den Unternehmen mit Rat zur Seite zu stehen. Über so ein Praktikum hat Jens Horn famila kennengelernt“, Jörg Steinkämper und Jannik Marquard, Jobcoaches bei der integra gGmbH.

„Herr Horn benötigt Halt und lernt in kleinen Abschnitten. Überwiegend platziert er die Ware, hat aber auch Kontakt zu Kunden. Er ist sehr zuverlässig, hat ein exzellentes Gedächtnis und insgesamt eine gute Entwicklung gemacht. Wir wollen seine Talente weiter fördern. Deshalb habe ich ihm und seinen Eltern in einem Gespräch vorgeschlagen, eine Ausbildung zum Verkäufer im nächsten Jahr bei uns zu machen“, freut sich Peter Bünning, Warenhausleiter bei famila in Sereetz. Er ergänzt: „Weil Herr Horn gut arbeitet und Potenzial hat, haben wir ihn übernommen, aber zunächst als Verkaufshelfer. Auf Sicht gesehen, ist es wichtig, einen Beruf zu lernen, weil er danach bei famila sofort tariflich eingruppiert und mehr verdienen wird als ein Ungelernter. Mit einer abgeschlossenen Ausbildung ist er für die Zukunft ganz anders gewappnet. Die Ausbildung ist die beste Investition in die Zukunft!“ Das hat alle zum Glück überzeugt.




Jannik Marquard (v.l.), Jörg Steinkämper, Peter Bünning, Ralf Pannach, Bernd Homeyer und Jörn Klingsporn unterstützen Jens Horn und Natalie Marczinzik dabei, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.


Der ehemalige Magnet-Markt wurde 2000 von der famila-Handelsmarkt Kiel GmbH & Co. KG übernommen und beschäftigt 65 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ausgebildet werden die Berufe Kaufleute im Einzelhandel, Verkäufer/innen Non-Food und Fleischerei. Zurzeit gibt es zwei Auszubildende.

Über eine Betreuung durch die integra gGmbH hat auch Natalie Marczinzik (25 Jahre) Fuß auf dem Arbeitsmarkt fassen können. Die alleinerziehende Mutter wurde aus dem Praktikum übernommen und arbeitet seit 01. September 25 Stunden in der Woche als Verkaufshelferin im Lübecker familia-Markt in der Schwartauer Landstraße. „Wir mussten zwar mehr Zeit investieren, weil Frau Marczinzik für die Umsetzung des Erklärten länger braucht, aber sie ist praktisch begabt und arbeitet inzwischen selbständiger. Die Übernahme war für uns deshalb der nächste logische Schritt,“ erläutert Warenhausleiter Jörn Klingsporn.



Textilbereich: Natalie Marczinzik betreut in der Schwartauer Landstraße den Textilbereich.


Auch dieser Markt wurde 2000 von der famila-Handelsmarkt Kiel GmbH & Co. KG übernommen und beschäftigt 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ausgebildet werden die Berufe Kaufleute im Einzelhandel, Fleischer/innen, Verkäufer/innen Non-Food und Fleischerei. Zurzeit gibt es drei Auszubildende. Außerdem je einen Praktikanten im Rahmen einer Umschulung und Einstiegsqualifizierung.


„Wir würden uns freuen, wenn mehr Betriebe Menschen mit einer Einschränkung eine Chance geben. Sie sind häufig überdurchschnittlich motiviert und loyal. Ein Potenzial, das gerade mit Blick auf die demografische Entwicklung und Fachkräfteengpässe genutzt werden sollte. Wir beraten Unternehmen gerne über behinderungsbedingte Auswirkungen, technische Arbeitshilfen, Förderung und Begleitung“, wirbt Homeyer.



Betriebe aus Lübeck und Ostholstein erreichen Carsten-Peter Hinz unter der Telefonnummer 0451 588-326.


Hintergrundinformation zum Arbeitsmarkt


Im Bezirk der Agentur für Arbeit Lübeck waren Ende November 2018 776 Menschen mit einer Schwerbehinderung arbeitslos gemeldet. Obwohl ihre Zahl in den letzten fünf Jahren zurückging, profitieren sie nicht so stark vom Rückgang wie alle Arbeitslosen. Ihr Anteil an allen Arbeitslosen ist von 5,4 Prozent auf 5,7 Prozent gestiegen. Rund 66 Prozent dieser Arbeitslosen werden von den Jobcentern und 34 Prozent von der Arbeitsagentur betreut.


Im Kreis Ostholstein waren davon Ende November 2018 347 Menschen mit einer Schwerbehinderung arbeitslos gemeldet. Obwohl ihre Zahl in den letzten fünf Jahren zurückging, profitieren sie nicht so stark vom Rückgang wie alle Arbeitslosen. Ihr Anteil an allen Arbeitslosen ist von 6,6 Prozent auf 6,7 Prozent gestiegen. Rund 58 Prozent dieser Arbeitslosen werden vom Jobcenter Ostholstein und 42 Prozent von der Arbeitsagentur betreut.


In der Hansestadt Lübeck waren davon Ende November 2018 429 Menschen mit einer Schwerbehinderung arbeitslos gemeldet. Obwohl ihre Zahl in den letzten fünf Jahren zurückging, profitieren sie nicht so stark vom Rückgang wie alle Arbeitslosen. Ihr Anteil an allen Arbeitslosen ist von 4,7 Prozent auf 5,1 Prozent gestiegen. Rund 72 Prozent dieser Arbeitslosen werden vom Jobcenter Lübeck und 28 Prozent von der Arbeitsagentur betreut.


Außerdem suchen rund 140 junge Menschen mit Einschränkung jedes Jahr mit Hilfe der Arbeitsagentur eine Ausbildungsstelle in Lübeck und Ostholstein.


In einer Maßnahme der „Individuellen betrieblichen Qualifizierung und unterstützten Beschäftigung“ wurden 77 Teilnehmende 2018 gefördert.



2017 hat die Agentur für Arbeit Lübeck 14,1 Millionen Euro für die Teilhabe von Menschen mit einer Behinderung am Arbeitsleben ausgegeben, das waren rund 11 Prozent aller Ausgaben. Hinzu kommen rund eine Million Euro bei beiden Jobcentern.


Quelle:
Agentur für Arbeit Lübeck
www.arbeitsagentur.de

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